Eine Reise endet

Moin

 



 

und herzlich Willkommen zum allerletzten Reisebericht. Im allerersten Blogeintrag saßen wir gerade im Flieger Richtung Cancun und ich habe mich gefragt, wie man eigentlich einen halbwegs seriösen Reiseblog schreiben würde. Jetzt, 37 Blogeinträge später, weiß ich es - „frei von der Leber“.

 

Die heutigen Rahmenbedingungen könnten nicht besser sein: vor mir die Bar und der indische Ozean mit absolut türkis-klarem Wasser, links von mir ein typisches All Inclusive -„Rauchen, Saufen, Selfie“ Pärchen aus Deutschland und rechts ein russischer Staatsbürger in extrem knapper weißer Armanibadeshorts, welche die putinschen Juwelen klar wie Wodka hervorhebt. Apropos Wodka; diesen schwingt der sibirische Tiger gerade kopfüber als Test über den Tresen, um zu gucken, ob der Wodka eine annehmbare Qualität für seinen Gaumen hat. Natürlich entspricht keiner seinen Ansprüchen und natürlich lässt er das den Barmann und den Rest der dort sich aufhaltenden Personen auch wissen - wozu auch sonst diese Show. Herzlich Willkommen in einem schicken Resorthotel auf den Malediven. 

 

Aber was soll der Quatsch, soll man sich über sowas aufregen - wir nicht mehr, wir haben zu viel gesehen in den letzten Monaten. Wir amüsieren uns köstlich über solche Pflegefälle. 

 

Apropos soviel gesehen in den letzten 11 Monaten; ja, aber was fanden wir eigentlich am besten; was war euer Highlight; was war scheiße…? Ich glaube, dass werden die meist gestellten Fragen sein, wenn wir diese Woche heim kommen. Ich denke, wenn wir da pauschal darauf antworten würden, würden wir ganz klar sagen Südamerika, genauer Patagonien. Sicherlich war z.B. Neuseeland auch großartig, aber bei Neuseeland wussten wir auch schon vorher was uns erwarten würde und das es dort total schön wird. Meistens waren es bei uns die Orte, wo wir keine Erwartungen hatten, wo noch nicht jeder schon drei mal war oder man im Internet 684 Reiseblogs und Erfahrungsberichte lesen konnte. Ich glaube, wenn ich zu Hause 10 Leute Fragen würde: „Lieber Neuseeland oder Patagonien?“  Würden 7 mit Neuseeland antworten und 3 würden fragen, wo Patagonien liegt. Zu Recht, weil Neuseeland medial bei uns ja auch 10 mal mehr gehypt wird, außerdem ist es meist in den sozialen Medien in Englisch und nicht, wie in Patagonien, in Spanisch unterwegs. Als wir in Patagonien ankamen hatten wir nur ein paar Orte, Berge und Schlagwörter aufgeschnappt und uns völlig unvorbereitet durch dieses Fleckchen Erde bis zum Ende der Welt treiben lassen. Und genau das war es, wir wurden sowas von überwältigt von dieser Gegend, dass das unser Highlight unter den Highlights auf der Weltreise war! Patagonien war einfach unbeschreiblich schön, schroff, unbekannt, kühl & klar, weit, endlos spannend, anstrengend, lecker, Fitz Roy, Torres del Paine, El Chaltén, Perito Moreno und einmalig! Ich habe im ersten Fazit und in den Einträgen schon so viel über Patagonien geschwärmt, daran hat sich bis heute nichts geändert.

 

Als weitere Highlights im Tannenbaumprinzip wollen wir, neben Neuseeland natürlich, noch Peru, Machu Picchu; Bolivien, Salar de Uyuni und das darum liegende Hochland; ja und so ziemlich alles in Vietnam aufführen. Wenn wir uns zwischen Asien und Südamerika entscheiden müssten, würden wir uns ohne zu überlegen für Südamerika entscheiden. Wir fanden Asien auch gut, aber es ist wesentlich mehr überlaufen, hektischer, heißer und anstrengender von den Menschen her als Südamerika. Südamerika ist einfach interessanter und schöner!

 

Sicherlich gab es auch Sachen, die uns nicht so gefallen haben, die einem aus den verschiedensten Gründen nicht so gepasst haben. Japan z.B. fand Vanessa überhaupt nicht prickelnd. Australien hat uns vermutlich nicht gefangen, weil wir vorher in Neuseeland waren und Australien dagegen schlichtweg langweilig war. Richtig enttäuscht waren wir im Großen und Ganzen nur von den Philippinen. Die Gründe hatte ich damals schon aufgezählt, dass Land war für uns nur Schein und der trügt auf den Philis ganz gewaltig.

 

 

 

Heute Morgen war ich im Fitnessstudio hier im Resort. Außer mir war sonst nur einer der Armani-Fraktion anwesend, samt Freundin. Armani Schuhe, Sporthose und Shirt. Ich war zum Sport da, Armani war zur Show da. Seine Freundin musste ihn dabei filmen, wie er 10 Sekunden auf dem Laufband ordentlich Späne gibt, dann einen Klimmzug macht und zu letzt ein wenig vor dem Spiegel post. Das ganze war an Fremdscham und Lächerlichkeit nicht zu überbieten, ich habe mich wieder köstlich amüsiert. Nach 10 Minuten war seine „anstrengende“ Trainingseinheit beendet, die Videos im Kasten und seine Leute zu Hause denken: Boah wat is der Igor doch für ne sportliche Type!

 

Apropos Filmen oder Posen; wir konnten jetzt fast ein Jahr das Verhalten der unterschiedlichsten Kulturen beobachten. Wenn wir an irgendwelchen Spots waren, einen Berg erklommen, oder vor einer Sehenswürdigkeit standen, war es generell so, dass sich viele Menschen einfach respektlos und frech anderen Menschen gegenüber verhalten. Es gibt bei vielen kein „möchten Sie auch mal“ oder „Entschuldigung, dass ich ihnen fast die Kamera aus der Hand geschlagen habe“. Auch wie manche Menschen sich in Hostels verhalten, wie sie Einrichtungen, Gemeinschaftsküchen oder Toiletten hinterlassen. Wir waren oft schockiert, was es doch oft für asoziale und/oder ekelhafte Leute gibt. Am schlimmsten fanden wir jedoch die, die in einem Hotel, Restaurant oder wo auch immer, den Bediensteten nichts weiter als Verachtung geschenkt haben. Bei diesen Menschen hing die IQ Fahne oft auf Halbmast oder sie wurden früher als Kind auf dem Schulhof verprügelt. Leider waren es oft die selben. Es wäre obsolet, dass es in Deutschland nicht genauso wäre, nur ist uns das hier durch unsere ständigen Bettenwechsel, Fressbuden etc. natürlich besonders aufgefallen und diese Erfahrung nimmt man mit. 

 

Habe ich vor der Reise solche Reisen, wie wir sie hier gerade auf den Malediven machen, noch für völlig schwachsinnig erklärt, muss ich meine Meinung nach 11 Monaten auf Achse revidieren. Wie soll ich auch über das was wir hier gerade machen was schlechtes schreiben können. Ja, ich würde meinen Jahresurlaub für diesen langweiligen Juppiurlaub hier auch niemals opfern und ja, es laufen hier sau viele Arschproleten und Selbstdarsteller rum, aber sonst? Was will ich hier denn gerade mehr? Es ist einfach sau entspannend. Jeder Wunsch wird einem von den Lippen abgelesen, der Ozean 20 Meter vor unserem Zimmer ist wie aus dem Bilderbuch, dass Zimmer ist riesig mit einem 2x2 Meter Boxspringbett. Ich könnte von morgens bis abends im Pool an der Bar sitzen und mich zulaufen lassen - die Getränkeauswahl ist in keinem gut sortierten Spirituosenhandel faszinierender. Das Zapfbier ist so gut wie im Sportheim und mir wird morgens, mittags und abends ein Buffet hingestellt, da weiß ich nicht wo ich wo ich aufgrund der leckeren Auswahl zuerst und zuletzt anfangen soll. Außerdem gibts eine 24/7 Sportsbar und vier weitere A la Carte Restaurants samt Steakhouse. Also, Topsache, Hut ab - bis auf die respektlosen Assis.

 



 

Apropos Restaurants; unsere Reise war ja nicht nur ein Ritt durch die verschiedensten Länder und Kulturen, es war ja auch ein Trip durch die unterschiedlichsten Küchen. Jetzt kommt bestimmt die Frage auf, wo isst man denn am besten? Um das gleich pauschal zu beantworten, die patagonischen Steaks in Argentinien sind konkurrenzlos. Die unübertroffene Kombination aus Zubereitung, Qualität, Geschmack und Preis/Leistung bekommt man vermutlich nirgendwo anders so gut auf der Welt. Das Thema Essen war im Allgemeinen ein seht großes auf dieser Reise, da Vanessas Ansprüche ungefähr dreimal so hoch sind wie meine und sie sich ca. zu 90% vegetarisch ernährt hat, war es auch nicht immer einfach -  aber auch sie aß in Patagonien das Steak ihres Lebens. Welche Küche uns auf jeden Fall gleich zu Anfang unserer Reise überzeugt hat, war die Mexikanische. Dort war für jeden was dabei, es war schön scharf und sehr abwechslungsreich. Genauso abwechslungsreich sind die Vietnamesen und die Thailänder beim Kochen. In Vietnam habe ich fast jeden Morgen Pho Bo zum Frühstück gegessen und abends frische Frühlingsrollen mit Gemüse. Die Dinger waren unglaublich lecker und halt nicht frittiert. Wir haben uns überall kräftig durchprobiert und sogar einen vietnamesischen Kochkurs besucht, um das auch zu Hause anwenden zu können. In Thailand waren es ganz klar die ganzen verschiedenen Currys. Ich habe in Thailand so gut wie jeden Tag Curry gegessen; mein Favorit ist Mansaman-Curry. 

 

Apropos so gut wie jeden Tag; besser gesagt jeden Tag seit 11 Monaten hängen wir aufeinander. Ja, harter Themenwechsel jetzt aber auch das ist ein interessanter Punkt unserer Reise. Wir hatten keine Ahnung wie das so funktioniert, wenn man jeden Tag zusammen abhängt und zwischendurch auch 10 Wochen auf engstem Raum im Wohnmobil lebt. Bestimmt hatten wir zwischendurch auch Phasen, wo wir mal gar kein Nerv aufeinander hatten, weil Vanessa wieder die Qualitätsqueen im Supermarkt war und dieser auch nach dem zehnten mal abschreiten der Gänge nicht das Sortiment eines Edekas aus Hannover in die Regale einsortiert hatte oder auf einer Speisekarte mit 100 Gerichten kein passendes dabei war, was den vegetarischen Vorstellungen entsprach. Ja auch andersherum, lasse ich gerne meine Sachen überall dort liegen, wo ich gerade war, das konnte ich als Kind schon gut; oder hinterlasse die Küche gerne wie eine Schießbude. Das sind natürlich nur ein paar Beispiele, aber damit mussten wir uns ja fast täglich auseinander setzen und dafür, finden wir beide, hat das alles relativ reibungslos funktioniert. Vanessa hat mir noch ein paar Kleinigkeiten mit gegeben, an denen ich in unserer Wohnung arbeiten sollte. Aber im großen und ganzen: Test bestanden! 

 

Ich sitze übrigens gerade wieder am Pool und gönne mir ein paar Biere. Ich habe festgestellt, dass Bier die Kreativität beim schreiben fördert, vielleicht ist es auch einfach die Fantasie - man weiß es nicht. 

 

Apropos Kreativität; wenn ich auf der Reise was für mich entdeckt habe, dann ist es das Fotografieren. Habe ich am Anfang der Reise so hier und da mal ein paar Fotos im Automatikmodus geschossen, habe ich das Thema von Ort zu Ort, von Woche zu Woche weiter vertieft und eine große Leidenschaft dafür entwickelt. Ich verstehe es jetzt wie meine Kamera auch jenseits des Automatikmodus fungiert. Auch zu Hause werde ich mich weiter damit beschäftigen. 

 

Vanessa konnte weiter an ihren Fähigkeiten arbeiten, um in ferner Zukunft vielleicht mal ein Michelin Stern abzuräumen, na gut vielleicht nicht gleich so ein Stern, aber auf jeden Fall konnte sie in allen Ländern ihren Horizont erweitern und hat (hoffentlich) für unser zukünftiges Kochstudio ein paar wertvolle Tips im Sack. Was wir sonst so mitgenommen haben, merken wir vielleicht noch garnicht. Ob wir uns verändert haben oder entwickelt, merken wir vermutlich erst, wenn wir wieder ein geregeltes gesellschaftliches Leben führen und regelmäßigen Kontakt zu bekannten Mitmenschen pflegen. 

 

Natürlich nehmen wir diese ganze Reise als eine riesige Erfahrung mit, eine Erfahrung und ein Abenteuer, was uns nie wieder wer nehmen kann. Wir haben die schönsten Länder und spannendsten Orte der Erde besucht - Bilder und Erlebtes haben sich im Kopf festgebrannt und wenn nicht, haben wir es auf tausenden Fotos gespeichert. Es lief nicht immer alles glatt aber richtig schief lief auch nie etwas, bis auf einen verpassten Flug. Eines haben wir auch gelernt, eine Weltreise kann im heutigen Smartphone Zeitalter jeder, vorausgesetzt er ist physisch sowie psychisch einigermaßen stabil - das anstrengendste findet nämlich nicht auf den Beinen statt sondern im Kopf! Restliche Organisation oder Kommunikation erledigt das Internet bzw. Smartphone. Menschen, die vor der Erfindung des Internets so eine Reise mit dem Rucksack gemacht haben, sind die wirklichen Abenteurer. Die haben nicht vorher schon das Hotel über eine App gebucht, die Flüge oder Busse im voraus gecheckt oder Google Maps bzw. das Navi angeschmissen, wenn man sich in der Stadt verlaufen oder irgendwo im Nirvana verfahren hat. Ein wenig Mut, vor allem temporär alles abzubrechen, und eine ordentliche Prise Abenteuerlust sollte man auch noch mitbringen. 

 

Von der Planung her, würden wir es nächstes mal marginal anders machen. Wir würden schon einen Monat früher los, also im September und dann einen Monat länger in Südamerika reisen. Dafür würden wir dann einen Monat von unserer Asien Zeit streichen. 

 



 

Und sonst? 4 Kontinente, 16 Länder, 119 Orte und 77 Unterkünfte. 33 Flüge, 20 Schifffahrten, 37 Busfahrten und 8 Bahnfahrten. 66.700 Flugkilometer und irgendwas um die 25.000 Straßenkilometer liegen hinter uns. Ubers, Taxis, Linienbusse und Mopedfahrten haben wir garnicht mitgezählt. Es waren teilweise lange Strecken zu absolvieren; die längste war in Südamerika von Esquel nach El Chaltén, dort saßen wir über 20 Stunden im miefenden Bus. Der höchste Punkt war der Rainbow Mountain in Peru mit etwas über 5.000 Metern. Am weitesten entfernt von zu Hause mit 18.300 Kilometern Luftlinie waren wir am Nugget Point in Neuseeland. Am heißesten war es in Luang Prabang, Laos - um die 40*C und am kühlsten nachts in Ushuaia, um die 3*C. Vietnam hatte die günstigsten Bierpreise, in Neuseeland, Australien und Japan konnte ich mir nicht so oft ein Bier in der Kneipe leisten. Das beste Bier der Reise gab es übrigens tatsächlich in Laos: Beerlao - das leckerste Bier Asiens. Ach so, und den schönsten Strand samt Meer findet man übrigens auf den Malediven, daran gibts nicht zu rütteln - der perfekte Abschluss einer einmaligen Reise.

 



 

Genug Statistik, genug geschrieben. Es wird Zeit! Wie der Zufall es will, läuft für die letzten drei Sätze dieses Blogs in meiner Playlist gerade Jimmy Eat World - My Sundown. Vielleicht überfordert mich die Situation gerade auch ein wenig. Wir freuen uns, wir freuen uns auf zu Hause, wir freuen uns auf ein kühles Paulaner oder Schneider und ein Wasser mit Sprudel, einen Döner sowie ne Bratwurst mit Bautzner und Edeka mit frischen Brötchen, dazu eine Käseplatte. Auf Bundesliga, meinen Sportplatz, unsere Dörfer und Familien und Freunde. Es ist jetzt tatsächlich vorbei. Und - wie beendet man jetzt diesen Reiseblog? So wir wir ihn begonnen haben, nur ohne literarischen Blödsinn: 

 

Vielen Dank an die ganzen Leser und das tolle Feedback, was wir für den ganzen Bums hier bekommen haben!

 



 

Es war das Abenteuer unseres Lebens, es war uns ein Fest! 

 

Bis Samstag! 

 



 

Danke 

 

Mario

 



 

ENDE

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Mutti� (Mittwoch, 04 September 2019 19:31)

    Schön geschrieben �

  • #2

    Olli (Samstag, 07 September 2019 02:39)

    Hey Mario, das meiste von dem was du so verzapft hast war echt super zu lesen und hat Spaß gemacht.
    Das hat mir doch so manche Nachtschicht verkürzt...
    Ich freue mich auf ein Wiedersehen und noch ein paar tolle Geschichten.
    Gibt es jetzt an Weihnachten so einen typischen 8 Stunden Dia Marathon? :-)
    Das hätte doch was...
    Guten Heimweg...wir sehen uns...

  • #3

    Kroko (Montag, 09 September 2019 12:23)

    Hey!
    Auch von mir vielen Dank für die vielen tollen Berichte von Euch und die gute Unterhaltung. :-)
    Wie oft habe ich beim Lesen gegrinst, gelacht, geschmunzelt... Leider hing ich immer so 3-4 Monate hinterher, darum hätten meist auch keine Kommentare Sinn gemacht.
    Am Samstag stand ich noch mit Lisa an der Dorfstrasse in Klein Sisbeck um Mario zu begrüßen, aber anscheinend haben wir uns um ca. eine Minute verpasst. Naja, ich nehme wir sehen uns am Mittwoch in Volkmarsdorf beim Training und/oder danach am Tresen! ;-)