6 Tage Kambodscha

Servus,

 



 

letzten Dienstag sind wir nach einer Stunde Flug in Siem Reap, Kambodscha gelandet. Siem Reap ist DER Touristen Hot-Spot in Kambodscha, weil vor den Toren der Stadt der berühmte Angkor Wat Tempel steht. Über 2 Millionen Touristen kamen letztes Jahr, um sich die riesigen Tempelanlagen anzuschauen. Der Tourismus um Angkor Wat ist Kambodschas Haupteinnahmequelle; sonst ist das Land ziemlich arm und von Schreckensherrschaften sowie Kriegen in den letzen 100 Jahren gezeichnet gewesen. Mitte der 70iger Jahre litt Kambodscha unter dem Einfluss des Terrorregimes der Roten-Khmer. Die Khmer wollten das Land in einen Bauernstaat verwandeln und schlossen alle Grenzen nach außen ab. Informationskanäle, Infrastruktur, Krankenhäuser, Banken, Währung etc. wurden abgeschafft oder zerstört. Die Eliten des Landes, wie z.B. Ärzte, Ingenieure, Bänker, Gläubige oder generell alle anders Denkenden, wurden aufs Land deportiert und dort versklavt oder getötet. In den rund drei Jahren der Herrschaft wurden zwischen zwei und drei Millionen Männer, Frauen und Kinder auf bestialische Weise umgebracht. Die ganze Geschichte ist so schrecklich, dass Kambodscha eine komplette Generation Männer fehlt, da sie entweder umgebracht oder garnicht geboren wurden.

 

Heute liegt das Durchschnittsalter in Kambodscha bei 22 Jahren, Menschen im Alter um die 50 gibts es fast nicht. Heute sind zwar alle Bürger in Kambodscha frei, doch leben diese weiterhin in einer „Art“ Diktatur. Die Städte boomen, die Korruption floriert, das Volk auf dem   Land ist sehr arm. Trotz allem, hatten wir den Eindruck, sind die Menschen, die wir getroffen haben, zufrieden und haben Arbeit.   

 

Nun ja, das kurz vorweg - sehr interessantes Thema. 

 

Als wir aus dem Flieger ausstiegen, fiel uns gleich der topmoderne Flughafen auf und die doch sehr eigenwillige Einreiseprozedur. Mit einem grimmigen Blick und einer abfallenden Handbewegung wurden wir freundlich an einen Tresen gewinkt, wo wir erstmal jeder 30 $ für das Visum abdrücken mussten. Das Geld wurde ganz oldschool in schwarzen Aktenkoffern gestapelt; diese Aktenkoffer, die dann wie im Film so lustig aufspringen und man anschließend mit der ganzen gebündelten Kohle ein krummes Ding dreht. Ich denke hier wird es nicht anders sein. Mit der nächsten „freundlichen“ Handbewegung wurden wir weitergeschickt, bis wir dann am Ende des Tresens wieder unseren Pass abholen konnten. Ein bisschen gruselig finde ich, dass viele von den Khmer von damals im Nachhinein nicht verurteilt werden konnten, da es entweder keine Beweise mehr gab oder schlichtweg alle Richter und Juristen umgebracht wurden. So kommt es also vor, dass heute in solchen wichtigen Positionen wie z.B. bei der Einreise ältere Herren sitzen, die diesem Regime angehört haben könnten und sich die Taschen voll machen. 

 

Als wir dann unseren Pass samt Einreiseaufkleber wieder hatten, mussten wir noch durch die zweite Passkontrolle. Auch dort schrie mich der Typ an, weil ich ihn beim ersten Mal nicht verstanden hatte und erst die linke Hand auf den Fingerscanner legte. Also kurz gesagt, wir wurden freundlich empfangen.

 

Draußen wartete schon TukTuk mit seiner Kutsche - ein kleines Moped mit einem einachsigen Kutschwagen hinten dran, wo bis zu vier Personen Platz finden. Die Abholung wurde von unserem Hotel organisiert. TukTuk wollte auch umgehend unsere Handynummer haben, damit er uns in den nächsten Tagen durch Angkor Wat fahren könne. Die Tagesfahrten von Tempel zu Tempel sind ein lukratives Geschäft für die TukTuks und Touristen gibt es genug. 

 

Am ersten Tag guckten wir uns erstmal die Altstadt an, aßen indisch und checkten die berühmte Pub-Street in Siem Reap. Überall dort reiht sich Kneipe an Kneipe und Restaurant an Restaurant. Die meisten Läden werben mit Bier für 0,5 $, wo sie bei mir natürlich offene Türen einrannten und wir bzw. ich diese günstigen Biere erstmal testeten. Das Kambodschanische Bier wird mir nicht in Erinnerung bleiben - aber einem fast geschenkten Gaul schaut… ja ja usw. Kambodscha hat zwar mit dem Riel eine eigene Währung, jedoch ist diese fast nichts Wert und wird als Kleingeld zwischen den vollen Dollars verwendet. Man ist also oft mit zwei Währungen im Gange, was ein bisschen komisch ist. Durch den Dollar ist Kambodscha dann auch oft garnicht soooo günstig; meist aber nur in Läden, die außergewöhnliche Speisen wie halt Griechisch, Indisch o.ä. anbieten. Die Supermarktpreise sind alle in Dollar und die Produkte teilweise teurer als bei uns, konnten wir irgendwie nicht so ganz nachvollziehen. Unser schniekes Hotel hat um die 20€ mit Frühstück und Pool gekostet, eine TukTuk fahrt 2$, eine Stunde Massage 8$, kambodschanisch essen mit Getränken und Vorspeise für zwei Personen 9$ - das war dann alles wieder recht günstig.         

 

Am Donnerstag sollte es dann mit unserer ersten Angkor Wat Tour losgehen. Im Hotel checkten wir die Tagestouren und empfanden das als sehr überteuert. Wir lehnten erstmal ab, um uns das beim Essen durch den Kopf gehen zu lassen. Wie der Zufall es wollte, war der TukTuk Fahrer, den wir an der Straße trafen, um uns zum Essen zu fahren, ein Glücksgriff. Sein Name war Wjaja. Wjaja schmiss uns am Restaurant raus und fragte dann, ob wir schon ein Fahrer für Angkor Wat hätten und machte uns ein Angebot für eine Tagestour. Das Angebot war um mehr als die Hälfte günstiger als vom Hotel. So verabredeten wir uns für nächsten Morgen um 4.30 Uhr vor dem Hotel. Ja, 4.30 Uhr, ich weiß nicht wann wir das letzte mal so früh aufstehen mussten. Wjaja war schon da und fuhr mit uns erstmal zum Ticketschalter. Tagesticket 37 $, Dreitagesticket 62 $. Wir entschlossen uns aufgrund der Ausmaße und Anzahl der ganzen Tempel für eine zweite Tour an einem anderen Tag. Die Ticketpreise sind natürlich horrend, aber das war bei Maccu Pichu oder anderen Schauspielen auch nicht anders - die Leute zahlen es! Der Grund warum wir unsere Tour so früh am Morgen startetet war, dass wir den Sonnenaufgang hinter Angkor Wat sehen wollten. 40 Minuten bevor diese aufgehen sollte, saßen wir bewaffnet mit Kamera, Stativ und Ritz-Kräckern auf einer Stufe und warteten. Als es dann hell wurde, mussten wir feststellen, dass die Sonne es heute leider nicht durch die Wolkendecke geschafft hatte. Wir guckten uns also ohne Sonne den riesigen Tempel an, was uns jetzt auch nicht so störte, da es sowieso sau schwül war und ich schon wieder transpirierte wie eine Bratwurst auf dem Rost. Der Haupttempel ist wirklich verdammt riesig und sehr gut erhalten. Nach gut zwei Stunden latschten wir zurück zum Parkplatz wo Wjaja schon auf uns wartete. Wjaja stellte fest, dass ich ein wenig verschwitzt wäre, das bestätigte ich ihm. Wjaja meinte, es wäre ein wenig frisch heute für ihn, das konnte ich nicht verstehen. Weiter ging es zu den nächsten Tempeln. Die waren ein wenig älter, jedoch nicht weniger spektakulär. Mit älter meine ich, dass die Tempel dort alle um die 1000 Jahre alt sind und an manchen Stellen doch sehr fragil wirken. Ich glaube in Europa wären viele Teile dieser Anlagen schlicht gesperrt, da Einsturzgefahr. Hier aber nicht und wir konnten uns durch die dunklen Gänge schlängeln wie wir wollten. Vor den Tempel tollen Affen rum, spielen und fressen Kokosnussreste. Die älteren Pärchen arbeiten ungeniert und fleißig an Ihrer Familienplanung. Tolle Szenerie! Der Tag nahm seinen Lauf, wir schauten uns Tempel um Tempel an. Zwischendurch kam auch der chinesische Express-Sightseeing-Reisebus vorbei. Sonst war es immer bei denen so: Raus-kreischen-drängeln-Foto-rein-weiterfahren. Jetzt wurde sich nichtmal mehr die Mühe gemacht auszusteigen. Der Bus hielt auf der Straße und ca. 25 Nasen klebten an den Scheiben des Busses, um ein Foto zu schießen. Der Tempel scheint von innen für die Leute gar nicht interessant. Wir und Wjaja verfolgten das Theater kurz und betraten dann den Tempel, auf den wir am meisten gespannt waren. Der Tempel ist aus dem 8. Jahrhundert, steht halt auch mitten im Dschungel, aber ist von diversen Bäumen zurückerobert worden. Die riesigen Bäume und Wurzeln ziehen sich durch die Tempel, Türme und um die Steine wie Seile, die das ganze Konstrukt zusammenhalten. Natürlich haben auch viele Wurzelstränge das Gegenteil bewirkt, so aber auch einzigartige „Bauwerke“ geschaffen. 

 

Es war mittlerweile Mittag und wir hatten die erste Tempeltour erfolgreich absolviert. Wjaja kostete uns für den Tag 18 $ + 2 $ Dollar Trinkgeld. Wir verabredeten uns Samstag für die zweite Tour. Müde und völlig durchgeölt verbrachten wir den restlichen Tag am Pool und abends in einem bayrischen Restaurant eines deutschen Auswanderers. Es gab Jägerschnitzel mit Spätzle/ Kässpätzle und Radler. Die Stimmung in diesem Lokal war ein wenig eigenartig; wir saßen an einer großen Tafel mit anderen Deutschen, die aber alle locker 20 Jahre älter waren als wir. Die Gesprächsthemen verwirrten uns ein wenig und ich wurde das Gefühl nicht los, dass wir von einer, vorsichtig ausgedrückt, eher konservativen Gruppe umgeben waren. Unvorsichtig ausgedrückt, auf die AFD-Verlierer hatten wir kein Bock und wir verließen die Kneipe nach einem Essen und paar Bier wieder. 

 

Unser zweiter Tag mit Wjaja war wieder sehr entspannt. Um 9 Uhr stand die Kutsche vor der Tür und los ging der wilde Ritt durch Siem Reaps Verkehrschaos. Kambodscha hat unzählige Verkehrstote zu beklagen. Das liegt zum einem daran, dass nur wenige Kreuzungen Ampeln oder Vorfahrtsregelungen haben und jeder fährt wie er Lust hat, zum anderen sind viele Vehikel einfach schrott! Wjaja manövrierte uns aber stets sicher durch die 70 km Tagestour. Wieder schauten wir verschiedene Tempel an, aber an diesem Tag waren diese alle etwas kleiner, dafür aber nicht inmitten des Dschungels, so dass das Grün in den Steinen ein wenig wich und die Tempel eher rötlich wirkten. Zum Schluss der großen Tour, fuhren wir noch einen spezial Tempel an, der sehr detailreich aufgearbeitet war. Dort kamen wir bei einer Cola auch in bisschen tiefer mit Wjaja ins Gespräch. Wjaja erzählte uns, dass er Frau und Kinder hat. Seine Frau hat damals auf dem Transfermarkt 2.300 $ gekostet. Ja, in Kambodscha muss man noch eine „Ablösesumme“ an den alten Verein, respektive die Eltern der Braut zahlen. Wie es sich verhält, wenn eine vertragslos ist oder gar Ablöse frei, konnte er uns nicht sagen. 2.300 $ ist in Kambodscha eine enorme Summe, was daraus schließen lässt, das Wjaja nicht die lahmste Stute im Stall gekauft hat - und er hat schon 2005 geheiratet! Im Anschluss an die Tour, vereinbarten wir auch noch die Rückfahrt zum Flughafen am Montag mit Wjaja, da die TukTuks vor unserem Hotel uns einmal übers Ohr hauen wollten. 

 



 

Was gibt es sonst noch zu Siem Reap? Wir hatten den Eindruck, dass die Stadt durch den Tourismus sehr sicher ist. Dafür aber wohl auch ein wenig teurer als die Hauptstadt Phnom Phen - die dafür aber nicht so sicher sein soll. In Endeffekt war Siem Reap völlig ausreichend für uns und wir hatten sechs coole Tage. 

 

Muss man Angkor Wat gesehen haben? Also wenn man jetzt vielleicht nur ein paar Monate durch Asien reist und man vorher noch nie einen Tempel oder ähnliches gesehen hat, flasht einen das bestimmt total, da es schon ziemlich beeindruckend ist - gerade der Zustand & Alter der Tempel. In unserem Fall hätte dann doch das Eintagesticket mit den Highlights gereicht. Wir sind mittlerweile, wie gesagt, ein wenig übersättigt an solchen Kultur- bzw. Naturschauspielen. 

 



 

Unsere Reise ist fast zu Ende - irgendwie komisch das zu schreiben. Wir sitzen gerade im Flieger und fliegen auf die Malediven, wo wir alles ausklingen lassen und nochmal Revue passieren. Von dort melden wir uns nochmal mit dem aller letzten Blogeintrag dieser Reise. Verrückt, es ist schon soweit.

 



 

Bis dahin

 

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