Auf Wiedersehen, Viet Nam

Vietnam hat uns verzaubert mit seinem Essen, seiner Natur und seinem städtischen Chaos. Wir werden dieses Land definitiv nochmal bereisen, das steht bereits fest. Und ich werde dann auf jeden Fall mit fast leerer Tasche anreisen, um Lampions, Porzellan, Kleidung und sonst noch allerhand Klimbim zu kaufen. Noch besser, man kauft die Tasche direkt vor Ort. Markenrucksäcke kosten hier nur einen Bruchteil und man sieht keinen Unterschied.

 

Trotz fast drei Wochen Vietnam sind wir noch keine Profis mit den Stäbchen, wir üben noch fleißig. An manchen Tagen endet es einfach in einem Handkrampf und wir greifen wieder zur Gabel, vor allem wenn der Hunger groß ist. So langsam gewöhnt man sich an Pho Bo (Reisnudelsuppe) zum Frühstück und den vietnamesischen Kaffee will ich nicht mehr missen. Ein Cafe Phin (vietnamesischer Kaffeefilter) und Kaffeepulver befinden sich in einem Paket per Schiff Richtung Heimat. Mal schauen wer zuerst dort ankommt – wir oder das Paket. An unseren letzten Tagen in Hanoi konnte ich Mario auch endlich überzeugen zu probieren. Er mag ihn. Sogar so sehr, dass direkt am nächsten Tag einen vietnamesischen Eiskaffee trinken wollte. Ich konnte leider nicht herausfinden wieso der Kaffee hier so schokoladig schmeckt. Mir war es vorher gar nicht bewusst, Vietnam ist der zweitgrößte Kaffeelieferant nach Brasilien. Angepflanzt wird hauptsächlich die Robusta, also nicht so die Qualitätsbohne. Den Kaffee brachten die Franzosen mit in den Vietnam, weil sie während der Kolonialzeit nicht darauf verzichten wollten. Die Anbaubedingungen im Vietnam sind für Kaffee top. Weil man im Vietnam allerdings auch keine Milch kannte, wurde daheim in Frankreich diese mit Zucker zur ziemlich süßen Kondensmilch eingekocht. Diese war dann haltbar und konnte in den Vietnam verschifft werden. Die Milch gibt es heute immer noch in den Kaffee. Eine gelungene Kaffeekreation; Zucker brauch man so auch nicht mehr. Nach dem Vietnamkrieg wurde mit Hilfe des Kaffeeanbaus der Weg aus dem wirtschaftlichen Ruin gefunden. So viel zur Kaffeegeschichte des Vietnam.

 

 

Unsere Reise führte uns von Hoi An weiter nach Hue. Der Zug war diesmal weniger spät und sah ein klein wenig moderner aus als der Letzte. Die Fahrt dauerte trotzdem länger als im Reiseplan angegeben, zwischendurch gab die Klimaanlage den Geist auf. Wir übernachteten drei Nächte in einem Homestay. Also im Haus einer vietnamesischen Familie, die uns mit aller Hand Ausflugtipps versorgte. Der Verkehr erschien uns in der Stadt um einiges humaner, sodass wir uns wieder einen Roller ausliehen, um die Gegend zu erkunden. Die verbotene Stadt, den hiesigen Markt und Bunker aus dem Vietnamkrieg auf einem kleinen Hügel bisschen außerhalb der Stadt. Hue ist keine besonders schöne Stadt. Es gibt keine Gassen voller leuchtender Lampions wie in Hoi An, dafür aber eine Art Bar-/Kneipen/Restaurant-Viertel. Die Läden mit der dröhnenden Clubmusik haben wir gemieden.

 

Ein für mich besonderes Erlebnis war die Möglichkeit einen buddhistischen Tempel während der Meditation zu besuchen und an dieser teilzunehmen. Unsere Familie lieh mir und zwei anderen Gästen die Umhänge und führte uns zu dem Tempel. Drinnen teilt man sich nach Frauen und Männern auf und nimmt auf dem Boden Platz. Im Tempel stehen überall Statuen, die meisten zeigen Buddha, fast alles ist in goldener Farbe gehalten, Räucherstäbchen und Opferaltare voller Opfergaben. Die Tempel sind unglaublich detailreich und verziert. In der Stille warten alle auf den Master, den Mönch, der die Meditation leitet. Dieser ist ein alter, kleiner Mann, der immer, wenn ich ihn sehe über das ganze Gesicht strahlt und eine unglaubliche Glücklichkeit ausstrahlt. Ich finde ihn sofort symphytisch. Leider spricht er kein Englisch. Die Meditation verläuft nach der Begrüßung wie folgt: circa 15min meditiert jeder für sich, im Schneidersitz sitzend, dann gibt es Gesang oder ein Art Gebet mit Gongschlägen, danach überbringt der Master die Nachricht und Lehren des Buddha, zum Abschluss wird nochmal meditiert, diesmal gehend durch den Tempel. Die 15min Meditation kamen mir wie mehrere Stunden vor. Ich konnte nach kurzer Zeit nicht mehr im Schneidersitz sitzen, weil mir mein Rücken unglaublich weh tat. Der Bürokrüppelrücken lässt grüßen. Dann schlief auch noch mein komplettes rechtes Bein ein. Na super, dachte ich mir, du kannst ja jetzt nicht aufstehen. Ich wurde ungeduldig und hoffte, dass das Stillsitzen bald zu Ende sei. Die ganze Zeit die Augen schließen war mir auch unmöglich, ich war viel zu neugierig was die anderen Leute so treiben. Einer der Männer gegenüber legte sich irgendwann einfach auf den Rücken , ob das wirklich erlaubt ist, es wäre die Erlösung für mich gewesen. Gegen Ende fingen Leute an sich die Beine und Füße zu massieren – immerhin ist wohl nicht nur mir das Bein taub geworden. Die Lehren des Buddha wurden uns von einer Frau übersetzt, die mit der Übersetzung allerdings nicht so hinterherkam. Am besten gefiel mir der Teil, dass man all seine Entscheidungen für sich selbst trifft. Wenn man hungrig ist, isst man, wenn man lesen will, liest man usw. Man tut all diese Dinge für sich und niemanden sonst, weil man es will und sie einen persönlich zufrieden machen. Beim gehenden Meditieren fand das Blut auch den Weg zurück in mein Bein. Auf dem Heimweg erzählte uns die Frau noch, dass der Master bereits über 80 Jahre alt ist. Optisch sah er weit jünger aus und bewegt hat er sich wie ein junges Rehkitz. In Gelenkigkeit steckt er uns alle in die Tasche. Ob Meditation und Selbstachtsamkeit der Schlüssel zur „ewigen“ Jugend sind? Ich war nach den 1,5 Stunden auf jeden Fall ziemlich begeistert und entspannt, auch wenn das Meditieren eigentlich überhaupt nicht funktioniert hat.

 

Bevor wir Hanoi wirklich erkunden konnten, machten wir dort nur zwei kurze Stopover, um zu erst die Ha Long Bucht und Sapa zu besuchen. Wir wussten dadurch aber bereits, dass wir uns auf die Stadt freuen.

 

Die Sandsteinfelsen der Ha Long Bucht sind schon ziemlich beeindruckend. Am ersten Tag bestiegen wir den kleinen Berg Bai Tho vor unserem Hotel. Man bezahlt einfach eine Frau, um durch ihren Hinterhof zu dem Pfad zu gelangen. Von uns wollte sie umgerechnet 7,50 Euro. – ziemlich teuer. Ein Erklärvideo, wie man die Felswand hochklettert, wird gratis gezeigt. Der Zugang zu den Stufen ist nämlich dreifach und doppelt abgesperrt mit Stahltor, Stacheldraht und Gittern, sowie mehrfachen Warnschildern. Man klettert also durch eine kleine Lücke an der Felswand hinauf auf den Weg. Der Aufstieg war ziemlich schweißtreibend, die Aussicht dafür dann auch sehr beeindruckend. Wir waren sogar zeitweise allein oben und konnten in Ruhe Fotos knipsen. Die Bootstour war dagegen die reinste Touriveranstaltung. Bevor der Kahn überhaupt abgelegt hat, wurde eine Stunde lang versucht Schmuck und Kleidung an die Leute zu bringen. Die Tour hatte also noch nicht mal angefangen, da hatten wir schon keine Lust mehr. Der Höhepunkt war die kurze Exkursion in die Tropfsteinhöhle auf einer der Inseln. Sich mit schreienden und fotowütigen Asiaten schmale Steintreppen hoch und runterzuschieben ist wirklich kein Vergnügen. Immerhin war es in der Höhle schön kühl. Ha Long war die bei weitem unattraktivste Stadt in Vietnam. Für den Tourismus wird der Ort komplett ausgeschlachtet - ganze neue Viertel im europäischen Stil gebaut, die bisher alle leer stehen, Sand für einen Strand aufgeschüttet. Abends saßen wir in einem Lokal eines deutschen Auswanderers, vor ein paar Jahren hätten wir genau an der Stelle noch im Wasser gesessen. Aus unserer Sicht alles sehr fragwürdig.

 

Um nach Sapa im nördlichen Hochland zu kommen, ging es mit dem Minivan zurück nach Hanoi, den Tag verbrachten wir im Café und abends ging es dann im Schlafbus weiter. Mario passte gerade so in seine Koje. Die Fahrt ging erstaunlich schnell vorbei. Wir hatten extra das Hotelzimmer schon für diese Nacht gebucht, um noch ein paar Stunden schlafen zu können. Leider hat die Kommunikation nicht so hingehauen und wir saßen dann noch zwei Stunden vor der geschlossenen Tür. In Sapa erkundeten wir die Gegend via Roller und mit einer Wanderung durch die Reisterrassen. Die Wandergruppe hätte unterschiedlicher nicht sein können. Mario und ich ausgerüstet mit Wanderschuhen, Wanderhose, Wanderrucksack inklusive Regencape und Regenjacken. Die asiatischen Touristen in Sandalen oder Sneaker, trendiger Leinenhose und T-shirt und Cityrucksack. Nach 5 Minuten unterwegs riss der Riemen der Sandalen. Zum Glück waren unsere Guides ziemlich kreativ und befestigten diesen mit paar Armbändchen wieder am Fuß der Dame. Insgesamt war die Strecke eine ziemlich rutschige Angelegenheit, in Sapa regnet es dann doch hin und wieder und die Pfade verwandeln sich in Bäche. Die Regenjacken haben uns auch nicht wirklich geholfen, man wird dann zwar nicht vom Regen nass, aber dank der Luftfeuchtigkeit und Wärme wird es doch irgendwie feucht unter der Plastikplane. Aber Hauptsache war diesmal, dass die Kameras keinen Wasserschaden erleiden. Noch einen Verlust können wir uns nicht erlauben.

 

Zurück in Hanoi hatten wir noch fünf Tage die Stadt zu erkunden. Die Altstadt von Hanoi mit den ganzen kleinen Gassen ist perfekt zum einfach Herumlaufen, soweit das bei der Hitze möglich ist. Wir schauten uns den Nachtmarkt an, warteten in der Zugstraße auf den Zug aus Ho Chi Minh (er hatte natürlich Verspätung), besuchten das „Hilton“ Gefängnis, in dem die Amis während des Vietnamkrieges eingesperrt wurden. Ansonsten gab es täglich Pho, Frühlingsrollen und Phin Kaffee. Marios Flipflops gaben abends in der Bar endgültig den Geist auf. Zum Glück gibt es in Hanoi eine Schuhstraße. Es hat ein wenig gedauert, bis wir einen Laden gefunden hatten, der überhaupt Schuhgröße 46 im Sortiment hatte. Doch der hatte dann tatsächlich genau die gleichen Latschen. Unsere offensichtliche Notlage und Freude über die Schuhe hat die Verkäuferin dann aber auch schamlos ausgenutzt und direkt 12 Euro für ein paar billige Flipflops genommen.

 

Jetzt sitzen wir im Flieger nach Laos, beide mit einem Der-Urlaub-ist-vorbei-Gefühl. Ja, auch auf einer Weltreise nach 250 Tagen und noch ein wenig Zeit übrig bis es heimgeht, kann dieses Gefühl entstehen. Wir haben uns einfach in das Land verliebt. Unsere Erwartungen wurden bei weitem übertroffen. Daher sagen wir nur auf Wiedersehen und bis bald, Viet Nam.  

 

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