Vietnam Teil 1

Moin,

in diesem Blogeintrag möchten wir euch die Sozialistische Republik Vietnam näher vorstellen. Wenn man jetzt denkt, man steigt aus dem Flugzeug aus und steht mitten in Ostberlin der Achtzigerjahre, den muss ich enttäuschen. Das Land war u.a. in den letzen hundert Jahren geteilt und von Frankreich und Japan besetzt, was aus diversen Gründen später im schrecklichen Vietnamkrieg gipfeln sollte. Dort kämpfte der von den USA unterstützte Süden gegen den kommunistischen Norden, was letztendlich 1975 in der Kapitulation des Südens endete und 1976 die jetzige Republik in Saigon bzw. Ho-Chi-Minh ausgerufen wurde - Kurzfassung!

Dieser Krieg, die dazugehörigen Umstände und Langzeitwirkungen auf die Bevölkerung wie z.B. Kriegsschrott, Mienen oder das chemische Entlaubungsmittel Agent-Orange sind hier immer noch allgegenwärtig. In den Städten haben wir häufig Menschen mit Behinderungen gesehen, die auf Agent-Orange zurückzuführen sind. Wir haben in Ho-Chi-Minh das Kriegsmuseum besucht; in diesem Museum wird nichts geschönt und es wird empfohlen es nicht mit Kindern zu besuchen. Es war verdammt interessant aber auch sehr bedrückend, wenn man diese Bilder sieht und dazugehörige Artikel über Gräueltaten liest. Wenn man in einem Raum steht, welcher nur mit Bildern bestückt ist, die von Agent-Orange Kindern gemalt wurden und dazu weiß, dass diese Bilder via Fuß oder Mund erstellt wurden, ist das auf einer Seite sehr beeindruckend, auf der anderen Seite nimmt einen das aber auch irgendwie mit. 

Soviel zur Geschichte, lange Einleitung heute. Es gehört aber unweigerlich dazu und wir wollten es erwähnt haben.

Wir landeten also am 26. Mai in Ho-Chi-Minh City, früher hieß die Stadt Saigon. Beide Namen sind aber heute noch gängig. Schon am Flughafen in Manila beim Einchecken, stank es erbärmlich nach einer Mischung aus Käsefüßen und Hundefutter. Wir waren uns eigentlich einig, dass einer der asiatischen Fluggäste wieder irgendwas skurriles Essbares in seinem Handgepäck hat. Jedoch stellte sich heraus, dass es sich nicht um Essen handelte, sondern um den ca. 220 kg schweren Fluggast ohne Zähne. Dieser Gast stank dermaßen, dass er im Flugzeug vorne auf einen separaten Platz umgesiedelt wurde; einerseits aus Platzgründen, anderseits weil er dort vermutlich weniger Passagiere das Kotzen kriegen. Beim Aussteigen in HCMC mussten wir unweigerlich an ihm vorbei gehen und konnten es nicht glauben, wie ein Mensch so penetrant widerlich riechen kann. Die Stewardess konnte einem leid tun, sie begleitete den Klos als letztes aus dem Flugzeug. Bei der Passkontrolle nahm das mittlerweile doch etwas amüsante Drama seinen Lauf. Der Brummer stand in der Schlange an, hinter ihm vier Meter Platz, dann die ersten Touristen mit bedeckten Atemwegen durch ihre Kleidung; vor ihm - das selbe Bild. Wir standen rechts von ihm in der Nebenschlange, hatten aber zum Glück genug Abstand. Dann kam der Augenblick, in dem er zum Einreisebeamten vorgerufen wurde. Dieser sprang nach 10 Sekunden auf, verließ erschrocken sein kleines Häuschen und schaute sich ungläubig um, denn er wusste nicht wo der Gestank herkam. Es war wie im Kino, alle Reihen die neben diesem Schalter für die anderen Schalter anstanden, beobachteten die Situation genau; es war so spannend, wir haben nur noch auf den Popcornverkäufer gewartet. Nachdem der Beamte kurz durchgeatmet hatte, betrat er wieder seinen Posten. Man konnte ihm in den folgenden Sekunden förmlich ansehen, wie sehr er sich ekelte. Nach einer kurzen Konversation mit Klösschen, zeigte Klösschen dann tatsächlich auf einen braunen Fleck auf dem Fußboden und wollte vermutlich damit andeuten, dass der Muff von dort käme. Zu diesem Zeitpunkt war der Beamte aber schon wieder aufgesprungen und hatte sich entfernt. Mittlerweile brach Gelächter bei den Zuschauern aus, Klösschen war durch und hatte sein Stempel und der Grenzbeamte suchte den Weg ins Publikum zu dem ominösen braunen Fleck. Dort wurde er von den ersten Reihen darauf aufmerksam gemacht, dass nicht dieser alte vertrocknete Fleck so mökken würde, sondern der eben durch die Einreise gegangene 220 kg schwere Mann. Er fing an zu lachen und schüttelte ungläubig den Kopf, das Publikum fing an zu lachen, das halbe Terminal lachte - einzelne spendeten Applaus. Es war irgendwie, trotz allem, eine tolle Situation, sehen doch die Beamten in ihrer olivgrünen Uniform mit roten Abzeichen nicht sehr humorvoll oder menschlich aus und erinnern stark an vergangene Zeiten mit Hammer & Sichel. Die nächste Etappe zum Hotel sollte nicht so witzig werden. Wir erwischten eines der betrügerischen Taxis, wovor wir vorher eindeutig gewarnt wurden. Vom Flughafen ins Zentrum sollte man laut Recherche auf keinen Fall mehr als 6-7€ zahlen und penibel darauf achten, dass der Fahrer das Taximeter anschalten würde. Natürlich schaltete der Typ das Taximeter nicht an und teilte uns mit, dass die Fahrt 30€ kosten würde. Wir fragten nochmal ungläubig nach und er bestätigte die Zahl. Nebenbei tat er so, als würde er kein Englisch sprechen können. Wir teilten ihm mit, dass wir das nicht bezahlen würden und er das Auto bitte sofort rechts ran fahren möchte. Er weigerte sich, erst als wir lauter wurden, fuhr er rechts ran. Wir wollten aussteigen, das hat ihm aber auch nicht gepasst und er fing an zu verhandeln. Nach weiteren unverschämten Preisen, einigten wir uns dann irgendwann auf 250.000 Dong = ca. 9 €. Als wir dann kurze Zeit später am Hotel ankamen, war der ausgehandelte Preis wieder passee und er verlangte nochmal 50.000 Dong mehr. Wir teilten ihm mit, dass er nicht mehr Geld von uns kriegen würde, als er jetzt gerade in der Hand hält. Daraufhin trommelte er wie in kleines wütendes Kind auf sein Lenkrad ein, schmiss das Geld nach hinten und sagte, er würde uns zurück zum Flughafen fahren. Mittlerweile sprach er ganz gut Englisch. Wir dachten uns, bitte, wir haben Zeit. Dann schloss er aber die Türen ab und sperrte uns ein, warum auch immer, und fuhr los. Daraufhin wedelte ich mit meinen Händen aus dem Fenster und Vanessa hat irgendwie die Tür während der Fahrt aufbekommen. Die Aufmerksamkeit und seine offene Tür in dem chaotischen Verkehr in HCMC bewegten ihn letztendlich dann doch dazu umzukehren und uns 100 Meter vor unserem Hotel rauszuschmeißen. 

Letztendlich war es meine Schuld, dass wir überhaupt in dieses Taxi gestiegen sind. Vanessa hatte vorher ganz klar zwei Taxiunternehmen rausgesucht, welche man wählen sollte, unter keinen Umständen ein anderes! Ich war da wohl ein wenig gutgläubig… 

Ho-Chi-Minh erschlug uns erstmal! 37*C, 88% Luftfeuchtigkeit und ein Verkehr, dagegen war Mexiko und Bolivien ein Verkehrsübungsplatz. Motorroller zu Tausenden; hupen, drängeln, überholen wo man nicht überholen kann und eine Regel: Niemals beim queren der Straße stehen bleiben! Man geht einfach in den Verkehr hinein, die Roller und Autos schätzen dann ein wie sie um dich herumfahren. Es ist ein bisschen Wahnsinn aber es funktioniert. 

In HCMC gibt es alles was es in der westlichen Welt auch gibt. Die Stadt empfanden wir einerseits als sehr modern, anderseits aber auch traditionell und stylisch. Unzählige Straßenständen, eine bunte Partymeile mit Leuchtreklamen, die ihres gleichen sucht und immer wieder Motorroller! Wir verbrachten drei interessante Tage in der Stadt und testeten uns ausgiebig durch die vietnamesische Küche. Ob nun Restaurant oder Straßenstand, alles war extrem lecker! Von der Straße hatte ich z.B. Banh Mi, ein Baguettebrötchen mit diversen Soßen, Salat, Reisnudeln und kleinen gebratenen Fleischstückchen. Sau lecker und alles total günstig. Banh Mi 1€, unser Hotelzimmer 15€, Flaschenbier ca. 0,90€ - und HCMC ist noch teuer im Gegensatz zu anderen Orten. Auch die Marktszene ist dort riesig; dort gibt es nichts was es nicht gibt. Ob die Klamotten und Brillen alle gefälscht sind oder nicht, können wir nicht beantworten, da ja die Originalsachen auch viel in Vietnam gefertigt werden. Wir konnten zumindest keinerlei Unterschiede erkennen.  

Von HCMC flogen wir in das vietnamesische Hochland nach Dalat, dort war es sehr angenehm von der Temperatur und nicht ganz so hektisch. Unsere Nacht im Hotelzimmer 11€, Roller für den ganzen Tag ausleihen 6€. Das taten wir dann auch, wobei ich anfangs meine Bedenken hatte in dem Verkehr. Jedoch sagte ich mir dann, dass ich ja auf keinerlei Verkehrsregeln Acht geben müsse, da es ja keine gibt. Die einzigen Regeln: An einer roten Ampel halten und alles was größer ist als unser Roller, hat generell Vorfahrt. Wenn man sich daran hält kommt man sicher durch, wenn nicht, fahren sie dich halt über den Haufen. Wir übernahmen den Roller und mussten ihn aber noch volltanken - 3€. Während des Tankvorgangs wurde Vanessa von einem ca. 80 Jahre alten Vietnamesen zu einer Motorradtour durch den Vietnam versucht zu überreden. Die Fahrt wäre drei Tage durch die Berge gegangen bis nach Nha Trang. Leider hatten wir schon einen Platz im Van gebucht. Als wir uns dann am Vatertag auf unsere Expedition zu einem Wasserfall machten, regnete es wie aus Kübeln. Als wir dort ankamen waren wir zwar komplett durchnässt aber der Wasserfall war sehr beindruckend und die 20 Kilometer fahrt durch die Berge hatten sich gelohnt. 

Die letzten Tage verbrachten wir in Hoi An, eine Kleinstadt voller Touristen. Trotzdem ist diese Stadt wunderschön und zugleich auch wunderschön günstig, noch günstiger! Die Anreise nach Hoi An bewältigten wir mit der vietnamesischen Schmalspurbahn von Nha Trang aus - was ein Abenteuer. Nach ca. 9 Stunden Zugfahrt oder Achterbahn, je nachdem, kamen wir nachts in Hoi An an und bezogen unser schniekes Hotelzimmer: fünf Nächte - 80€. Am ersten Tag muss irgendein Fest in Hoi An gewesen sein, zumindest fuhren alle mit dem Boot auf dem Fluss rum und ließen irgendwelche Lampions aufsteigen bzw. versenkten diese im Fluss. Die Altstadt war so voll, man konnte kaum ein Fuß vor den anderen setzen. Vanessa ließ sich in dem Trubel eine tüte braune Bananen aufschwatzen und zahlte dafür umgerechnet 7€. Die Verkäuferin konnte ihr Glück kaum fassen und ging umgehend in Rente. Für 7€ hätten wir vermutlich auch eine komplette Bananenplantage im Vietnam kaufen können. Nun gut, durchgeschwitzt und mit einer Tüte brauner Designerbananen verabschiedeten wir uns in unser klimatisiertes Zimmer, am nächsten Tag stand ein Kochkurs samt Marktbesuch auf dem Programm. Der Kochkurs bestand aus zwei weiteren Teilnehmern aus München und drei Damen aus Korea. Die Damen aus Korea sahen alle gleich aus und waren ziemlich cool drauf. Später stellte sich heraus, dass zwei davon Mutter und Tochter waren. Die Mutter zeigte mir auch die koreanische „Stäbchenesstechnik“, dabei zog ich mir einen gefühlten doppelten Muskelfaserriss im Mittel- sowie Ringfinger zu. Der Marktbesuch war sehr interessant, da wir alle Zutaten für unser Menü selber einkauften und zu jeder Zutat noch eine kurze Erklärung bekommen haben. Über die hygienischen Zustände sollte man auch im Vietnam hinwegsehen, die Marktgepflogenheiten sind analog zu denen in Bolivien. Da wird halt mal auf der Gemüseabteilung ein Nickerchen gehalten, es wird alles mit den Pfoten angefasst oder das Fleisch mit einer rostigen Machete in mundgerechte Stücke gehackt. Kühltheken, Handschuhe oder anderen westlichen, unnötigen Schnick-Schnack gibt es generell nicht. Morgens werden auf dem Tisch Fleischerarbeiten erledigt, abends macht der Sohnemann seine Hausaufgaben am selbigen. Mich stört sowas überhaupt nicht, ist hier halt so. Eines ist es garantiert: Frisch und vom Bauern um die Ecke! Der Kochkurs war so aufgebaut, dass die Chefin immer erst für uns vorkochte und wir das Ganze dann an unserem Platz nachkochten. Das Problem war für mich, dass ich bei so vielen einzelnen Schritten, die ersten schon wieder vergessen hatte und dann bei Vanessa „spicken“ musste. Wir kochten vier traditionelle Gericht u.a. auch „Pho Bo“, die vietnamesische Nationalnudelsuppe. Beim letzten Gericht, mussten wir das Rindfleisch scharf anbraten, dabei schossen die Flammen ca. 50-60 cm aus der Pfanne, was mich fast meine Augenbrauen kostete. Alle Gerichte, auch meine, waren super lecker und wir bekamen diese via Rezept auch mit nach Hause. Der Kochkurs war eine gelungene Sache! 

In den fünf Tagen testeten wir uns wieder ausgiebig durch die hiesige Restaurantszene; Indisch, vietnamesich, Burger Bar, Banh Mi - alles war super! Das beste an Hoi An ist aber das „Fresh Bia“, welches Lokal gebraut wird und einfach ein normales Zapfbier ist. Das Glas „Bia“ kostet 0,19€! Das heißt ich kann mit 5€ abends losgehen, Vanessa romantisch auf ein Banh Mi einladen und danach noch gemütliche 20 Bier trinken - noch irgendwelche Fragen? Vanessa ist total von dem vietnamesischen Kaffee begeistert, welcher nach dem durchlaufen am Tisch mit einer süßen, fettigen Kondensmilch -selbe Konsistenz und Farbe wie Tapetenkleister- und Eiswürfel kalt verzehrt wird. 

Essen, Getränke, Preise, Land und Leute sind bisher einfach traumhaft, es gefällt uns echt sehr gut. Wir hoffen es geht so weiter!

 

Gruß aus der Kaiserstadt Hue, dazu aber mehr im nächsten Roman.  

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