Der Schein trügt!

Moin,

herzlich willkommen auf den Philippinen. Viel zu spät landeten wir in Manila, da unser Flug ja, wie im vorherigen Blogeintrag beschrieben, nach hinten geschoben wurde. Als wir dann unser Gepäck vom Band nahmen, fiel mir der strenge Geruch aus meinem Rucksack auf. Ich fand es roch stark nach Haferflocken. Vanessa merkte an, dass Porridge geruchsneutral wäre und es wohl eher nach Maggi müffelte - mir ging ein Licht auf! Zu allem Überfluss hatte sich jetzt auch noch die Maggiflasche in meinem Rucksack geöffnet und die braune Suppe durch meinen Rucksack laufen lassen. Der Geruch bleibt da für immer drin, es war trotz Reinigung nichts zu machen. 

Nach einer schier endlosen Reise, kamen wir dann nach ca. 20 Stunden auf unser ersten philippinischen „Trauminsel“ an: Boracay. Andere nennen Boracay auch die schönste Kloake der Welt, wir würden es es eher die chaotischste Baustelle oder die touristischste Müllhalde der Welt nennen. Boracay ist eine völlig überlaufene und für philippinische Verhältnisse teure Badeinsel, die Ihr Abwasser in den letzten 25 Jahren direkt ins Meer geleitet hat. Wie auch erwähnt, wird auf Boracay derzeit ein Abwassersystem errichtet, welches zum größten Teil schon in Betrieb ist. Wenn man auf Boracay am Strand steht und aufs Wasser sieht, ist das schon sehr schön, sobald man aber durchs Meer schwimmt, schwimmt man durch diversen Plastikmüll. Die Promenade des Strandes ist ein asiatischer Ballermann mit unzähligen skurrilen Pärchen in Vollschutzbadeanzug und Vollschutzbadehose Made in China - natürlich im Partnerlook. Noch skurriler sind allerdings die Pärchen, wo der männliche Teil des Gespanns auch locker der Opa seiner hübschen Auserwählten sein könnte. Der Katalogtourismus ist hier überall allgegenwärtig und oft verstörend anzusehen - traurig. Mir wurde an der Bar auch angeboten doch mal durch den Katalog zu stöbern, nach Rücksprache mit Vanessa musste ich aber kurzerhand meine Bestellung stornieren.

Wenn man sich ca. einen Kilometer fernab des Massentourismus bewegt, bekommt man einen Einblick in das Leben der eigentlichen Inselbewohner. Die meisten Bewohner sind bettelarm und leben in einfachen Blechhütten oder Bretterverschlägen. Wer nichts von dem touristischen Kuchen abbekommt oder abbekommen will, hat meist einen Kiosk oder verkauft andere Dinge aus seinem Wohnzimmerfenster. Im allgemeinen sind die Filipinos aber ein sehr freundliches Volk und anscheinend auch überhaupt keine anderen Lebensumstände gewohnt. Unsere erste Insel war also schonmal der totale Reinfall, kurzum: Wer auf Boracay Urlaub machen will, ist selber Schuld. 

Unser nächstes Ziel sollte noch ein Geheimtip sein. Die kleine Insel Bantayan soll vom Tourismus noch nicht so erfasst sein, was unsere Hoffnung auf einfach mal eine Stunde in Ruhe am Strand liegen erhöhte. Die Anreise nach Bantayan war wieder äußerst beschwerlich und umständlich; 12 Stunden von Tür zu Tür! In der tat war es auf Bantayan wesentlich ruhiger, die Strände auf den ersten Blick sehr schön und unser Hotel der Kracher! Für uns Europäer sind die Preise auf den Philippinen natürlich wie geschenkt, daher gönnten wir uns für vier Nächte ein richtig schickes Zimmer - vermutlich das schönste Zimmer auf unserer bisherigen Weltreise. Den Strand von Bantayan testeten wir direkt am ersten Tag; dieser mag noch so schön sein, dass Wasser noch so blau aber in einem Umkreis von 20 Metern um unseren Sonnenschirm hat Vanessa einen kompletten schwarzen Sack Plastikmüll zusammengesammelt. Die Philippinen haben ein Müllproblem, da waren wir uns einig. Wir als reiche Industrieländer tragen aber auch direkt zu diesem Problem bei, indem wir unseren Müll in Entwicklungsländer, wie die Philis es sind, verschiffen bzw. verkaufen, die dann natürlich überhaupt nicht wissen wohin damit. Außerdem hatten wir das Gefühl das es vielen noch an Verständnis fehlt, wie man mit sich und seiner Umwelt umzugehen hat. Da schienen vergleichsweise die Bolivianer ein Stück weiter zu sein. 

Vor der Insel Bantayan liegt die schöne kleine Insel Virgin-Island, dort soll man gut Schnorcheln können. Unser Hotelchef besorgte uns zwei Plätze auf einem uralten Kahn, der uns dort rüber bringen und solange dort ankern sollte, bis wir wieder zurück wollten. Die Boote dort sehen aus wie venezianische Gondeln mit Auslegern, natürlich motorisiert. In unserem Fall schmiss der kettenrauchende, alte Seebär, der aussah wie eine Mischung aus Winnetou und Kaptain Hook, nach 200 Metern fahrt einen zweiten Motor auf der Sardinenbüchse an. Dem Lärm nach zu Urteilen, war ich mir sicher, er hätte gerade via Anzugsseil eine Flugzeugturbine gestartet. Der Geschwindigkeit nach zu Urteilen, war es, als würde er rudern. Wie dem auch sei, an Unterhalten war nicht mehr zu denken. Eine halbe Stunde später kamen wir auf der kleinen Insel an. Die Insel war voll mit Badeanzügen im Partnerlook, schreienden Kindern und wir mittendrin. Als erstes musste man Eintritt bezahlen, um die Insel zu betreten. Wollte man sich auf eine Bank setzen, kostete es eine Gebühr. Wollte man sich an einen Tisch setzen, kostete es eine Gebühr. Wollte man sich gar auf eine Liege legen… usw. Wir legten uns in den Sand, das war zum Glück im Eintrittspreis enthalten. Nach zwei Stunden hatten wir genug von dem Spektakel und fuhren mit der Reaktorbetriebenen venezianischen Gondel zurück.  

Ansonsten cruisten wir mit dem Roller über die Insel und testeten ausgiebig die hiesigen Restaurants. Die philippinische Küche empfanden wir auf jeder Insel als hervorragend; auch andere Restaurants (auffallend viele Italiener) waren sehr lecker. Bei einem durchschnittlichen Preis von 15 Euro pro Abendessen für alles zusammen, ist es dazu auch noch super günstig. Bier kostet übrigens immer so nen schmalen Euro!      

Bantayan gefiel uns wesentlich besser als Boracay was jetzt nicht schwer war. 

Unsere nächste Station sollte Bohol sein. Der total chaotische Transfer nach Bohol, der Tag im Allgemeinen, wird uns wohl als bisher Schlimmster auf unserer kompletten Reise in Erinnerung bleiben. Als erstes kauften wir am Hafen auf Bantayan ein Ticket für den Transfer auf die Insel Cebu, nach dem Ticketkauf zahlten wir eine Terminalgebühr um 100 Meter weiter eine weitere Terminalgebühr zu bezahlen. In Cebu angekommen hatten wir wieder die Wahl: entweder für ca. 20 Euro mit dem Taxi zum 100 Kilometer entfernten Cebu Hafen zu fahren oder mit dem Bus für 5 Euro. Das Taxi fuhr die 100 Kilometer in 2,5 Stunden, was der Bus braucht, will ich garnicht wissen. Wir entschieden uns wieder für das Taxi, da wir, im Gegensatz zu Hinfahrt, auch einen ganz guten Preis ausgehandelt hatten. Am Hafen kauften wir Tickets für die Fahrt auf die Insel Bohol, dass erste mal Schlange stehen. Danach zahlten wir die Terminalgebühr, zweite mal Schlange stehen. Natürlich musste uns noch ein Sitzplatz an einem Extraschalter zugewiesen werden, dass dritte mal Schlange stehen. Achso, ja, unser Gepäck - noch schnell in die vierte Schlange, um das Gepäck aufzugeben, was dann sogar wieder was kostete! Nach über einer Stunde war das dann alles erledigt, was sonst woanders eine Sache von zehn Minuten ist. Die Aufenthaltshalle war für gefühlte 500 Leute ausgelegt, mindestens das doppelte an Menschen hielt sich dort aber auf. Es war unglaublich stickig, heiß und chaotisch in der Bude, genauso davor. Zu allem Überfluss hatte unser Boot auch noch über eine Stunde Verspätung. Vanessa knickte in der Halle zweimal der Kreislauf weg, genauso ging es auf dem proppe vollen Boot weiter. Als wir nach zwei Stunden fahrt dann am Steg im Bohol ankamen, schleppte sich Vanessa völlig dehydriert vom Boot auf den Steg. Das Gepäck wurde von den Mitarbeitern einfach vom Boot in die Menge geschmissen, so hatten dann ca. 160 Leute die erfreuliche Aufgabe ihr Gepäck dort zusammenzusuchen. Unglaubliche Szenen spielten sich dort ab. Nachdem ich dann das Gepäck zusammen hatte und dieses samt Vanessa zum Ausgang des Hafens schleppte, erkannte ein Taxifahrer die Situation und nutzte diese schamlos aus. Wie zahlten für 20 Kilometer fahrt fast dasselbe wie für die 100 Kilometer ein paar Stunden früher. Mittlerweile war es 22 Uhr; völlig im Arsch konnten wir zum Glück gleich unser Zimmer beziehen. Vanessa ging es garnicht gut und auch ich ließ mir den kompletten Tag nochmal durch den Kopf gehen. Von Bohol können wir nicht viel berichten, nur das der Strand ganz schön war. Die Schokoladenhügel konnten wir aufgrund unserer gesundheitlichen Gefühlslage nicht besuchen. 

Drei Tage später schifften wir auf unsere letzte Insel Siquijor über. Der Transfer verlief, bis auf das vier mal Schlange stehen am Hafen samt ABM, überraschend stressfrei. Auf Siquijor konnten wir tatsächlich vier Tage entspannen und auch wieder lecker essen. Außerdem besuchten wir auch wieder einen hiesigen Massagesalon. Die Ganzkörpermassage kostete dort 6 € für eine Stunde - geschenkt! Wir konnten vorher wählen ob wir es „Soft“, „Mittel“ oder „Hart“ wollten. Beide entschieden wir uns für die mittlere Variante. Als wir dann dort im „Wartebereich“ saßen, stampfte plötzlich eine Frau durch den Raum, die beruflich sonst am Strand Palmen umschubst oder die Typen abends in den Bars im Armdrücken düpiert. In Ihrer Mittagspause saß sie jedoch jetzt auf meinem Rücken und drückte mir jeden einzelnen Knorpel, Knochen und das was von meiner Muskulatur übrig geblieben ist, in die richtige Position. Ich hatte echt Schmerzen und stellte mir unweigerlich die Frage, wie hätte sich wohl „Hart“ angefühlt!? Die philippinische Version von Beatrix von Storch kannte kein Erbarmen und formte mich und meinen Weingummikörper in einer Stunde zu Brei. Ich muss zugeben, danach fühlte ich mich ziemlich gut und alles schien anatomisch wieder da zu sitzen wo es sein sollte. Sonst können wir auch von Siquijor nicht überschwängliches berichten; der mit reichlich Vorschusslorbeeren angepriesene Strand entpuppte sich zu unserer Zeit als Seegrasfeld und der berühmte Wasserfall auf der Insel war leider ohne Wasser. Was fehlt jetzt noch zu unserem perfekten Philippinenaufenthalt? Richtig, eine ausführliche Gepäckkontrolle am Hafen durch einen Beamten, der mal wieder Bock hat einen raushängen zu lassen. So geschah es dann vor unserer letzten Bootsfahrt. Normalerweise lief die Gepäckkontrolle am Hafen oder Flughafen immer so lasch ab, dass ich mit einer Panzerfaust im Rucksack durch die Kontrolle hätte gehen können, weil die Leute dahinter entweder gepennt haben oder mit allen anderen Dingen beschäftigt waren nur nicht mit ihrem Monitor vor der Nase. Jetzt kurz bevor wir auf unseren letzten Schrottkahn gingen, wollte mir der Sicherheitsbeamte tatsächlich klar machen, dass ich meine zwei Taschenmesser, welche ich seit sieben Monaten mit mir rumschleppte, nich mitführen dürfe. Ich wäre fast vom glauben abgefallen! Ich hatte diese ja nichtmal im Handgepäck, sondern verstaut im großen Rucksack. Er war tatsächlich der Meinung, das meine beiden Messer jetzt von ihm konfisziert wären. Nach ewigen hin und her und Vanessa als diplomatische Vermittlerin, durfte ich zum Ende der angeregten Diskussion eines doch behalten. Das andere wurde von dem Wichtigtuer eiskalt einkassiert und vermutlich jetzt in der Familie verschenkt. Was soll man dazu sagen? 

Aller aller spätestens nach der Aktion waren die Philippinen für mich gestorben und ich war froh, dass wir dieses Land endlich verlassen würden.     

Im Großen und Ganzen waren wir beide ziemlich enttäuscht von den Philippinen und können in diesem Blogeintrag auch nicht so viele positive Sachen über das Land berichten. Wir fanden, der Schein mit den Traumstränden oder Trauminseln trügt gewaltig. Jeder Reisende nimmt so ein Land natürlich immer anders wahr. Wir für uns, sind uns aber sicher, dass wir diesen Inselstaat unter keinen Umständen wieder bereisen würden. 

So, wir haben das abgehakt und befinden uns mittlerweile in Vietnam, haben uns schon Ho-Chi-Minh City angeschaut, sind mit dem Roller durch die vietnamesischen Berge gefahren und sitzen jetzt Samstag, 1. Juni, 18.00 Uhr Ortszeit im Bummelzug Richtung Hoi An. Schmalspurbahn, etwa wie Autoscooter vom Wackeln her, neun Stunden Zugfahrt. An zahllosen Reisfeldern vorbei, welche von Bauern mit Reishüten auf bestellt werden. Durch die Berge, durch den Dschungel und dazu die volle Dröhnung vietnamesisches Unterhaltungsprogramm. Die sozialistische Republik hat es uns bisher völlig angetan!

Zu unseren ersten ereignisreichen Tagen in Vietnam, einem betrügerischen Taxifahrer der uns in sein Auto gesperrt hat und einem bestialisch stinkenden Fluggast, nächsten Samstag mehr.

           

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