Wie fand ich denn nur Singapur?

Moin nach Hause,

Gruß von der kleinen philippinischen Insel Bantayan. Lange nichts gehört bzw. gelesen von mir. Ich war in den letzten Wochen schwer damit beschäftigt zu reisen, meine Seele baumeln zu lassen und in meiner restlichen „Freizeit“ habe ich ein Video über unseren Neuseeland Roadtrip zusammengeschnitten. Die gute Nachricht, es ist fertig! Die schlechte, wir wissen noch nicht wie wir es hochladen, da es selbst komprimiert fast vier Gigabyte groß ist. Aber wir lassen uns was einfallen.

Jetzt aber zum eigentlichen heutigen Anliegen, dieses natürlich wieder über Wochen im voraus recherchierten und überlegten Blogeintrags: Singapur! Singapur sollte also unsere erste Anlaufstation überhaupt in Asien sein; keiner von uns beiden war jemals vorher auf dem asiatischen Kontinent. Singapur war sozusagen der Start für unsere fünf monatige Asientour, was auch voraussichtlich (wir planen vielleicht noch was Spezielles) der letzte Abschnitt unserer Reise sein wird. 

Nach den Fidschis verbrachten wir noch eine Nacht in Sidney und machten uns von dort am 7. Mai abends auf Richtung Singapur. Wir flogen mit der singapurischen Billigairline Scoot; bei Scoot heißen die Passagiere nicht Passagiere sondern Scootis. So machen wir uns also pünktlich um 23.00 Uhr auf den Weg Richtung Asien. Vorher drehten wir aber unzählige Runden über den Flughafen, wodurch bei uns und den anderen 300 Scootis das Gefühl aufkam, wir würden nach Singapur fahren. Letztendlich hoben wir aber dann doch ab, ohne nochmal eine Extragebühr an die Airline zu zahlen. Die Airline ist so billig, dass man selbst auf dem acht Stunden Flug nicht mal ein Glas Wasser bekommt - von einer Decke oder Mahlzeit ganz zu schweigen. Immerhin war der Sitz und der Anschnallgurt im Preis mit inbegriffen. Ich schlief tatsächlich sieben Stunden in meinem wundervollen Nackenkissen durch, wodurch ich nichtmal die leichten Turbulenzen während des Flugs mitbekam. Leider war es meine letzte Nacht mit diesem wundervollen Nackenkissen, ich vergass es im Flieger. 

Um drei Uhr nachts Ortszeit landeten wir im tropisch schwülen Singapur; als der Flieger stoppte brach eine unglaubliche Hektik in dem Vogel aus, da alle Asiaten am liebsten auf einmal zur Tür hinaus gerannt wären. Dabei versuchte meine 1,24 Meter große Sitznachbarin, den aus dem 4,68 Meter hohen Gepäckregal ihren 1,8 Tonnen schweren Alukoffer zu ziehen und lies diesen dann über ihren Rücken runterfallen. Ich bekam gerade noch meinen Ellenbogen vor mein Gesicht. Schrecklich! Empfangen wurden wir dann von einem monsunartigen Gewitter, selbstfahrenden Staubsaugerrobotern mit Gesicht und ein paar wild um sich spuckenden Menschen am Nachbarpissoir. Toll, dachte ich und war gleich ganz entzückt von den ersten asiatischen Eindrücken. Glücklicherweise konnten wir nachts um 4.30 Uhr noch in unser Bett im Hostel einchecken. Da Singapur die teuerste Stadt der Welt sein soll (ich war mir immer sicher es wäre Zürich), konnten und wollten wir uns nur ein Kapselzimmer leisten. In dem Zimmer waren also vier Kapseln, wo jeweils ein Doppelbett eingelassen war. Die Betten waren nur nach vorne geöffnet, dort aber mit einem Vorhang ausgestattet. 

Am nächsten Morgen starteten wir voll motiviert und mit einem strukturierten Plan für die Stadtbesichtigung in den Tag. Als ich die den ersten Schritt vor das Hostel setzte, war ich mir nicht mehr ganz so sicher, ob wir diesen Plan von morgens bis Abends so durchziehen könnten. Mein aus Weichkäse geformter, hitzeempfindlicher Alabasterkörper, floss augenscheinlich die Gosse hinab. 35*C und gefühlte 90% Luftfeuchtigkeit, waren für uns beide fast unerträglich. Nun gut, hilft ja nichts - wir starteten unsere Tour. 

Die U-Bahnen und auch deren Haltestellen bzw. Schächte sind alle klimatisiert, was das ganze schonmal einfacher machen sollte. Die U-Bahn oder in Singapur „MRT“ führte uns als erstes nach Chinatown. In Singapur leben sehr viele Chinesen, u.a. ist chinesisch dort auch Amtssprache. Auf einem riesigen chinesischen Food-Markt, wo man sämtliche vorgegarte Hühner, Enten oder auch andere Spezialitäten samt Kopf im Schaufenster der hiesigen fünf Sterne Lokalitäten begutachten konnte, suchten wir eines unter dutzenden von kleinen Buden aus. Wir bestellten klassiches chinesisches Essen und Laksa. Laksa ist das singapurische Nationalgericht: eine Suppe, scharf angerichtet, mit diversem Klim-Bim drin und Nudeln. Beides war ganz gut und wurde garniert mit einem 0,7 L Tiger Bier samt Cola. Insgesamt zahlten wir für den ganzen Bums umgerechnet 10€ - da kann man jetzt nicht meckern. Wir ließen uns weiter durch Chinatown treiben und versuchten in einem riesigen chinesischen Kaufhaus endlich einen neuen Akku für Vanessas Reiskocher zu finden. In Neuseeland und Australien waren wir bestimmt in 25 Handyshops, keiner hatte einen Huaweiakku auf Lager. Der erste Shop in dem Kaufhaus hatte logischerweise das passende Stück Gold; es dauerte keine Stunde und der Akku war eingebaut. Im dritten Stock des Kaufhauses war die Massageabteilung angesiedelt. Eine halbstündige rückseitige Ganzkörpermassage sollte umgerechnet 16€ kosten, eine Fussmassage 9€. Wir ließen uns beide nicht lange bitten. Vanessa durfte im Massagestudio bleiben, ich wurde von einem ziemlich großen Chinesen in einen anderen Raum geführt und atmete kurz durch, als ich sah, dass in diesem Raum noch ein weiterer Kunde massiert wurde. Glücklicherweise kam es nicht zum Happy-End und ich verlies den Raum eine halbe Stunde später wie neu geboren. Nach so einem halben Jahr mit 20 Kilo Backpack auf dem Rücken und ständig unterwegs, war der 120 Kilo Jacky Chan verdammt stolz, als mein Rücken diverse Male knackte wie ein Ast im Walde. Nachdem ich Vanessa aus dem Streichelzoo abgeholt hatte, machten wir uns auf Richtung Paulaner. Ja, richtig: Paulaner! Das Paulaner in Singapur soll verdammt gut sein, das edle Gesöff selber brauen und Leberkäse mit Kartoffelbrei auf der Speisekarte haben. Jetzt denken bestimmt alle: Wooooow, Fleischkäse für zwei Mark dreißig mit zerstampften Töften… Wat ne kulinarische Bereicherung! Ja genau, die war es! Ich war der glücklichste Mensch, nachdem ich diese besagte Speise mal wieder zu mir nahm. Kartoffelbrei habe ich schon als Kind geliebt. Selbst Vanessa stellte fest, dass das die beste bayrische Botschaft war, die wir bisher in allen vorher besuchten Länder angesteuert hatten. Es war wirklich super authentisch, lecker und…. verdammt teuer. Glücklich und zufrieden gingen wir in unsere Kapsel.

3.30 Uhr, Koffergeknalle, Stimmen, ein Kind plärrt - Ist nicht wahr dachten wir! Eine chinesische Familie zog mitten in der Nacht in die Nachbarkapsel ein, schlimmer, eine komplette chinesische Reisegruppe fiel in das Hostel ein. Nachdem die Familie wenigstens noch versucht hatte leise in dem 3qM Raum zu agieren, fiel es der Dreiergruppe 20 Minuten später, die das Bett über uns besiedeln wollte, umso schwerer. Licht an, Koffer wurden aneinander geknallt, da man einfach nicht wahrhaben wollte, das für Ihre heiligen chinesischen Koffer kein Platz mehr war. Sämtliche physikalische Gesetze wurden ausgehebelt, um irgendwie diese Koffer in dem kleinen Puff unterzukriegen. Dabei wurde natürlich laut diskutiert und sogar unser Vorhang vor dem Bett aufgemacht. Ab dem Zeitpunkt ist mir die Hutschnur gerissen. Ich riss den Vorhang auf und steckte meine verquollenen Klüsen samt überaus ausladender, energetisch aufgeladener Langhaarfrisur in Richtung der invasionierender Reisegruppe und raunzte ein paar Wörter auf Englisch. Zu meiner Verwunderung, war der Raum innerhalb von 10 Sekunden geräumt. Ich weiß nicht, ob es der verstörende Anblick war oder mein etwas aggressiver Tonfall. Wir schliefen wieder ein. Es dauerte keine Stunde, dann sollte das verwaiste Bett über uns eine anderes Mitglied der Reisegruppe einnehmen. Der Mann war alleine und hatte Atemprobleme. Dieser Mensch hat in seinem Schlaf immer für ca. sechs Sekunden aufgehört zu atmen. Diese sechs Sekunden wurden dann aber nachträglich umso dramatischer nachgeholt. Wir waren uns bis dahin nicht bewusst, dass ein Mensch solche Laute von sich geben kann. Wir machten uns Sorgen, dass er beim Röcheln, Einatmen oder Stöhnen nach diesen sechs Sekunden, unsere Bettdecke in die obere Etage ziehen würde und diese evtl. verschlucken könne. An Schlaf war ab diesem Zeitpunkt nicht mehr zu denken; entweder der Typ röchelte uns wach oder wir wurden durch das Geklopfe der anderen Kapselbewohner an deren Wand wach. Es war schrecklich! Damit aber nicht genug: die Reisegruppe aus China machte sich breit in diesem kleinen Hostel. Das Wort Rücksicht, Respekt oder Hygiene scheint in dieser Kultur ein Fremdwort. Es war nahezu nicht mehr möglich, die Toiletten zu benutzen, da diese von Frau sowie auch Mann wie ein Loch benutzt wurden und generell von oben bis unten vollgepisst waren. Wenn man weiß, dass ich mich nicht auf die Klobrille setzen möchte oder im stehen pinkeln will, dann mache ich diese doch wenigstens hoch! Nein, nicht mal die Türen vom Klo wurden geschlossen, wenn sämtliche Geschäfte dort erledigt wurden. Man ging ins Badezimmer, schreckte aber zurück, weil die Leute dort drauf saßen bzw. „überhockten“. Es war schlicht ekelhaft! Die Küche war ab 6 Uhr morgens ein Kochstudio aus Reiskochern und zugleich ein schmatzender Versammlungsaal. Die Angestellten in diesem Hostel, versuchten via Putzlappen Herr der Lage zu werden, wir verließen relativ früh das Drama und bewegten uns weiter Richtung Stadttour Teil Zwei. 

Singapur ist ein riesiger multikultureller, schwüler Kessel. Es ist quasi jede Kultur vertreten, die man sich vorstellen kann. Little India war unser erstes Ziel am zweiten Tag, 35* und wieder gefühlte 99% Luftfeuchtigkeit. Nach drei Minuten Walk durch Indien, sah ich optisch aus wie nach einem Halbmarathon. Es war wirklich kein Geschenk, jedoch war dieser Stadtteil wieder so unglaublich authentisch und fern unser kulturellen Vorstellungskraft, dass man es nicht richtig wahrnahm; versuchten wir doch auch alles möglichst echt auf Foto festzuhalten. Wir aßen zum Mittag auf dem Boden Butterchicken, Gemüse, Naanbrot und Reis - alles war furchtbar lecker! 

Nach Little India folgte mit dem Financial-District das Kontrastprogramm. Die Skyline Singapurs braucht sich vor anderen westlichen Metropolen sicherlich nicht verstecken - sehr beindruckend. Irgendwann im Dunkeln kamen wir dann am berühmten Marina-Bay Hotel an, welches für seinen Roof-Top Pool bekannt ist. Eine Nacht 250€, was erstmal garnicht sooo viel klingt, jedoch für unsere Reisekasse nur Wunschdenken. Wir waren uns einig, dass im Radius von einem Kilometer um das Marina-Bay in Singapur das Geld auf Bäumen wächst, so beeindruckend sah es dort aus - was mein Guiness im Irish Pub von 12€ auch erklärte. Hinter dem besagten Super-Hotel befindet sich der „Garden by the Bay“. Der Garten ist eine Ansammlung aus hohen, künstlichen, beleuchteten Skulpturen bzw. Bäumen, die sehr sehr geil mit der Kulisse vom Marina-Bay übereinstimmen. 

Das riesige Marina-Bay Hotel oder auch sämtliche andere Malls, Hotels o.ä. in Singapur sind schlicht atemberaubend und von der Vielzahl an Läden oder Architektur mit unseren Kaufhäusern nicht zu vergleichen. Wenn man durch das Marina-Bay geht, denkt man, man läuft durch eine Stadt. Für mich persönlich auch immer eine angenehme Erfahrung, da ich meinen aufgeweichten Weingummikörper mit durchtränktem T-Shirt in diesen Gebäuden von 95*C auf 40*C herunterkühlen konnte. Wir erlebten noch eine Lasershow im „Gardens by the Bay“ und verabschiedeten uns dann gen Schnarchsaal. 

Viel Schlaf bekamen wir nicht, aufgrund dieses Phänomens über uns, daher beschränkten wir uns am letzten Tag auf Little-Korea, das muslimische Viertel samt Freitagsgebet von weitem und eine weitere Mall, um wöchentliche Arbeiten online zu erledigen, die bei einer Weltreise anfallen; u.a. den „Blockbuster“ aus Neuseeland. 

Pünktlich bewegten wir uns abends um 9 Uhr zum Flughafen, da unser Flug um 1 Uhr nachts Richtung Manila gehen sollte. Wieder flogen wir via Scoot, wieder erwarteten wir nicht viel. Diesmal jedoch wurden unsere Erwartungen sogar untertroffen; unser Flug wurde um Weihachten rum von 1 Uhr morgens auf 5 Uhr morgens verlegt, ohne uns darüber via E-Mail o.ä. in Kenntnis zu setzten. Wir wunderten uns schon, warum beim Betreten des Flughafens und checken der Monitore unser Flug nicht auffindbar war. Kollege Schnürschuh am Check-In hatte kein Plan und limitierte Sprachkenntnisse, Madame-Tausendschön, mit Lippenstift von Manila bis Bangkok und Kodderschnauze, wo selbst Uli Bommel nach 23 Wittingern vor Neid erblassen würde, hatten kein Interesse uns zu helfen. Ich erwähnte bereits, dass bei den Scootis nur der Sitz im Preis mit inbegriffen war - vergleichbar mit der Servicewüste deutsche Telekom, wobei bei Scoot bekommt man wenigstens noch irgendwas für sein Geld. Wie lamentierten nicht lange und gaben uns nicht weiter mit dieser scheinbar frustrierten Dame ab und kontaktierten direkt Air-Asia im Nachbarterminal. Air Asia sollte morgens um 9 Uhr unseren Verbindungsflug nach Boracay ausführen. Diesen konnten wir leider nicht umbuchen und mussten daher einen neuen Flug buchen. 160€ in Sand gesetzt - Hände weg von Scoot-Airlines aus Singapur! 

Alles in allem ist Singapur aber auf jeden Fall eine Reise wert gewesen, allein der Mix aus den verschiedensten Kulturen und dem imposanten, glitzernden Stadtkern rechtfertigen, dass man zweimal im Jahr auch 12 € für sein Bier bezahlen kann. Singapur war ein interessanter aber auch einfacher Einstieg in den asiatischen Kontinent. Ein tolles Erlebnis, wie wir beide fanden!  

Nach 20 Stunden Reise kamen wir dann aber tatsächlich auf Boracay auf den Philippinen an. Boracay baut nach ca. 30 Jahren Tourismus gerade ihre Abwasserkanäle - dazu aber im nächsten Blog mehr. Wir müssen jetzt erstmal ein Bier für umgerechnet 90 Cent nehmen, bis in ein paar Tagen!

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