Goodbye Australia

„Wer hat an der Uhr gedreht? Ist es wirklich schon so spät?“  Weitere zwölf Wochen unserer Reise sind um. Im Februar sind wir in Neuseeland gelandet und von dort nach sechs Wochen weiter nach Australien. In Australien hatten wir die Halbzeit unserer Reise und auch eine kleine „Midlife“-Crisis. Ein Tief zur Mitte, was uns die gesamte Australienzeit begleitete, wie die Regenwolken.

 

Das letzte Mal haben wir uns aus Noosa gemeldet. Danach haben wir auch nicht mehr allzu viel erlebt. Wir verbrachten fünf Nächte in Airlie Beach, dem Ort auf dem Festland vor den Whitsundays. Eigentlich hatte der Ort nicht viel zu bieten, wir waren dreimal in Folge in derselben Bar für Bier und Milchshake. Der Campingplatz war schön und neu, und wir hatten einfach keine Lust wieder in das Auto zu steigen und stundenlang durch die Landschaft zu fahren. Einen Tag unternahmen wir eine Segeltour. Bei der Auswahl der Touranbieter hatten wir die Qual der Wahl. Von riesengroßem Segelkatamaran mit bis zu 80 Leuten, Speedboot bis hin zu klassischen Segelschiffen mit kleinen Gruppen war alles dabei. Wir entschieden uns für ein Segelboot mit maximal 8 Teilnehmern, da wir keine Lust auf eine Massenveranstaltung hatten. Was dies betrifft haben wir auch die richtige Wahl getroffen. Zu siebt, nur Deutsche, hatten wir den Tag lang viele gute Gespräche und konnten uns mit den anderen Reisenden austauschen. Allerdings bekamen wir von der Schönheit der Whitsundays nicht viel zu sehen. Wir segelten knapp zwei Stunden bis in eine Bucht, in der es keinen super weißen Strand gab und auch das Schnorcheln war nicht gerade erfolgreich. Das Wasser war unruhig und trüb. Für Aufregung sorgte lediglich die Wasserschildkröte, die auf uns zusteuerte, aber wieder abtauchte, bevor man sie richtig sehen konnte. Ich konnte immerhin einen Blick auf ihren Panzer erhaschen. Mario glaubt immer noch, dass ich ihn veräpple oder auf Grund des Meerwassers in der Taucherbrille eine Sehstörung hatte. Mit einem Stopp am Mission Beach, fuhren wir das letzte Stück bis nach Cairns. Wir überlegten von hier zum Great Barrier Reef zu fahren, aber nachdem wir schon 200 Dollar pro Kopf für den Segeltörn ausgegeben haben, befürchten wir wieder enttäuscht zu werden. Die Preisspanne für den Schnorchelausflug reicht von 115 bis 225 Dollar. Bei Tripadvisor lasen wir von Schnorchelspots am Riff, die bereits durch die Massen von Touristen zerstört sind und auch die Korallenbleiche auf Grund der Wassererwärmung hat ihre Spuren hinterlassen. Am Ende entschieden wir uns gegen den Ausflug, wollten uns das Geld lieber sparen, auch wenn wir Australien nicht wieder bereisen werden. Wir waren zu Ostern in Cairns. Gründonnerstag schwammen wir in der Lagune. Solche Lagunen gibt es häufig in Australiens größeren Städten. Kostenlose große Pools, zumeist sogar mit künstlich angelegtem Strand, da die Städte keine nagegelegenen Badestrände haben. Abends gab es mal wieder deutsches Bier. An Restaurants und Bierhäusern mit süddeutschem Motto mangelt es in Australien keinesfalls. Für Mario oft ein Lichtblick. Ansonsten verbrachten wir unsere Zeit im Hostel, bei dem wir mit unserem Camper parkten und verspeisten unsere letzten Vorräte.

 

Nach der Camperabgabe ging es für uns mit dem Flieger nach Sydney. Drei Stunden Flug – Australien ist groß. Deutschland würde 21-mal in die Fläche Australiens passen, Österreich 92-mal und die Schweiz sogar 186-mal. Insgesamt sind wir von Melbourne bis nach Cairns 4000km gefahren. In Neuseeland waren es sogar 6000km; doch kamen uns dort die Strecken zwischen den Sehenswürdigkeiten nie so lang vor. Vielleicht liegt es an der großen landschaftlichen Vielfalt Neuseelands – karibisch aussehender Traumstrand, Regenwald, Alpen, Felslandschaften, Fjorde. In Australien hatten wir stets das Gefühl durchs endlose Niemandsland zu fahren, die Straße führte immer nur gerade aus. Am Straßenrand gibt es sogar Quizfragen und paar Kilometer später die Antwort, um die Fahrer wach zu halten. Teils hatte die Einöde nicht mal beim Erreichen des nächsten Ortes ein Ende. Orte, die eigentlich ein Geheimtipp sein sollten, entpuppten sich als fast ausgestorben, alle Cafés geschlossen. Im Endeffekt hätten wir die Campertour in Australien auch auslassen können.

 

Wir hatten keinen guten Start in Australien und auch keinen guten Abschluss. Mario berichtete bereits über die Unterkunft in der Kneipe mit Mausefalle unter dem Bett. Auf unserer letzten Strecke nach Cairns wurden wir von der Polizei gelasert. 12 km/h zu schnell (92 statt 80 km/h) laut der Laserpistole macht 174 Dollar Strafe. Ein km/h mehr und es wären 350 Dollar geworden und glücklicherweise war noch kein Feiertag, das kostet nämlich auch nochmal extra. Ob wirklich wir gelasert wurden, können wir natürlich nicht kontrollieren. Dass die Polizei aber uns absichtlich aus dem Verkehr gezogen hat, daran haben wir keine Zweifel. Unser Camper mit dem Logo des Vermieters musste schon von Weitem sichtbar gewesen sein. Den dummen Touristen kann man ja ruhig mal eine Strafe aufbrummen. An Feiertagen zahlt man übrigens auch in Restaurants, Bars und Cafés 10-15% oben drauf, eigentlich ist auch schon ohne den Aufschlag alles teuer genug. Wie sich aus unseren Berichten vermutlich unschwer erahnen lässt, sind wir keine Australienfans geworden. Lag es am häufigen Regen, den vielen Stunden auf dem Freeway, dass wir einfach schon sehr viel gesehen haben und nicht mehr so schnell zu begeistern sind? Vermutlich ist es alles ein bisschen. Irgendwie gerieten wir dadurch in eine Art Antriebslosigkeit. Neuseeland und auch Australien sind einfach zu bereisen, überall findet man sich problemlos zurecht. Eigentlich ist es schon zu einfach. Hinzukommt die Eintönigkeit Australiens und das schlechte Wetter, was mir persönlich das Gefühl gab, nichts mehr zu erleben und in einem Stillstand zu sein. Für meinen Kopf das absolute No-Go. Mario und ich sprachen bei den endlosen Autofahrten viel darüber und sind uns beide einig, dass es jetzt endlich Zeit für Asien wird - neue, uns völlig unbekannte Kulturen, Lebensweisen und Herausforderungen. Im Nachhinein hätten wir mit einem Jeep und Zelt auf dem Dach ins Outback fahren sollen, dass wäre auf jeden Fall abenteuerlicher und was anderes gewesen oder hätten nur Stopps in den Großstädten eingelegt. Melbourne, Brisbane und Sydney haben uns alle gut gefallen. Aber ein „Was-wäre-wenn“ hilft jetzt auch nicht. Wir haben Australien gesehen und wissen, dass es nicht unser Land ist. Die anderen Teile des Landes haben noch weniger zu bieten als die Ostküste, sodass uns hier wirklich nichts mehr reizt.

 

Was ich trotzdem aus Australien mitnehmen werde: Das Leben findet draußen statt, in den Parks, am und auf dem Wasser. Ich bin mir sicher, die Australier wissen, wie man das Leben genießt. Auch könnten sich deutschen Städte von der Stadtplanung Australiens was abgucken – kostenlose Öffis für alle im Stadtzentrum, die kostenlosen Freibäder, sogar mit Badeaufsicht und überall öffentliche Grillplätze. Und es gibt guten Kaffee, sowohl in Neuseeland als auch in Australien. Die Kaffeekreation Flat White ist mein neues Lieblingsheißgetränk – ein Cappuccino nur mit weniger Milchschaum und ohne die Tonne Kakaopulver oben drauf. Sollte es in Deutschland auch geben.

 

 

 

Heute ist Tag 197. Wir haben unser Reisetief dank entspannter Fiji-Time überwunden und unsere Reiselust auf Asien steigt von Tag zu Tag. Auf Fiji hatte ich auch genug Zeit eine kleine Reisestatistik zu erstellen. Seit wir los sind haben wir 19.915 Euro ausgegeben. Darin enthalten sind alle Kosten, wie Unterkünfte, Verpflegung, Ausflüge, Bus- und Flugtickets, Souvenirs und natürlich die Kosten für das Ersetzen verlorener bzw. kaputtgegangener Gegenstände. Wir liegen nach Australien also bei einem Tagesschnitt von 104,27 Euro. Ja, wir haben unser Budget von 85 Euro täglich weit verfehlt. Neuseeland und Australien waren bei weitem teurer als erwartet, vorher waren wir ganz gut auf Kurs, mal drüber mal drunter hatten wir uns bei ziemlich genau 85 Euro eingependelt. In Neuseeland haben wir in den sechs Wochen 5.379 Euro (119,50 Euro/Tag) ausgegeben und in Australien in vier Wochen 3.777 Euro (102 Euro/Tag). Nachdem wir nach Neuseeland festgestellt haben, dass wir zu viel ausgeben, haben wir uns in Australien viel Mühe gegeben nicht ständig einen Supermarkt anzufahren und viele leckere, jedoch unnötige Sachen zu kaufen. Australien ist im Vergleich zu Neuseeland aber auch ein wenig preiswerter. Als Maßstab nehmen wir hier den Bierindex: In Neuseeland lag der Pint bei 10 Euro, in Australien zahlt man durchschnittlich 7 Euro. Etwas Gutes gibt es also doch. Und wir haben viel weniger Touren unternommen. Die 3.680 Euro, die wir aktuell im Minus sind, holen wir hoffentlich in Asien wieder raus. Die Hostelpreise, die wir bisher gesehen haben, lassen uns hoffen. Ansonsten müssen wir am Ende doch noch arbeiten oder aus Asien nach Hause trampen, wenn das Geld für den letzten Flug nicht reichen sollte.

 

Wir sind noch weitere sechs Tage auf den Fijis unterwegs. Was wir hier so den ganzen Tag lang machen, könnt ihr im Fiji-Tagebuch nachlesen. Manchmal ist es aber wirklich nicht viel, Fiji-Time halt. Ich muss jetzt auch weiter in der Hängematte schaukeln. Also bis bald!

 

Vanessa

 

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