Fiji Tagebuch Teil 1

23.04. BULA!

 

Bula! Die ersten Schritte aus dem Flieger raus strahlen uns bereits die ersten Fijianer an und begrüßen uns in ihrem Land. Bula – hallo und willkommen, wird das Wort unserer Fijireise werden. In der Flughafenhalle für die Passkontrolle wird sogar Gitarre gespielt und gesungen. Wer möchte kann sich eine exotische Blüte zum hinters Ohr stecken nehmen. Solch einen Empfang hatten wir bisher nirgends. Es stimmt einen auf jeden Fall auf den Urlaub vom Urlaub ein. Gelandet sind wir in Nadi auf der Hauptinsel der Fijis. Unsere Reise hier ist bereits organisiert, durchgeplant und mit Vollpension. Wir müssen uns nur im Office des Reiseveranstalters melden und schon wird uns ein Taxi zum Hotel gerufen. Nadi selber erscheint uns noch nicht wie ein Urlaubsparadies, auch ist unser Hotel schon sehr in die Jahre gekommen. Aber auch hier werden wir von jedem Mitarbeiter mit einem freundlichen Bula begrüßt. Müde vom frühen Aufstehen legen wir erstmal eine Mittagspause ein, die sich ziemlich ausdehnt. Währenddessen scheint draußen die Welt unterzugehen, es regnet eine Sintflut. Zwei Tage später berichtet uns ein englisches Pärchen, dass sie zu diesem Zeitpunkt mit dem Boot von der Fähre zu ihrer Insel fahren mussten, was ein ziemliches Abenteuer war - mit einer Nussschale durch die Wellen und Regen zu düsen. Die Sorge bei der Fährfahrt gilt aber meistens dem Gepäck und nicht der eigenen körperlichen Unversehrtheit.

 

Da wir noch Wasser benötigen und Hunger haben laufen wir abends durch Nadi, es ist nirgends wirklich was los, was uns ein wenig stutzig macht. Ist etwa doch Regenzeit? Wir hoffen der Starkregen am Nachmittag wiederholt sich nicht täglich. Wir machen Halt bei Burger King für Internet. Unsere Sim-Karten (inklusive im Urlaubspaket) funktionieren nämlich noch nicht und Wifi im Hotel gibt nur gegen Geld. Das Plakat an der Rezeption wirbt allerdings mit einem Internetraum, zu sehen sind Computer aus den 90ern, mit Röhrenmonitor. Abendessen gibt es im Masala-Twist, unglaublich lecker, ein Mix aus Thai und Indisch. Danach gehen wir auch schon wieder zu Bett.

 

 

 

24.04. Let`s have some Fiji-Time

 

Auch der zweite Tag beginnt früh. Wir werden 7.30 Uhr mit einem Reisebus zum Hafen gebracht. Tatsächlich fahren sogar zwei volle Busse zum Hafen, es gibt also doch noch andere Reisende auf Fiji. Dort läuft alles organisiert ab. Zuerst Gepäck abgeben. Hier haben wir die ersten Ängste. Um nicht so viel tragen zu müssen, haben wir unnötiges Gepäck im Hotel gelassen und nur den großen Backpack dabei, also sind alle elektronischen Geräte ebenfalls im Rucksack. Den schmeißen die Mitarbeiter nicht gerade mit viel Liebe auf den Gepäckwagen. Danach wird eingecheckt, ich erhalte alle Coupons für unsere Unterkünfte und den für die Fährfahrt. Mario verschwindet in der Zeit, da sich immer nur eine Person pro Gruppe beim Check-In anstellen soll. Ich hege die Hoffnung, dass er uns noch ein wenig Proviant besorgt, da es auf den Inseln keine Läden gibt. Ich hätte es besser wissen können, er war im Vodafoneshop. Unsere SIM-Karten funktionieren immer noch nicht und morgen früh spielt Werder gegen Bayern. Zum Glück hat Mario eine neue Karte im Shop erhalten. Ich habe mich schon damit abgefunden 12 Tage Internetdetox zu betreiben. Der Katamaran legt pünktlich ab und los geht es zu den Mamanuca und Yasawas-Inseln. Die ersten zwei Inseln erreichen wir bereits nach 30min Fahrt. Zwei wundervolle, kleine Flecken Sand mit Palmen in der Mitte im dunkelblauen Wasser. Wir sind neidisch und hoffen, dass unser Ziel genauso paradiesisch ausschauen wird. Bei dem dritten Stopp sind wir auch dran. Wir gehen zum Gepäcklager, identifizieren unser Gepäck und warten, dass unser Boot an dem Katamaran anlegt. Bootsanleger gibt es hier nämlich nicht mehr. Wartend müssen wir zuschauen, wie das Gepäck auf offener See vom Katamaran in die kleinen Boote geworfen wird. Sie werden dort von den Mitarbeitern der Unterkünfte aufgefangen und alles sieht recht trainiert aus. Trotzdem stellt sich uns unweigerlich die Frage, was passiert, wenn die einen Rucksack im Meer versenken?! Nach dem Gepäck dürfen auch wir auf das Boot steigen. Wir fahren zum Resort eigenen Strand, dort stehen bereits weitere Fijianer und begrüßen uns mit dem Bula-Song und einem lautem Bula. Immer wieder dieses Bula. Nach einer kurzen Begrüßung beziehen wir unsere erste Bure im Paradies. Das Resort liegt im Grünen, umgeben von Palmen. Es gibt zahlreiche Hängematten und der Strand ist 20 Meter von unserer Tür entfernt. Den restlichen Tag verbringen wir mit Nichts-Tun und Hängemattenschaukeln. Schwimmen ist auf Grund der Ebbe leider nicht mehr möglich. Dort wo noch Wasser ist liegen scharfkantige Steine im Wasser. Abends gibt es eine traditionelle Begrüßungszeremonie. Eigentlich haben wir auf dieses Entertainment so gar keine Lust, fühlen uns aber ein wenig gezwungen mitzumachen. Die Zeremonie wird normalerweise für wichtige Personen abgehalten, beispielsweise wenn ein anderer Stamm mit seinem Oberhaupt zu Besuch kommt. Also sitzen Mario und ich mit den anderen Urlaubern auf einem großen Teppich den Fijianern gegenüber. Diese reden ein paar Worte auf Fijianisch und dann gibt es Cawa. Wir wissen nicht genau, was Cawa ist. Angemixt wird es in einer großen Tonschale mit einem riesigen Teebeutel aus Stoff. Ausschauen tut es wie Wasser mit Schlamm. Wir ahnen nichts Gutes. Nachdem die Oberhäupter der Stämme ihren Cawa getrunken haben, sind wir dran. Bevor man die Schale entgegennimmt klatscht man in die Hand, ruft Bula und dann schlürft man das Gebräu aus der Schale. Es schmeckt bitter, wie Spülwasser (woher Mario weiß, wie Spülwasser schmeckt?), zum Gesicht verziehen. Trotzdem versuchen wir fröhlich nach dem Trinken abschließend dreimal in die Hände zu klatschen. Nachdem alle dran waren, ist die Zeremonie eigentlich vorbei, allerdings ist das Abendessen noch nicht fertig, daher denken sich die Fijianer, eine zweite Runde der Plörre wäre doch schön. Der zweite Becher schmeckt noch schrecklicher, weil man jetzt weiß, was auf einen zukommt. Nach der Tortour gibt es das typische Fiji-Essen. Hühnchen, süßes Fleisch mit großen grünen Blättern (schmeckt wie Roulade), Kartoffeln und Salat. Da es ein typisches Mahl ist, gibt es kein Besteck und alle schaufeln sich das Essen mit den Fingern in die Futterluke. Nach dem Essen singen alle noch für uns, zum Glück müssen wir nicht tanzen. Und nach einer Runde jeder-umarmt-jeden dürfen wir auch zu Bett gehen.

 

 

 

25.04. White Sandy Beach

 

In der ersten Unterkunft verbringen wir nur eine Nacht. Daher reisen wir vormittags bereits weiter. Unser Gepäck und wir werden wieder in die kleinen Boote geladen, die dann auf dem Wasser auf die Fähre warten. Nach 1,5 Stunden Fahrt erreichen wir unsere zweite Unterkunft. Schon von weitem sieht die Bucht traumhaft aus. Hier liegen zwei Resorts nebeneinander, an einem langen weißen Strand. Nach dem Beziehen unserer Hütte, diese ist klein, mit Gartendusche und Terrasse zum Meer gelegen, gibt es Mittagessen. Den Nachmittag verbringen wir mal wieder mit baden und entspannen.  Auch hier ist nachmittags Ebbe. Wir können das Abendessen kaum erwarten, da wir morgens das Frühstück verpasst hatten – 7 Uhr ist einfach zu früh gewesen, und das Mittagessen nicht gerade üppig war. Zu unserer Überraschung gibt es ein drei Gänge Menü: Kürbissuppe, Gemüse mit Huhn und halben Würstchen, Schokoladenkokospfannkuchen. Alles ziemlich lecker.
Danach werden wir wieder bespaßt, Mario verschwindet lieber schnell, da er kein großer Fan solcher Animation ist. Eine Gruppe von jungen Fijianern tanzt für uns, am Ende müssen wir kurz mittanzen. Danach gibt es ein Lagerfeuer am Strand. Joe, einer der Fijianer, die nachmittags mit einem Boot gebracht worden sind, erzählt uns, dass sie jetzt für 6 Monate hier leben, um zu lernen, wie man solch eine Unterkunft managt. Wir vermuten, das ist Teil einer Ausbildung. Es gibt schlechtere Orte um sechs Monate für seine Ausbildung zu lernen. Am White Sandy Beach fühlen wir uns wirklich wie im Paradies und sind bereits traurig, hier nicht noch mehr Zeit verbringen zu können.

 

 

26.04. Mantaray Passage

 

An unserem zweiten Tag in White Sandy fahren wir mit zum Schnorcheln in der Mantarochen Passage. Die Mantarochen sind allerdings noch nicht da, erst ab Mai. Ein ziemlich großes Riff mit vielen, bunten Korallen und Fischen gibt es trotzdem zu sehen. Wir wissen beide sofort, dass wir in Cairns mit dem Auslassen der teuren Tour zum Great Barrier Reef alles richtig gemacht haben. Denn heute waren wir für umgerechnet 20 Euro pro Person zu fünft schnorcheln. Jeder hätte in einer komplett anderen Ecke vom Riff ganz für sich allein schwimmen können. Insgesamt waren wir circa eine Stunde im Wasser. Das war auch lang genug, die Taucherbrillen sitzen nicht gerade bequem. Zum Ende hin sah das Riff auch ziemlich mitgenommen aus. Später erfahre ich, dass 2016 ein Zyklon über die Fijis gezogen ist, der viele Inseln und auch Riffe zerstört hatte. Nachmittags ist wieder Fiji-Time. Fiji-Time bedeutet, die Seele baumeln zu lassen, in der Hängematte zu liegen und dem Wellenrauschen zu lauschen, zu lesen oder ein Schläfchen zu halten. Nach dem Mittag machen selbst die Arbeiter, die eine neue Hütte bauen, einen Mittagsschlaf unter den Palmen. Generell wird hier nicht sehr zügig bzw. konstruktiv gearbeitet. Wenn morgens der Sand gefegt wird, sitzen zwei daneben und quatschen, werden die Hütten für neue Gäste hergerichtet, sitzen einige Fijianer auf der Terasse und quatschen. Generell wird auf den Fijis viel Gitarre gespielt, gesungen und gelacht. Nach dem Abendessen flüchten Mario und ich zusammen vor dem Entertainmentprogramm und gucken lieber unsere Videoaufnahmen vom Schnorcheln.

 

 

 

27.04. Letzter Tag am White Sandy Beach

 

Der letzte Tag am White Sandy Beach startet ruhig, alle anderen Gäste reisen ab und im Laufe des Tages stellt sich heraus, dass auch keine neuen Gäste anreisen. Es gibt also ein Dinner for Two abends. Wir schwimmen eine große Runde im Meer bis zu der Boje, an der man gut schnorcheln könne. Bevor wir Ausrüstung ausleihen wollten wir das erst einmal überprüfen, und stellen fest, dass es sich nicht lohnt. Also fahren wir mit dem Fiji-Time fort bis zum Abend. Da es irgendwie unsinnig wäre, dass 15 Fijianer für zwei Leute ein Unterhaltungsprogramm starten, gibt es nur ein Lagerfeuer. Außerdem lassen wir uns zeigen, wie man fachmännisch eine Kokosnuss öffnet. Mario hatte nachmittags schon eine mit seinem Taschenmesser bearbeitet, kam damit allerdings nicht sehr weit. Tatsächlich benötigt man für das Schälen nicht mal ein Messer, sondern nur einen angespitzten Ast, der aus dem Boden ragt. Die Nuss öffnet man dann durch Schläge mit der Rückseite eines Küchenbeiles mittig auf die Nuss und immer senkrecht zu den Enden. Der Saft und auch das Fruchtfleisch schmecken lecker und erstaunlich nicht nach Kokosnuss. Ein bisschen nussig, aber nicht so wie man Kokosnuss sonst schmeckt. Weil es irgendwie dazu gehört und die Fijianer es auch alle machen, tanze und hüpfe ich noch mit ums Feuer. Mario beschränkt sich aufs Bier trinken. Ich glaube er hat fast den gesamten Vorrat an Fiji-Gold des Resorts ausgetrunken. Es war ja klar, dass am letzten Tag noch etwas schief gehen muss. Nach dem Lagerfeuer wollen wir in unsere Hütte, doch das Vorrhängeschloss geht urplötzlich nicht mehr auf. Dabei waren wir beide nach dem Abendessen noch in der Hütte, um Handy bzw. Kamera zu holen. Es ist als hätten wir den falschen Schlüssel. Drei Fijianer versuchen auch nochmal ihr Glück. Leider haben wir die Tür an der Rückseite in die Gartendusche auch abgesperrt. Also kriegen wir für die Nacht eine andere Hütte und das Öffnen der Tür wird auf morgen verschoben. Es geht also ohne Zähneputzen zu Bett.

 

 

 

28.04. Umzug zum Long Beach

 

Nach dem Frühstück widmen sich wieder verschiedene Fijianer unserem streikenden Türschloss. Irgendwie scheinen manche nicht so auf der Höhe zu sein, denn sie versuchen die Tür mit dem Schlüssel der anderen Hütte zu öffnen, bis sie verstehen, dass der dazugehörige Schlüssel wieder im Büro der Managerin ist. Zum Glück geben Sie es recht schnell auf mit dem Schlüssel im Schloss zu prokeln und holen Werkzeug. Einen Bolzenschneider scheint es nicht zu geben, daher wird dem Schloss mit Hammer und Meißel zu Leibe gerückt. Das klappt natürlich nicht, daher begibt man sich wieder auf Werkzeugsuche – man könnte ja denken ein Hostel bzw. Hotel hätte eine Werkzeugkiste für kleiner Reparaturen parat, aber dem ist nicht so. Daher wird von der Baustelle eine Säge geholt, mit der sich dann erstaunlich schnell das Schloss absägen lässt.

 

Heute hat niemand richtig was zu tun, es gibt ja auch nur Mario und mich als Gäste. Bis wir zur Fähre müssen spiele ich Karten mit der Azubigruppe. Habe aber die ganze Zeit das Gefühl, dass alle außer mir am mogeln sind. Zum Abschied singen alle für uns. Irgendwie ist es fast so, als würde man sich von einer Familie verabschieden. Wir würden lieber noch hierbleiben.

 

 Eine Stunde später sind wir dann schon am Long Beach. Vom Wasser aus sieht auch der Strand super schön aus und lang ist er wirklich. Beim Einchecken erfahren wir, dass man bei Ebbe nicht baden soll wegen möglicher Stechrochen, die sich im Sand verbuddeln. Deswegen hüpfen wir auch direkt ins Wasser, solange noch Flut ist. Ansonsten ist wieder Fiji-Zeit.

 

 

 

29.04. Long Beach

 

Unsere einzige wirkliche Tätigkeit an diesem Tag ist eine große Runde Kajak. Einmal rüber zur nächsten Insel an einem anderen Resort vorbei, das bei weitem schicker ausschaut als unseres. Die Liegen haben sogar Polster und es gibt ein Massagezelt am Strand. Noch ein Stückchen weiter legen wir an einem einsamen Strand an und fühlen uns ein wenig wie bei Castaway. Ich muss zugeben, ich habe diesen Film nie gesehen, Mario hat ihn mir aber gut zusammengefasst. Die richtige Insel, auf der Castaway gefilmt wurde, liegt auch nur circa eine Stunde mit dem Boot entfernt. Bei der ersten Lodge wurde sogar eine Tagestour dorthin angeboten, aber da wussten wir ja noch nicht wie man Kokosnüsse öffnet. Also holen wir die Castaway-Zeit an dem kleinen Strand nach. Wir finden allerdings nur sehr, sehr alt aussehende Kokosnüsse; in denen es auch nicht mehr gluckert. Um vor dem Abendessen noch Fiji-Time in der Hängematte zu haben paddeln wir zurück, was wegen der Strömung anstrengender wird als gedacht. Zum Abend essen war der Koch richtig kreativ, es gibt dasselbe Gericht wie am Vortag: Asiatisch inspirierter Nudelsalat, drei halbe Kartoffel und Brathuhn. Immerhin macht es satt.

 

 

 

30.04. Letzter Tag Long Beach

 

In der Nacht war es ziemlich stürmisch, daher sieht das Wasser heute gar nicht mehr so schön aus; überall schwimmen abgerissene Algen. Wir haben den ganzen Tag nicht wirklich was zu tun. Ich schreibe Blog oder lese und Mario bastelt an dem Video weiter. Beim Planschen verlieren unsere Minikokosnuss im Meer, die wir als Ball genutzt haben. Mario hat sie zu tief verbuddelt, ich konnte sie nicht wiederfinden und er anschließend auch nicht mehr. Gut, dass es morgen weiter geht zur Nabua Lodge Wir haben uns sagen lassen, da soll es leckeres Essen geben. Am Long Beach gab es heute wenigstens Reis mit Gemüse und Hühnchen. Und einen kurzen Spaziergang entfernt gibt es ein Teehaus mit sehr leckerem Schokokuchen!

 

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