Halbzeit!

Moin,

aus Noosa und herzlich Willkommen zur Halbzeitshow unserer Weltreise. Es ist jetzt schon ein halbes Jahr her, dass wir in Frankfurt in den Flieger gestiegen sind und gen Cancun geflogen sind; und ziemlich genau in einem halben Jahr landen wir wieder irgendwo in Deutschland. Die Zeit rennt! Einerseits ist man ein bisschen bedröppelt, dass schon Halbzeit ist, anderseits freuen wir uns tierisch auf das was noch kommt. Mit Süd-Ost Asien erwartet uns endlich etwas ganz Neues; eine Kultur, die wir beide noch nicht kennengelernt haben. Auch haben wir unsere Reise ein wenig umgeplant. Wir haben unser Inselhüpfen auf den Philippinen von drei auf zwei Wochen gekürzt und haben uns ein Visum für Vietnam besorgt. Vietnam reizt uns gerade ziemlich, wodurch wir beschlossen haben, dort einen Monat zu reisen. Vorher haben wir jetzt aber noch ca. 2,5 Wochen Australien und dann 12 Tage Urlaub vom Urlaub auf den Fiji-Inseln vor uns - die Aussichten könnten schlechter sein. Auf den Fijis haben wir dann mal Zeit um auch ein ausführliches Fazit zu den letzten sechs Monaten und speziell zu unserem Roadtrip durch Neuseeland und Australien zu verfassen. Außerdem haben wir einen Film über unseren Trip durch Neuseeland gedreht, den muss ich aber noch zusammenschneiden - ich hoffe da finde ich dann auch Zeit zu.

Kommen wir nun zum aktuellen Geschehen: wir düsen weiterhin die Ostküste Australiens hoch. Wir haben in den letzten Tagen die Blue Mountains bei Sidney besucht, mit dabei halb Peking, transferiert in Reisebussen. Es erinnerte irgendwie an das Elb-Sandstein Gebirge -nur in groß. Ehrlich gesagt konnte uns das auch alles nicht wirklich begeistern, daher blieben wir nur zwei Nächte. Wir machten einen Stop in Newcastle, erkundeten die Kneipen und versackten in einer Österreichischen bei gezapftem Franziskaner mit Currywurst und Pommes. Ein gelungener, gesunder Abend! Nächster Stop sollte Bellingen sein, der Geheimtip für gute Restaurants und frisches Essen an der Ostküste. Der Ort hätte sich sicherlich gelohnt, wenn denn die Restaurants geöffnet gewesen wären. Zu diesem Zeitpunkt waren wir nur noch enttäuscht von Australien und waren uns einig, dass man immer erst Australien bereisen sollte und danach Neuseeland. Außerdem stellten wir fest, dass wir uns lieber einen Jeep mit Zelt auf dem Dach hätten mieten sollen, um damit durchs Outback zu fahren. Das wäre mehr Abenteuer gewesen, als unsere bisherige Seniorentour. Nun gut, wir hofften auf Byron Bay - einer der Surf-hotspots in Australien. Der Ort zieht nicht nur Surfer mit langen Zotteln aus aller Welt an, sondern auch Backpacker, Musiker und Hippies - und uns Senioren. Dementsprechend cool und gemischt tummelt sich das Publikum durch die Kleinstadt. Wir waren zum ersten mal seit Melbourne begeistert und blieben drei Tage. Natürlich regnete es zwei von drei Tagen durch, was aber eine ausgiebige Erkundung der hiesigen Kneipenszene (eigene Brauerei) möglich machte. Ich konnte gezapfte Biere testen, Vanessa Klamotten - die Welt war wieder in Ordnung. Byron Bay hat irgendwie einen ganz besonderen Flair versprüht; leider konnten wir nicht am Strand abhängen und den Surfern zugucken, da es zu nass war. Dafür konnten wir das Schwimmbad nutzen und ein paar Kilometer schwimmen, bis eine Abrissbirne aus der 10. Klasse mir in meine Bahn sprang und das klasseninterne Wasserballspiel eröffnete. Vanessa konnte auf den abgetrennten Profibahnen schwimmen - für meine Geschwindigkeit gab es leider keine Bahn. 

Byron Bay war so eine Art Dosenöffner für Australien, seit dem gefällt uns alles ziemlich gut.  Wir bereisten danach die Stadt Gold Coast, welche vom Wasser mit seiner Skyline aussieht wie Miami. Dort machen wir am ersten Abend zum ersten mal Bekanntschaft mit einer australischen Spinne! Vermutlich hatten wir die Spinne schon aus Byron Bay zwischen unseren Klappstühlen mitgebracht. So hing dieses riesige Vieh dann da plötzlich im Wohnmobil, so groß, dass man ihre schwarzen Augen erkennen konnte (siehe Fotos); Vanessa stellte in ihrer Hektik fest, dass sie jetzt keinen Staubsauger zur Hand hat. Ich erinnerte sie freundlich daran, dass in diesem Fall wohl auch eher die Spinne den Staubsauger gefressen hätte, nicht umgekehrt. Zum Glück sind Spinnen sehr ruhige Tiere, was eine ausgiebige Beratung zur aktuellen Notlage möglich machte. Ich befragte erstmal Google, mit was für einem reizenden Haustier wir es da eigentlich zu tun haben. Ich war mir nach dem ausführlichen Vergleich der Bilder auf Google und dem Geschöpf was dort hing sicher, dass es sich um eine „Huntsman“ handeln müsse. Auf der Spinnenrangliste belegte das Modell nur den dritten Platz unter den giftigsten Spinnen Australiens. Die Spinne war fast so groß wie meine Hand, anfassen zu gefährlich, draufhauen nur wenn sie angreift. Was also dann? Wir entschieden uns für Pfannenwender und Topf samt Deckel. Nach einem zähen Ringen, einmal weglaufen und verstecken hinter der Gardine, konnte ich die Dame dann in den Topf bugsieren und Vanessa setzte in Lichtgeschwindigkeit den Deckel drauf. Dann stand der Topf auf unserem „Küchentisch“, wo er ja sicherlich nicht bleiben konnte. Ich entschied mich dafür den Topf an einer Mülltonne kopfüber auszuklopfen, in der Hoffnung, dass die Spinne rausfällt. Der Plan ging leider schief; die Spinne krabbelte beim Klopfen aus dem Topf auf den Griff in Richtung meiner Hand. Vor Schreck ließ ich den Topf in den Mülleimer fallen und fragte einen ausgebufften Australier nach Rat. Er guckte sich den Topf samt Spinne an, sagte: „Oh, its a Huntsman!“ und schlug den Topf so lange gegen einen Baum bis diese anscheinend freiwillig aus dem Topf sprang. Puuhh… Interessante Erfahrung! Achso, die Stadt Gold Coast hat mir trotz allem sehr gut gefallen - Partystadt!

Nach der Gold Coast folgte schon Brisbane, wo wir eigentlich nur einen Nachmittag bleiben wollten. Als wir dann durch die Stadt schlenderten, waren wir total geflasht und suchten uns kurzerhand einen Campingplatz. Wir verbrachten den Abend und die Nacht in dieser wundervollen Stadt mit ihren mehreren beindruckenden Skylines, suchten einen schönen Fotospott und belichteten die Story-Bridge. Tolle Aufnahmen! Brisbane ist total modern, und hat mitten in der Stadt einen künstlich angelegten Strand. Schön ist auch, man kann Brisbane mit der Fähre erkunden, diese ist sogar kostenlos. Mittlerweile sind wir, wie erwähnt, in Noosa. Hier in dem kleinen Küstenort bleiben wir auch drei Tage, heute lagen wir   fast den ganzen Tag am Strand und haben in den riesigen Wellen geplantscht, bis wir vom Bademeister aufgefordert wurden dieses zu beenden. Wir lassen es es die nächsten zwei Wochen ruhiger angehen und überlegen uns ganz genau was wir noch sehen wollen und was nicht. Wir haben uns z.B. gegen Fraser Island entschieden, da dort Regenwälder und das Fahren auf dem Strand als Highlight angepriesen werden - beides hatten wir zu genüge in Neuseeland. Wir werden uns in der nächsten Woche ausgiebig dem Great Barrier widmen und eventuell noch eine Segeltour unternehmen. Morgen cremen wir uns erstmal wieder mit Lichtschutzfaktor 270 ein und legen uns an Strand, hätte nie gedacht, dass mich das wirklich mal entspannen kann. 

Melden uns von dem Great Barrier! 

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