150 Tage

Moin,

unsere letzte Woche Neuseeland ist angebrochen, verrückt wie schnell auch hier die Zeit verging! Wir haben genau Halbzeit unseres 10 wöchigen Roadtrips durch Neuseeland und an Australiens Ostküste, außerdem leben wir gerade Tag 150 unseres Trips. 150 Tage unterwegs, keine „Wiener“, kein Edeka für Vanessa und keine feste Bleibe. 150 Tage keine Familie, Freunde und kein Fußball bzw. Sportschau. Aber auch 150 Tage Abenteuer, faszinierende Naturschauspiele, Städte und Kulturen. 150 Tage Arbeit Arbeit sein lassen, tun & lassen was man will. Kurz: 150 Tage „Leben!“

Neuseeland macht es einem aber auch einfach. Das Land ist, wie schon erwähnt, in allen belangen so einfach zu bereisen, dass man hier auf den Campingplätzen alle Altersschichten antrifft. Die Generation „erstmal raus nach dem Abi“, ist mit Auto und Zelt genauso zahlreich vertreten wie Generation „Gnaden-Hochzeit“ im Wohnmobil par excellence. Generell spricht hier jeder dritte Tourist deutsch, egal wo wir hinkommen. Auch erstaunlich, wieviele Familien hier mit ihren kleinen Kindern im Camper durch das Land reisen. Wenn der lange Flug nicht wäre, ist es echt ein traumhaftes Reiseziel für alle Altersklassen. Jedoch macht alles unter fünf Wochen Reisezeit mit dem Camper keinen Sinn, um das Land auch vernünftig und stressfrei bereisen zu können. 

Uns könnte es gerade nicht besser gehen. Wir hatten in der kompletten Zeit hier nur 4 Tage mal ein wenig Regen, sonst nur Traumwetter. Wir haben alles gesehen, was wir uns vorgenommen haben. Als weiteres Aushängeschild, hält Neuseeland den Mount Cook im gleichnamigen Nationalpark für seine meist „auf Achse“ reisenden Touristen bereit. Der Berg ist 3.724 Meter hoch und taucht irgendwann wie eine Wand auf der Zufahrtsstraße auf, wäre das nicht schon genug Schauspiel, haben die neuseeländischen Landschaftsgärtner noch einen türkis-blau leuchtenden See vor die Kulisse des Berges gezaubert. Man hätte es nicht schöner malen können - ich zumindest nicht. Leider war es das aber auch schon im Nationalpark; die angebotenen Wanderstrecken lassen zu wünschen übrig. Hier bestätigt sich wieder: ist die Strecke einfach, ist die Aussicht scheiße. Vielleicht waren wir auch einfach zu sehr aus Patagonien verwöhnt, als dass wir den Trek zum Hooker Lake hätten beindruckend finden können. Aber das ist ja das tolle in Neuseeland, steht man eben noch gefühlt an einem karibischen Strand, fährt man zwei Stunden später durch die Alpen. Es ist einfach die Vielfalt der neuseeländischen Landschaft, kombiniert mit kurzen Wegen. Wie habe ich neulich gelesen: „Neuseeland ist Kanada nur in komprimierter Form mit Regenwald“. So würde ich es einfach mal stehen lassen. 

Wir machen jetzt noch eine Woche „Beine hoch“, an Orten die uns spontan gefallen und ein bisschen Whale Watching. Trotz allem hatten wir in den letzten Tagen einen harten Schicksalsschlag hinzunehmen. Meine heißgeliebte Nikon Kamera hat einen Wasserschaden im Milford Sound davongetragen, welcher sich erst eine Woche später in den Funktionen der Kamera bemerkbar machte. Als Sofortmaßnahme steuerten wir eine Nikon Reparaturwerkstatt in Christchurch an. Im Wettlauf gegen die Zeit oder auch die sich ausbreitende Korrosion im inneren des Körpers der Kamera, erhielt ich drei Optionen: 1. für 85$ die Kamera öffnen lassen und die Diagnose Wasserschaden bestätigt bekommen - was einem Todesurteil gleichkommt. 2. das nicht mehr funktionierende Element der Kamera für 270$ trotz Wasserschaden auswechseln und hoffen das es dann funktioniert. 3. das Geld zu sparen und die Kamera in den Nikonhimmel zu schicken. Die Mitarbeiter waren wenigstens so ehrlich und rieten mir zu Option drei. Nach kurzer Bedenkzeit und einer sehr traurigen Stimmung im Büro, entschied ich mich letztendlich für die mir empfohlene Option Drei. Sehr geknickt verliess ich das Büro - da halfen auch keine 20 Chicken Nuggets von Mc’s.

Was nun? Ohne Kamera ist es auf deutsch gesagt richtig scheiße! Also blieb uns nichts anderes übrig, als am selben Tag noch einen Fotoshop anzusteuern. Glücklicherweise ist das teure Objektiv heile geblieben, was es mir ermöglichte nur den neuen „Körper“ der Kamera zu erwerben. Keine zwei Stunden nach dem Todesurteil meiner D3400 war ich stolzer Besitzer einer nicht ganz billigen D5600. Einerseits passt das überhaupt nicht ins Reisebudget aber anderseits reisen wir noch fast 8 Monate, die ich nicht auf Foto festhalten könnte. Kurz was anderes: mir hat gerade ein Vogel auf meinen Handydisplay geschissen. Ich sitze hier in Akaroa unter einem Baum auf einer Parkbank mit Tisch und schreibe den Bums hier. Der ganze Display war voll - 20 cm weiter nach rechts, hätte er direkt auf die Tastatur geschättert. Ist ja unglaublich!

Zurück zum Thema: Ich habe jetzt also eine schöne neue Nikon und Vanessa ein schönes neues Tablet. Ihr altes hat vor zwei Wochen das Zeitliche gesegnet - ich habe es fallen lassen. Ups… Aber die Glasschale samt Chilli und das Bier sind heile geblieben.  

Ein Spendenkonto für unerwartete Ausgaben richten wir natürlich für Euch ein. 

Wie gerade schon zwangsläufig erwähnt, befinden wir uns derzeit in Akaroa auf der schönen Banks-Halbinsel unter Christchurch. Vor mir ein Strand, türkises Wasser und 26*C. Über mir ein beschissener Vogel und links von mir pennt Vanessa im Gras. Diese Gegend hier ist traumhaft! Traumhaft um die Seele baumeln zu lassen und um heute Abend auf die nächsten 200 Tage anzustoßen - wir melden uns in einer Woche aus Australien! 

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