In allen Himmelsrichtungen auf der Südinsel

 

Mit sechs Bockwürsten im Gepäck geht unsere Reise weiter. Hoch in die Nordspitze, von Nordost nach West, über die neuseeländischen Alpen rein in das Fjordland. Von Nationalpark zu Nationalpark - 10 der 13 Parks befinden sich allein auf der Südinsel. Manche der schönsten Straßen führen direkt durch diese Parks, andere fahren wir gezielt an. Die Bockwürste haben natürlich nicht sehr lange überlebt.

 

Nach unserem Zwischenstopp in Nelson erreichen wir auch schon den ersten Nationalpark, den Abel Tasman. Hier locken uns die vom Reiseführer versprochenen goldenen Strände und der Küstenwanderweg. Da wir keine Zeit für eine mehrtägige Wanderung haben, buchen wir uns nach langem Hin und Her eine überteuerte Fahrt im Wassertaxi. Immerhin wird man mit dem Boot vor dem Campingplatz abgeholt. Der Skipper fährt dieses mit einem Traktor direkt ins Wasser, um danach zu Wasser an der Küste entlang zu düsen. Vollgas, egal bei welchem Wellengang, egal, ob die Passagiere hinten klitschnass werden. So lassen wir uns auch zu einer Bucht im Park fahren und wandern 8 Kilometer an der Küste entlang zum nächsten Strand. Dort ist natürlich noch Zeit zum Entspannen, bevor das Taxi uns wieder einsammelt. Die Natur und das Meer erinnern mehr an die Karibik; nur die Wassertemperatur mag nicht so ganz in dieses Bild passen.

 

Auch die nördlichste Spitze der Südinsel, Cape Farewell, fahren wir für eine Nacht an. Highlight des kurzen Ausflugs sind die im Meer schwimmenden Robben. Am nächsten Tag übernachten wir bereits an der Westküste. Mario jagt Bernd 345km die Serpentinen hoch und runter als wäre er ein Rennfahrer. Allerdings ist Bernd kein Rennwagen, beim Stopp an einer Baustellenampel stellen wir fest, dass Bernds Bremsen ordentlich qualmen. Seitdem ist Mario ein wenig sachter mit der alten Karre. Zwei Wochen muss er ja auch noch durchhalten.

 

An der Westküste machen wir ein wenig langsamer und verbringen zwei Nächte in Punakaiki. Auf der Great Coast Road, die direkt durch den Paparoa Nationalpark führt, halten wir unzählige Male für Fotos an. Links von uns der Regenwald, rechts das Meer, eine ziemlich beeindruckende Kulisse. Am Strand des Camps bietet der Sonnenuntergang eine richtige Abendshow. Ohne Wolken am Himmel versinkt die Sonne als rote Kugel am Horizont - der Schönste der Sonnenuntergänge auf unserer Reise, finden wir beide. Aber nicht nur wegen der schönen Bilder wird uns dieser Ort in Erinnerung bleiben, sondern auch weil wir Bekanntschaft mit der berüchtigten Sandfliege machen. Vor allem Mario hat ordentlich zu leiden, nachdem er meine Warnung nicht ernst genommen und seine nackten Füße zum All-you-can-eat Buffett eröffnet hat. Tags und nachts jucken die Stiche, rauben uns beiden den Schlaf und selbst beim Autofahren wird geschubbert. Marios Rangliste der gefährlichsten Tiere hat sich seitdem ein wenig verändert.

 

Vorher: 1. Weißer Hai 2. T-Rex, danach kommt nichts mehr Jetzt: 1. Weißer Hai 2. Sandfliege 3. T-Rex

 

Ich bin gespannt, ob sich diese nach Australien nochmal verändert. Eine Frage, die uns schon seit geraumer Zeit beschäftigt: „Kann man nachts in Schlappen über den Campingplatz laufen, ohne dabei gebissen oder gestochen zu werden?“ In Neuseeland ist das überhaupt kein Problem, nachts schlafen Sandfliegen nämlich.

 

Unsere Route führt uns in die neuseeländischen Alpen. Im Bergörtchen Franz Josef bleiben wir über Nacht. Allerdings gibt es trotz des deutschen Namens keine heimischen Speisen, sondern hauptsächlich Chinesisch. Aber es ist ähnlich kalt nachts, vielleicht momentan sogar wärmer in den heimischen Alpen– ich muss zumindest mit Mütze schlafen, Mario zieht sich nachts seinen Fleecepulli über. Hauptattraktion des Ortes ist der gleichnamige Gletscher. Die ausführliche Wanderung zu diesem sparen wir uns, da nach dem Perito Moreno Gletscher in Argentinien, dieser nicht mehr wirklich beeindruckend ist. Nicht annährend so imposant und farblich eher grau, da sich in der Gletscherspitze viel Sand eingelagert hat. Der Gletscher ist, wenn dann negativ „beeindruckend“. Sowohl der Franz-Josef als auch der Foxgletscher sind am Schmelzen, momentan kann der Franz-Josef nicht mehr bewandert werden und vor ganz, ganz vielen Jahren kalbten beide sogar mal ins Meer. Von diesem sind beide mittlerweile sehr weit entfernt.

 

In Wanaka wartet die erste richtige Wanderung auf uns. Da wir morgens nicht aus den Federn kamen, ging es dann über Mittag die 1240m zum Roys Peak hoch. Ohne Schatten liefen wir zwei einhalb Stunden einfach nur bergauf. Mario schwitze sich die Sonnencreme 50+ wasserfest von der Haut und bekam ein wenig Sonnenbrand. Ich merke die Steigung auch noch zwei Tage später in den Waden. Doch es hat sich gelohnt, der Ausblick war unglaublich. Klare Sicht, blauer See im Tal, in der Ferne die teilweise mit Schnee bedeckten Alpen. Von Wanaka aus fahren wir weiter nach Queenstown. Endlich mal wieder „Großstadt“ – das Zentrum von Queenstown ist dann in echt doch gar nicht so groß, dafür direkt am See gelegen und es gibt ausreichend Bars zur Abendgestaltung. Wir laufen durch die Stadt, schauen den unzähligen Paraglidern zu wie sie auf dem Rugbyfeld landen und tingeln von Bar zu Bar. Mit diversen Drinks und einem Abendsessen im Irish Pub lassen wir es uns einfach mal gut gehen.

 

Die Fahrt tags darauf in den Milford Sound ist ziemlich lang, dafür umso beeindruckender. Es geht durch den Fjordland Nationalpark rein in den Regenwald. Je weiter wir kommen desto wolkiger wird es. Nachdem wir einen Tunnel passiert haben, sind wir von den steilen Felsen des Fjordes umzingelt. Nach der Ankunft erkunden wir bereits zu Fuß den Fjord, man kann sogar die Sonne hinter den Wolken erahnen. Abends fängt es an zu regnen und hört auch nicht mehr auf. In voller Regenmontur treten wir am Morgen die zwei stündige Bootstour an. Zum Glück ist das Schiff ziemlich leer, sodass man überall einen guten Blick hat. Dieser reicht allerdings nicht sehr weit, da der Fjord komplett wolkenverhangen ist und es weiterhin aus Eimern regnet. Das Regen hat die Wasserfälle anwachsen lassen und so sehen wir unzählige in den Fjord stürzen. Der Reiseführer behält recht, dass die Landschaft auch bei Regen ziemlich atemberaubend ist. Zum Glück, denn die Chance auf Sonne im Fjordland ist sehr gering. Leider lässt der Fjordland Nationalparks nicht sehr weiter mit einem Camper erkunden, höchstens zu Fuß auf einem der zahlreichen Wanderwege oder per Rundflug, sodass wir uns nach der Bootstour wieder auf den Weg zurück ins Inland machen.

 

 

 

Mittlerweile sitzen wir in unserem Camper an der Ostküste und müssen langsam mal schlafen, damit unser Plan früh aufzustehen, um bei Sonnenaufgang am Nugget Point zu sein, aufgeht.

 

Gute Nacht, Vanessa

 

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