Du raues, schönes Patagonien!

Hallo und herzlich willkommen noch immer aus dem schroffen Patagonien, 

wie erwähnt, waren wir in El Calafate, ein kleines Städtchen, von wo man sich den unglaublichen Perito Moreno Gletscher angucken kann. Das taten wir auch - im Regen. Die Ausmaße des Eiswürfels kann man sich überhaupt nicht vorstellen, wenn man nicht genau davor gestanden hat. Der Brocken ragt ca. 60 Meter aus dem Wasser und ist ca. 500 Meter breit; die länge beläuft sich auf 30 Kilometer.  

Sonst kann man in und um El Calafate nicht viel anstellen, außer gut essen und trinken. Das Highlight der Speisekarte ist das „Patagonia Lamb“. Ein Lamm was über Stunden über offenem Feuer gegart wird und schrecklich lecker war. Auch Vanessas Filetsteak war phänomenal und verdrängte kurzerhand auf ihrer Steak-Tabelle mein Steak, welches ich ihr im Sommer mal auf einem 5,90€ Grill von Edeka gebraten hab, auf Platz zwei. Vermutlich werde ich jetzt durchgereicht, da hier in Patagonien jedes Rind einen Quadratkilometer Weidefläche für sich hat; die scheinen sich hier echt wohl zu fühlen und das schmeckt man, so makaber es auch klingt.

Mittlerweile sind wir wieder in Chile, Puerto Natales. Der Grenzübertritt verlief ausnahmsweise problemlos. Der Gepäckkontrolleur sah ziemlich lässig aus, mit Fliegerbrille und langem Haar. So, als wenn die tagsüber gefunden Drogen generell für seinen Eigengebrauch bestimmt wären. In Chile wartete der Ort Puerto Natales auf uns, dass Tor zu einem unserer weiteren Highlights in Südamerika: den Torres del Paine Nationalpark und den gleichnamigen Berg. Drei riesige Bergspitzen aus Granit, die vor einer türkisfarbenen

Lagune in den Himmel ragen. Unsere Planung vor der Reise sah eigentlich vor, das wir den sogenannten W-Trek wandern wollten. Ein Trek über fünf Tage quer durch den Nationalpark, dass ganze dann mit Zelt und Schlafsack. Als wir dann vor ein paar Wochen ungefähr wussten, wann wir hier ankommen würden und Campingplätze etc. vorbuchen wollten, stellten wir fest, dass einfach alles ausgebucht war. Über andere Reisende erfuhren wir, dass diese schon letztes Jahr im August gebucht hatten, was für uns leider nicht in Frage kam, da wir ja garnicht wussten, wann wir genau hier sein würden. Dieser Trek soll dieses Jahr total der Renner sein und ist dementsprechend überlaufen.

Nun gut, kein Problem. Wir entschieden uns für einen Daytrek zum „Torres“ hoch - anstrengend aber sollten wir hinkriegen. Am Freitag früh sind wir dann um 7.00 Uhr von Puerto Natales zwei Stunden mit dem Bus in den Park gefahren, dort war schon am Startpunkt des Treks, welcher derselbe Starpunkt für den W-Trek ist, der Bär los. Zum Glück trennte sich am ersten Anstieg relativ schnell die Spreu vom Weizen und wir konnten der Karawane von Wanderwütigen entfliehen. Die Strecke besteht aus mehreren steilen Passagen; der obere Anstieg fast nur noch aus losem Geröll. Nach ca. 3,5 Stunden war es dann aber soweit: bei strahlendem Sonnenschein, ein paar Quellwolken über den „Torres“,11 Kilometern Strecke und einem sich immer weiter zuziehenden Wadenmuskulatur, kletterten wir über den letzten Stein und erblickten den „Superstar“ des Torres Del Paine Nationalparks. Grandioses Bild! Plötzlich standen wir wieder vor der Kulisse, die man sich die Monate vorher immer und immer wieder vor Augen geführt hatte und es war noch viel gigantischer, als es auf Fotos immer wirkte. Nach ein paar Runden sattsehen und dutzenden Fotos, tankten wir dort oben ein wenig Zucker und beobachteten das rege Treiben. Uns fiel auf, dass doch wesentlich mehr Touristen dort oben waren als am Fitz Roy. Auch die Anzahl der wuseligen Asiaten erstaunte uns, woraus sich dann eigentlich schließen lässt, dass der Trek entweder zu einfach war oder mit Flip-Flops erklommen werden konnte. Vielleicht gibt es dort oben aber auch eine geheime Bushaltestelle, wir wissen es nicht. 

Persönlich fand ich den Trek zum Fitz Roy härter, was an der in Summe der zurückgelegten Kilometer liegen könnte. Vanessa empfand den „Torres“ Trek als schwieriger. 

Wie auch immer - es hat sich gelohnt! Der Abstieg stand bevor, den wir ziemlich schnell hinter uns brachten, da dort oben ein Gewitter aufzog. Um 17.45 Uhr waren wir wieder unten und um 21.45 Uhr standen wir im Hostel unter der Dusche. Der wundervolle, lange Tag endete bei Pizza und Bier in einer Pizzeria. 

Am zweiten Tag im Park hatten wir die Wahl zwischen Foto-Bustour oder der selbigen Tour mit einem Mietwagen. Da uns der Hostelbesitzer einen günstigen Mietwagen besorgen konnte, entschieden wir uns natürlich für diesen. Die Karre kostete uns für den ganzen Tag umgerechnet nur 50€. Das einzig gute an dem Schrotthaufen war, er fuhr. Mehr wollten wir ja auch garnicht. Tankanzeige schrott, Klimanlage defekt, Radio sprang nicht an, Lenkung war völlig verstellt. Als das Auto zum Hostel gebracht wurde, gingen wir noch die Lackschäden durch, im Nachhinein wäre es einfacher gewesen, die noch nicht beschädigten Stellen festzuhalten. Wir mussten auch nichts unterschreiben zwecks Versicherung etc., keinen Führerschein vorlegen und eine Rechnung gab es erst recht nicht, das lief alles ganz unkompliziert ab. Nach 300 Kilometern quer durch den Nationalpark, war uns auch klar, warum der Chervolet so aussah wie er aussah. Die Straßen bestehen nur aus Schotter und waren perfekte Teststrecken für einen SUV, Geländewagen, Panzer o.ä. 

Der Park ist ein echter Hingucker und kann nicht nur mit seinen drei „Torres“ prahlen, sondern besticht er genauso durch seine endlose türkise Seenlandschaft, spitzen Felsformationen oder Guanako Herden. Guanakos sind dem Lama sehr ähnlich, wirken auf mich aber ein wenig zierlicher. 

Um das ganze besser zu verstehen oder anschaulicher zu machen, laden wir mal wieder einen Schwung Fotos hoch - falls das Internet mitspielt. 

Mittlerweile sind wir heute, Sonntag, in Punta Arenas angekommen. Hier wollen wir uns noch ein paar Pinguine angucken, bevor wir dann wirklich schon Ushuaia ansteuern, das südlichste Ende von Südamerika, das südlichste Ende der Welt! Danach fliegen wir von Ushuaia noch für ein paar Tage wieder hoch nach Buenos Aires und schwups sind 3,5 Monate Südamerika schon rum. Wahnsinn!

 

Melden uns aus Buenos Aires, mit unserem allerletzten Blogeintrag zu diesem Kontinent. 

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