Fitz Roy und seine Kumpels

Moinsen, 

wir sitzen mal wieder im Bus und ich gehe meiner Lieblingsbeschäftigung nach. Wir waren drei Nächte ins Esquel, das war ein völliger Reinfall. Wir haben dort nichts unternommen, weil die angepriesene Zugfahrt mit der Dampflok La Trochita durch die Berge viel zu teuer war. So sind wir dann letzten Mittwoch mit dem Bus von Esquel nach El Chalten gefahren - 20 Stunden Busfahrt. Auf der Fahrt hierher haben wir uns auf den teilweise unbefestigten Straßen auch festgefahren. Der Busfahrer hat sein Ungetüm so tief in den matschigen Schotterweg gewühlt, dass zeitweise gar nichts mehr ging. Er ließ den Bus dann wieder rückwärts den Berg runterrollen und nahm die Strecke nochmal mit ordentlich Anlauf und doppelter Geschwindigkeit. Als es schien, dass Mensch und Maschine am Ende waren, grub sich der vollbesetzte Bus letztendlich doch zum Scheitelpunkt des Passes hoch - geschafft! 

Nach 45 Minuten Anspannung, dutzenden Fahrtips ehemaliger Möchtegernbusfahrer, Rallyepiloten, sowie Allwissenden und ca. 60 Fettnasen-Abdrücken an den Fenstern, ging ein erleichterndes Raunen durch den miefenden Bus. Wir kamen sicher in El Chalten an.

El Chalten ist das Wander-Mekka im argentinischen Teil von Patagonien. Der Ort ist mehr ein Dorf, in dem jeder Haushalt versucht vom touristischen Kuchen eine Scheibe abzubekommen. Wir checkten für fünf Nächte in einem einfachen Sechsbettzimmer ein. Die erste Nacht kamen spät abends zwei Kerle mit sympathischem tiefostdeutschen Akzent von ihrer Wanderung aufs schon schlafende Zimmer, dass noch wer weiteres in dem Zimmer deutsch sprach, war den beiden bis dahin nicht bewusst. Spätestens als sie dann ihre Wanderschuhe auszogen und der ganze Raum von einem widerlichen, unglaublichen Käsemock erfüllt wurde und der eine zum anderen sagte: „Komm Freddy Bus bauen“, wurde mir bewusst wie schön doch auch unsere billigen Doppelzimmer waren. Ich fand’s ziemlich witzig.

Zurück zum Thema: Das Aushängeschild der Gegend ist der Berg Fitz Roy und der Cerro Torre. Beide Berge sind unverkennbar, liegen jenseits der 3.000 Metern und laufen ziemlich steil bzw. spitz zu. Auch wir hatten natürlich mehrere Treks geplant und rissen an den vier Wandertagen ca. 65 Km ab. Am ersten Tag starteten wir mit einer kleinen Wanderung zu einem Aussichtspunkt, wo man die ganze Schönheit der Gegend von einem Punkt überblicken konnte. Stahlblauer Himmel und im Hintergrund die imposante Kulisse des Fitz Roys und seiner Kumpels. Am zweiten Tag machten wir uns auf die 23 Km Wanderung zur „Laguna Torre“. Eine Lagune mitten in den Bergen, mit Gletscherblick und kleinen Eisbergen im Wasser. Umrundet natürlich von riesigen Bergen wie z.B. dem Cerro Solo. Die Wanderung war mit der zweit schwersten Kategorie „Muy Alto“ beschrieben. Warum das so war, wissen wir nicht genau. Die Wanderung war wirklich sehr einfach, es ging ein bisschen auf und ab aber keinerlei anstrengende, steile Passagen. Der Trek war schön, hat uns aber auch nicht völlig aus den Socken gehauen; der Himmel war den Tag auch leicht wolkenverhangen, so dass der Blick von der Lagune auf die Nachbarberge nicht ganz ersichtlich war. Am nächsten Tag, Freitag, war es dann soweit: die Sonne schien, Wetter top, die Sicht klar! Alles bereit für den Königs-Trek zur „Laguna de los Tres“ zum Fuße des Fitz Roy. Auch der Trek war wieder mit „Muy Alto“ beschrieben, dieses mal war der Trek auch wirklich „sehr schwer“. 26 Km mehr auf als ab und zum Schluss der Anstieg zur Lagune; 400 Höhenmeter auf einem Kilometer Strecke. Zum Glück kann uns seit der „Wanderung“ auf die Zugspitze nichts mehr schocken, daher nahmen wir es wie es kam und kamen sicher aber auch erschöpft oben an. Der Blick dort oben auf die türkisfarbene Lagune und die dort hinter majestätisch thronenden Fitz Roy und Cerro Torre mit seinen drei empor ragenden Spitzen war atemberaubend. Ich male es jetzt nicht weiter aus, Fotos sagen mehr als tausend Worte. Wir konnten uns dort oben leider nicht ewig aufhalten, da der Wind eiskalt war und so stark, dass Vanessa „leichte“ Standprobleme hatte. Bevor Vanessa also vom Gipfel gepustet wurde, machten wir uns wieder an den Abstieg. Nach 9 Stunden kamen wir wieder sicher in El Chalten an. Wir waren total begeistert von dem Trek, das war Patagonien wie wir es uns vorgestellt haben! Es bleibt dabei, meistens sind die Treks, die ein gewisses Maß an Grundkondition erfordern, auch einfach die Besten. 

Am dritten Tag hatten wir keinen Wandertag, wir schonten unsere Füße nach fast 50 Km in zwei Tagen in einer Hausbrauerei bzw. in einer Happy-Hour Bar. In der Hausbrauerei gab es sogar Hefeweizen. In beiden Läden sind wir irgendwie spontan gelandet, da wir eigentlich nur in den Ort wollten um ein bisschen Gemüse einzukaufen. Wie es der Zufall dann wollte, mundete uns der argentinische Rotwein doch sehr und ließ uns total versacken. Die Preise waren auch unschlagbar in der Happy-Hour, so konnten wir garnicht anders. Toller Tag!

Am Sonntag wanderten wir noch zu einem Wasserfall, der war aber so von Touristenbussen überlaufen, dass wir uns dort schnell wieder vom Acker machten. Man konnte auch mit ein bisschen Klettern hinter den Wasserfall gelangen; dort war fast kein Mensch, es war ruhig und wir badeten unsere geschundenen Füße im eiskalten Wasser. 

El Chalten, dieser Ort hier mit seinen ganzen kleinen Bars, Restaurants und den umliegenden Bergen wird uns immer in Erinnerung bleiben, die Bilder die wir auf den Treks gesehen haben, sowieso! 

Ich erwähnte anfangs, das wir im Bus sitzen. Wir fahren gerade, Montag, nach El Calafate. Dort wartet schon das nächste patagonische Highlight auf uns. Übermorgen wollen wir uns den Perito Moreno Gletscher anschauen, ein riesiger Gletscher mit frontaler Draufsicht, welcher sogar als einer der wenigen weltweit noch wächst. Nach drei Tagen fahren wir wieder rüber nach Chile in den Torres del Paine Nationalpark im chilenischen Patagonien. Dort gehen wir wieder wandern und gucken uns den berühmten Torres del Paine „Dreizack-Berg“ an. Patagonien hat uns gerade ziemlich gefesselt, wir sind gespannt auf weitere Eindrücke!

Jetzt zu uns: wir sind jetzt auf den Tag genau drei Monate unterwegs, d.h. wir haben ein Viertel unserer Reise schon hinter uns - Wahnsinn wie die Zeit vergeht. 

Unser Vorgehen und unsere täglichen Abläufe haben sich mittlerweile komplett eingespielt; ob nun unser Packsystem in unseren Rucksäcken oder der immer wiederkehrende Planungsaufwand von wie kommen wir von A nach B, wann fahren die Busse, fahren überhaupt Busse!? Was kostet der Bums? Oh, wieder eine Nachtfahrt! Ist es ein Schlafbus? Kann man den Online buchen? Wir brauchen eine Unterkunft! Wieso ist das in Patagonien so teuer? Hostel mit Doppelzimmer oder wieder billiger Schnarchsaal? Hat die Unterkunft eine Küche zum Kochen? Gibt es einen Supermarkt in dem Ort? Wie kommen wir vom Busbahnhof zum Hostel? Funktioniert dort UBER? Wir brauchen dort erstmal einen Geldautomaten! Ich will eine Cola, ich will ein Bier, ich hab Hunger, ich muss mal Pippi…. usw. Hat die Unterkunft überhaupt Internet, um all diese Fragen zu beantworten? So ungefähr erging es uns bis Silvester alle 3-4 Tage. Silvester haben wir uns dann dazu entschieden unsere Patagonien-Tour über Ushuaia bis Buenos Aires durchzuplanen. 1. um diesen ganzen Fragen aus dem Weg zu gehen und uns voll auf die Aktivitäten zu konzentrieren, welche ja auch im voraus geplant werden müssen. 2. sind Unterkünfte in den ganzen Orten in Patagonien zur Hauptreisezeit etwas rar. 3. ist die Internetanbindung in Patagonien auch nicht überall die schnellste bzw. stabilste. So haben wir jetzt halt schon einen festen Reiseplan, bis wir am 1. Februar nach Neuseeland fliegen.  

Wir melden uns aus Puerto Natales, bis bald!

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