Ab nach Patagonien!

Moin,

Frohes neues Jahr! Wir sinds, die beiden aus dem nirgendwo. Hattet ihr auch so „heiße“ Weihnachten und ein romantisches Silvester an einer Tankstelle mitten im Nirvana?

In Santiago war es einfach viel zu heiß, als das irgendwie Weihnachtsstimmung aufkommen wollte. Selbst die Dauerschleife an Weihnachtsliedern oder das typische Weihnachtsessen, ließen den Weihnachtsmann nicht durch den Schornstein fallen. Apropos Weihnachtsessen, das gelang uns außerordentlich gut! Der Rinderbraten war auf den Punkt Medium, der Rotkohl von Kühne kam souverän aus dem Glas und die selbstgemachten Kartoffelklöße und die dazugehörige Bratensoße der begnadeten Köchin Vanessa waren schlicht unglaublich. Dafür das Vanessa zum ersten mal in ihrem Leben selbst Klöße gemacht hat, mit handgemachtem Kartoffelteig, Mehl, Eigelb etc., hätten sie nicht besser schmecken können - Chapeau!  

Am ersten Weihnachtstag wollten wir eigentlich mal richtig schön ein aus dem Glas gucken (ich schreibe jetzt einfach mal im Plural), da man das ja am ersten Weihnachtstag immer so macht. Leider hatte in Santiago einfach kein passendes Etablissement auf, was insbesondere mich sehr traurig stimmte. Die Straßen waren wie leer gefegt, sodass wir erst am späten Abend ein Irish Pub in einem anderen Stadtteil fanden, wo wir dann ein paar Drinks nehmen konnten. Santiago wird sicherlich keine meiner Lieblingsstädte, hat mich im Gegensatz zu Vanessa überhaupt nicht überzeugt. 

Am dritten Weihnachtstag reisten wir weiter nach Valparaiso, eine bunte Hafenstadt am Pazifik. Valparaiso gilt als die farbenfrohste Stadt der Welt, was nicht zuletzt an den unzähligen Graffitis an fast jeder Hauswand liegt. Beim Einzug in unser Zimmer gab es ein „kleines“ Termitenproblem; als ich das Rollo runterkurbelte fielen dutzenden Termiten aus dem Stoff. Die Dinger sind quasi fliegende Ameisen. Innerhalb kürzester Zeit war unser Zimmer und Bett voll von den Viechern - was uns logischerweise nicht erfreute und die Nacht in dem Zimmer unmöglich machte. Auch nachdem wir ca. 300 Termiten mehr oder weniger freundlich zum Fenster begleiteten, sammelten sich immer weitere im Lampenschirm an. Glücklicherweise kam der Hostelbesitzer von alleine auf die Idee und quartierte uns kurzerhand in ein anderes Zimmer um. Am 28.12. erkundeten wir die wundervolle Stadt und holten unseren Plan mit den Getränken vom ersten Weihnachtstag in einem Valparaisoanischen Restaurant nach - dort war rein zufällig Happy Hour! Wir aßen in dem Laden auch zum ersten mal Ceviche als Vorspeise. Ceviche ist ein Mix aus rohem Fisch mit Zwiebeln, Chili und Koriander. Das ganze wird in Limettensaft „gegart“. Wir empfanden es beide als sehr interessante Geschmackserfahrung. Am darauffolgenden Tag erblickten wir den Hafen vom Wasser aus; eine geführte Hafenrundfahrt auf einem alten Holzkutter. Leider mussten wir Valparaiso vor Silvester verlassen, weil einfach keine bezahlbaren Betten mehr frei waren. Das war sehr ärgerlich, zumal wir das Ausmaß des Feuerwerks, welches im Hafen und auf dem Wasser aufgebaut war, schon im ungezündeten Zustand erkennen konnten. Valparaiso ist auf jeden Fall eine Reise wert! 

Im Nachhinein haben wir uns in den Arsch gebissen. Osorno, die Stadt, welche wir nach 12 Stunden Busfahrt erreichten, war vermutlich die hässlichste Stadt mit Uyuni auf unserer Reise. Osorno, eine Mischung aus Borsigstraße und Westhagen, war nur ein Zwischenstopp auf dem Weg nach Bariloche, Argentinien. In Osorno hatten wir zum Glück ein Apartment mit Küche und konnten so am Silvesterabend schön kochen. Glücklicherweise - ein geöffnetes Restaurant wäre schwierig geworden zu finden. Gut, dass Osorno zwei riesige Supermärkte hat, wo wir den ganzen Bums für unser Silvestermenü einkaufen konnten. Wir einigten uns auf Buletten mit Ofengemüse. Ja, einkaufen am Silvesternachmittag mitten in Südamerika - wir waren nicht die Einzigen! Der Laden war so brechend voll, dass es so gut wie kein vor und zurück gab. Der Einkaufswagenverkehrsinfarkt war vorprogrammiert! Dazu kommt, dass die Einkaufswagen nur über die Vorderachse lenkbar sind, was die Manövrierfähigkeit für einen Mitteleuropäer, welcher die Doppelachs-Lenkung am Einkaufswagen gewohnt ist, erheblich einschränkt. Auch ist den Chilenen das 1x1 der Supermarkverkehrsführung, speziell an Feiertagen, gänzlich unbekannt. So führte die Missachtung einfachster Verkehrsregeln wie rechts vor links oder Schulterblick beim Abbiegen vom Würstchenregal in die Bierabteilung zu zahlreichen Auffahrunfällen und Kollisionen mit Wadenbeinen, Kniegelenken etc. Nach einem chaotischen, nervenaufreibenden, einstündigen Stock-Car Einkauf hatten wir alle Sachen zusammen. Ich schätzte die Menge an Rinderhack ein wenig falsch ein, 1,5 Kilo sind vielleicht doch ein wenig viel für zwei Personen. Letztendlich hatten wir ca. 25 Buletten. Um 23.50 Uhr bewegten wir uns vor die Tür, um festzustellen, dass hier kein Mensch Silvester feiert. Die Straßen waren menschenleer! Um 0 Uhr dann aber ein Feuerwerk, welches alle Hunde in der Stadt förmlich durchdrehen ließ. Das Feuerwerk muss irgendwo vor der Stadt gewesen sein, wir konnten es zumindest von einer Tankstelle beobachten. Mit dabei der Tankwart und ein schwarzer Hund, dem die Knallerei garnicht gefiel. All das bestätigte nur wieder meine Gefühlslage: kein Mensch braucht Silvester!  

So, die Feiertage sind jetzt vorbei. Am 2. Januar beendete ich noch mein 23. Lebensjahr und feierte dies erstmal auf einer sechsstündigen Busfahrt nach Bariloche, Argentinien. Ratet mal wer am Grenzübergang wieder gefilzt wurde und sogar seine Gewürzdosen zum „Kontrollriechen“ öffnen musste!? Ja, wieder Vanessa. Langsam glaube ich auch, dass Sie irgendwas durch Südamerika schmuggelt. Da wir jetzt bis Ende Januar immer mal wieder zwischen Chile und Argentinien durch Patagonien pendeln, werde ich das mal genauer unter die Lupe nehmen. 

Bariloche überraschte uns völlig! Im Winter Skiparadies, im Sommer Wanderparadies. Zahllose Restaurants und halt ENDLICH Argentinische „Parillas“ (Steakhäuser). Das war dann auch mein Geburtstagsessen: 500 Gram Rip Eye, Medium Rare mit Kartoffelpüree + 1 Liter Quilmes = Traumhaft! Auch Traumhaft günstig, wir zahlten umgerechnet jeder 11€ pro Steak. Gestern in der Bier Happy Hour im Bachmann Pub, kosteten alle Biere 0,5 Liter nur 1,40€ - Argentinien hat mich jetzt schon! Auch die Berge, Seen oder die ersten Vorboten auf Patagonien rund um Bariloche überzeugten uns bei unserer ersten Wanderung vor Ort. Zwei Stunden hoch auf den Cerro Otto. Kurz vor dem Gipfel sollten wir 10€ Eintritt pro Nase zahlen, das selbe kostet die Seilbahn von unten auf den Gipfel - Eintritt mit inbegriffen. Kein Wunder, dass kein Mensch sonst auf dem Wanderweg war - völlige Abzocke! Wir schlichen uns an dem Kassierer vorbei und nahmen den Promilleweg nach oben, schauten uns die Aussicht an und nahmen auch einen inoffiziellen, viel zu steilen Wanderweg nach unten; so mussten wir nicht ein zweites Mal an dem Kassierer vorbei. Dummerweise bestand der sausteile Weg nur aus losem Geröll und Sand, was Vanessa einige Male auf den Hintern landen ließ. Da mein Körper zum Glück die Form einer Hochseeboje aufweist, konnte ich den Weg ein wenig besser meistern. 

So, warten wir es mal ab, was wir in den nächsten drei Wochen in Patagonien erleben - wir sind gespannt! 

Jetzt gerade, 5. Januar, 16.30 Uhr Ortszeit sitzen wir im Bus nach Esquel, In Volkmarsdorf ist Königsbier und die Holzmafia sitzt ohne „Die Axt“ bei Grünkohl angeheitert im Partyraum. 

Prost!

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