Frohe Weihnachten

Frohe Weihnachten, Feliz Navidad,

es ist Heilig Abend, auch bei uns in Santiago de Chile! Das erste Weihnachten seit 30 Jahren an dem ich nicht unterm heimischen Weihnachtsbaum Präsente auspacke bzw. zu gediegnerem Alter Weinflaschen öffne oder am „Familienwettfressen“ um Omas heißgeliebten Ragout fin Topf (Rinderzunge) teilnehme.

Als wir vor zwei Tagen in einer Mall in La Serena in kurzer Hose und T-Shirt saßen, draußen 25°C und auf den riesigen Weihnachtsbaum starrten, war das schon ein komisches Gefühl. Just in dem Moment lief auch noch das beste Weihnachtslied ever: Driving Home for Christmas - Chris Rea. Aber gut, wir sind nicht traurig - im Gegenteil, es ist mal was ganz anderes fernab des gewohnten Umfelds Weihnachten zu feiern - können aber auch nicht abstreiten, dass wir zur Weihnachtszeit bestimmt gern ein paar Stunden zu Hause verbracht hätten und der vorweihnachtliche Weihnachtsmarkt doch arg gefehlt hat.  

Heilig Abend hat doch jedes Jahr einen festen Ablauf: Nachdem man sich morgens vom vorabendlichen Baumschmücken und drölf Litern Glühwein aus dem Bett gequält hat, bekommt man, seit dem ich drei Wörter gedanklich aneinander reihen kann, zu hören:“ Das Ragout fin schmeckt dieses Jahr irgendwie anders!“ Mittlerweile verstehe ich es schon als Omas weihnachtlichen Running-Gag aber ich glaube sie meint es jedes Jahr ernst. Schmeckt aber jedes Jahr gleich sensationell; außerdem frage ich mich wie man sich den Geschmack des vergangenen Ragouts über ein Jahr einprägen kann, da es die leckere Zunge ja nur einmal im Jahr gibt. 

Vanessa und ich werden heute einen Rinderbraten mit selbstgemachten Kartoffelklößen und original Kühne Rotkohl zaubern, dazu gibt es einen zusammengeschusterten Bratensut,  chilenischen Rose’ Wein und ein eiskaltes original Wernesgrüner Dosenbier. Als Nachtisch ein Kit-Kat. Den ganzen deutschen Bums haben wir hier in einem riesigen Supermarkt gefunden; eine neue Flasche Maggi gab es leider nicht, dafür aber Halberstätter Bockwurst und Löwensenf, das tut jetzt aber hier nicht zur Sache. 

Bevor es jedoch bei Oma Essen gibt, treffen wir Jungs uns in Volkmarsdorf nun schon seit einigen Jahren zum vorkirchlichen Schrottwichteln. Der Leidtragende ist meistens der, der die feucht- fröhliche Sause ausrichtet, da der Schrott, der gewichtelt wird, meist so dermaßen Schrott ist, dass er direkt an Ort und stelle liegenbleibt. Prinzipiell dient die illustre Runde auch nur dazu, seine Stimme für den anschließenden Gottesdienst zu ölen. Nach diversen weihnachtlichen Getränken findet sich dann die gewohnte Gang, meist bestehend aus Nikka, Sause, Tim, Markus und mir, in der Kirche ein. Dort hat sich nach 30 Jahren Erfahrung schon eine gewisse Routine eingestellt. Erst werden zwei Lieder geträllert, dann startet das Krippenspiel, welches man als Kind schon nicht erkennen konnte, da man körperlich zu klein war. Heute ist es nicht anders, man ist zwar jetzt körperlich in der Lage über andere Köpfe hinweg zu schauen, sind aber jetzt die Darsteller zu klein und man muss sich aufgrund der ganzen weihnachtlichen Getränken häufig ein Auge zu halten. Prinzipiell habe ich das Krippenspiel seit 30 Jahren nur gehört. Wenn dann zum Schluss das Licht in der Kirche ausgeht und der Pfarrer mit seiner unnachahmlichen, Kirchturmverbiegenden Betonung „Stille Nacht-Heilige Nacht“ bellt und wir aus voller Brust mit bellen, weiß ich, jetzt ist endlich Weihnachten!

Auch wir wollen heute Abend einen deutschen Gottesdienst besuchen und anschließend einen Drink nehmen - ihr seht, der Mensch ist ein Gewohnheitstier. 

Nach der Kirche war man als Kind aufgrund der bevorstehenden Bescherung immer ganz aufgeregt, das hat sich nicht geändert, jedoch erregt der Gedanke an den leckeren „Weihnachts-Wein“ mittlerweile mehr, als der ganze andere Klim-Bim. Nach der Bescherung und der kollektiven familiären Fressorgie, knobeln Nikka und ich noch den Fahrer aus, der zur zweiten Party das Auto nach Sisbeck lenkt - dort die selbe Prozedur mit Rotwein aber ohne Essen. Meist weit nach Mitternacht endet der Tag, mal schauen ob Vanessa und ich hier in Santiago auch so einen ähnlichen Ablauf gestalten können - die Voraussetzungen sollten in einer 5 Mio. Stadt gegeben sein. 

Der 1. und 2. Weihnachtstag steht ganz im Zeichen des Essens und Trinkens, wie vermutlich bei fast allen Weihnachts-Fans. Wie wir die Tage hier gestalten, wissen wir noch nicht so genau. Was wir wissen ist, dass wir Blechpizza anstatt Gans zubereiten werden, da wir in unserem AirBnB einen Ofen haben. Typisches Weihnachtsessen! :-)

Jetzt aber erstmal frohe Festtage und einen guten Rutsch ins neue Jahr an alle Familien und Freunde zu Hause! 

Wir freuen uns schon riesig auf Weihnachten 2019!

Grüße ins Holzland und viel Spaß am 3. Weihnachtstag, nach Bokeloh, Volkmarsdorf und Klein Sisbeck!

Melden uns im Januar aus Patagonien!

Frohe Weihachten

V&M

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