Salar de Uyuni

Moin,

kurz vor Weihnachten, Schietwetter draußen und voraussichtlich keine „Weiße-Weihnacht“ zu Hause? Bei einer Voraussage von 33*C für Heiligabend für Santiago de Chile, können wir wohl auch stark davon ausgehen, dass bei uns kein Schnee fällt. Heiligabend in kurzer Jeans und T-Shirt - wir sind gespannt!

Wir waren auf Safari! Nachdem wir uns in Sucre ein wenig erholt haben, sind wir von dort mit dem Bus nach Uyuni gefahren, um eine Jeep-Tour durch die größte Salzwüste der Welt zu Unternehmen. Laut Internet, sollte uns die Tour für 2,5 Tage 250€ p.P. kosten, wir entschieden uns jedoch das Risiko einzugehen, um evtl. die Tour direkt vor Ort zu buchen, da es dann billiger werden könnte aber halt auch ausgebucht sein könnte. Wir kamen Dienstag vor einer Woche abends mit dem Bus in Uyuni an, der Ort ist sowas von pottenhässlich und dient für die meisten nur als Startpunkt für die Salar de Uyuni. Außer dutzenden freundlichen, freilaufenden Hunden, 48 schlechten Restaurants und unbefestigten Straßen hat der Ort rein gar nichts reizvolles. Aber: das Büro, welches wir im Vorfeld auserkoren hatten, um durch die Wüste zu brettern und am Ende in Chile rauszukommen, hatte noch genau zwei Plätze für die am Mittwochmorgen startende Tour frei; wir bezahlten auch nur 150€ anstatt 250€ - unser Plan ging also glücklicherweise auf. 

Mittwoch um 10.00 Uhr ging es los! Unsere Jeepbesetzung bestand aus einer Frankfurterin, einem Französischem Ehepaar auf romantischer Hochzeitsreise, unserem weiblichen Guide Elli und dem Fahrer Dodo. Reisesprache im Auto war Englisch, das kann man sich zum Glück aussuchen auf solchen Touren. 

Als erstes ging es romantisch auf einen Eisenbahnfriedhof an den Rand der Stadt, danach wurde uns die Salzproduktion in Bolivien in einer kleinen Salzfabrik erklärt. Natürlich nicht ohne Hintergedanken an den dazugehörigen Souvenirshop, wo man z.B. Knoblauchsalz, Chillisalz etc. erwerben konnte - auch wir ließen uns zu den günstigen Konditionen nicht zweimal bitten. 

Die größte „Salzpfanne“ und zeitgleich das Highlight des Tages besuchten wir nach dem Mittag. Die Wüste hat eine Fläche von 10.000 Quadratkilometern, ist flach wie ein Brett und hat einfach keinen Horizont. Außerdem ist es still, man könnte eine Stecknadel fallen lassen; jetzt vielleicht nicht auf den feuchten Salzboden aber angenommen dort hätte einer Parkett verlegt. Die Sonneneinstrahlung ist durch das reflektierende Salz viel stärker! Ratet mal wer keine Sonnencreme dabei hatte und sich Waden, Nacken und Gesicht während des 1,5 Stunden Fotoshootings mitten in der Pfanne verbrannt hat… Vanessa konnte die Woche rund um meinen Hals kreisförmig die Haut abziehen - sah schick aus! Immerhin hatte ich an meine Sonnenbrille gedacht, ohne die ist man da quasi blind. Mitten in der Wüste dann „Kaktus-Island“. Eine Insel wo hunderte von Kakteen auf einem kleinen Berg wachsen. So ein kleiner grüner Kaktus wächst einen Zentimeter im Jahr, viele der Exemplare waren 4 Meter oder höher!

Am Donnerstag fuhren wir ins bolivianische Hochland und schauten uns unglaubliche Landschaften, diverse Vulkane und den „Reserva Nacional de Fauna Andina Eduado Avaroa“ Nationalpark an. Eine ausgestorbene Welt, endlose rote Wüsten soweit das Auge reicht, ca. alle 100 Meter bizarre vom sandigen Wind geformte Statuen aus Lavastein, riesig! Über all dem spannt sich ein stahlblauer Himmel! Wir haben so eine unwirkliche Gegend noch nie gesehen und können uns schwer satt sehen. Genauso stelle ich mir die Umgebung vor, wenn ich rein zufällig mal auf dem Mars landen sollte. Auch die farbenfrohe „Laguna Colorada“ war nicht weniger beeindruckend: eine rot-blaue Lagune, welche einmalig auf der Welt ist. Am Ufer staksen unzählige pinke Flamingos durchs seichte Wasser und angeln mit ihren langen Hälsen Planton aus dem Wasser. Experten rechnen damit, das es diese Lagunen leider nur noch 15 Jahre geben wird, danach werden sie dem Klimawandel zum Opfer fallen. 

Am frühen Abend erreichen wir auf 5.000 Metern das höchste Geysirfeld der Welt; die Erde blubbert in den unzähligen Erdlöchern, kochendes Wasser schießt aus den Schlunden und erzeugt einen penetrant nach Schwefel riechenden Dampf. Der Tag endet wie auch schon die erste Nacht in einem einfachen Hostel, nach Wein und Pasta falle ich K.O. ins Bett. Vanessa war noch in einer heißen Quelle Baden unterm Sternenhimmel baden. Am letzten Tag fahren wir zur „Laguna Verde“ wo im Hintergrund der 5.920 Meter hohe Licancabur Vulkan thront. Der Vulkan wurde 2002 von der NASA genutzt, um Gerätschaften für die Oberfläche des Mars zu testen.

Nach 2,5 Tagen unzähliger Eindrücke, machten wir uns auf zum Grenzübergang Richtung Chile.

Erstmal mussten wir auf bolivianischer Seite in einer Bretterbude „auschecken“. Dazu legt man 15 Boliviano in seinen Pass und bekommt einen Stempel. Wozu die 15 Boliviano aller ausreisewilligen sind, wurde uns nicht gesagt. Wir tippen auf eine „freiwillige“ Spende für den Grenzposten - seine Bude könnte auch mal wieder einen frischen Anstrich gebrauchen. Danach wurden wir mit einem Bus ein paar Kilometer durchs Niemandsland zum chilenischen Grenzübergang gebracht; top modernes Gebäude, Straßenschilder und Begrenzungspfähle - eine ganz andere Welt! Vorher wurde uns unmissverständlich klargemacht, dass wir keinerlei Nahrungsmittel einführen dürfen und mussten dies auch auf einem Bogen schriftlich bestätigen. Vanessa hatte aber noch eine Tüte mit scharfen Chillis in ihrem Rucksack. So, wir stiegen also alle aus um uns in die Reihe zur Einreise anzustellen, das klappte auch alles problemlos. Danach war unser Gepäck an der Reihe, Vanessa packte also die Chillis aus, um sie noch vor der Kontrolle zu entsorgen. Plötzlich ein lautes „Stop“! Vanessa wurde samt Chillis abgeführt! Na toll dachte ich, Weihnachten hinter schwedischen Gardinen und keiner macht einen Weihnachtsbraten. Ich „checkte“ derweil ohne Probleme in Chile ein, machte mir insgeheim aber auch keine großartigen Sorgen und vertraute voll uns ganz auf Nessis unglaubliches Verhandlungsgeschick. So sollte es dann auch sein, sie machte der Grenzbraut klar, dass sie die Chillis vor der Kontrolle noch entsorgen wollte, diese ihr aber während des „Wegwerfvorgangs“ aus der Hand gerissen worden sind. Nach Rücksprache der Grenzbraut mit dem Zollsiggi, bestätigte der Zoll die Geschichte und wir konnten mit 30 Minuten Verspätung einreisen. Ein Tscheche vor uns hatte nicht so ein Glück; beim Versuch 4 ein halb Limetten in Chile „einzuschmuggeln“ wurde er mit einer Geldstrafe belegt und muss sich innerhalb von 24 Stunden bei der nächsten Behörde melden. 

So waren wir also in Chile, genauer in San Pedro de Atacama. Dort schauten wir uns einen Tag die Atacama Wüste und das „Valle de Luna“ an, testeten ausgiebig den Pisco Sour (ein hochprozentiges Getränk mit Pisco, Limette und Eiklar was ich nächstes Jahr zu Hause garantiert auch mal zusammen mixen werde) und machten uns letzten Montag auf den Weg nach La Serena. Hier sind wir jetzt nach Wochen zwischen 2.500-5.000 Metern wieder auf Sealevel und direkt am Meer!

Bolivien hat uns nicht zuletzt wegen der unglaublich günstigen Kosten und noch lange nicht so tourimäßigen Städten, Läden, Restaurants bisher am besten gefallen. Im Gegensatz zu dem derzeitigen Peru-Hype, scheint Bolivien eher noch ein Geheimtip. Auch hier haben wir uns sehr wohl und sicher gefühlt! Die ersten Tage in Chile sind gerade etwas das Gegenteil! Wesentlich teurer und es erinnert mehr an die USA als an Südamerika. Aber: es gibt Nutella und Wiener Würstchen!

Frohe Weihnachten!

Wir melden uns Heiligabend nochmal mit einem „Weihnachtspezial-Blog“

Bis dahin, Prost auf dem Weihnachtsmarkt!

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