Machu Picchu

Hola Machu Picchu,

da bist du ja endlich! Dutzende Male im Fernsehen gesehen, dutzende Artikel gelesen aber irgendwie keine richtige Vorstellung, wie du da oben wirklich aussiehst. Bist du wirklich so atemberaubend wie alle sagen? Bist du wirklich so gut erhalten wie man überall lesen kann?

Ich muss ja ehrlich zugeben, dass ich vor ein paar Jahren auch noch nie was von der Inka-Stadt, die auf 2.430 Metern auf einen Berg gezimmert wurde, gehört hatte und nur mal durch Zufall in einer Dokumentation auf N24 hängegeblieben bin. Machu Picchu „Matschu Picktschu“ ausgesprochen, ist eine im 15. Jahrhundert erbaute Inka-Stadt, mitten in den peruanischen Anden, etwa 80 km von Cusco entfernt. Die Stadt diente damals als Wohnort für privilegierte Inkas aus Cusco, vergleichbar mit der Klein-Sisbecker-Straße in Volkmarsdorf. Der Original Name der Stadt ist nicht überliefert und wurde nach der Wiederentdeckung im Jahr 1911 nach den umliegenden Berggipfeln benannt: Machu Picchu = Alter Gipfel. Natürlich, wie sollte es auch anders sein, ist die Stadt touristisch voll erschlossen und DER Touristenmagnet in Peru und in Südamerika. Es gibt diverse Möglichkeiten das Weltwunder zu entdecken - je nachdem wieviel Komfort man haben will, wie fit man ist oder wieviel Kohle man im Portemonnaie hat. Wir waren auf die möglichst günstigste oder abenteuerlichste Variante aus und diese Variante erzähle ich euch jetzt!

Die eigentlich coolste Variante ist, wenn man den Original Inka-Trail von Cusco fünf Tage zu Fuß durch die Anden zum Weltwunder wandert. Die Option kam für uns von vornherein aber nicht in Frage, da man diese Tour locker ein halbes Jahr im voraus buchen muss, wir aber noch garnicht wussten, wann wir in Cusco sein werden und diese außerdem ca. 700 € kostet. Alternativ kann man ganz bequem in Cusco in den Zug steigen und bis Aguas Calientes, der Ort wo der Aufstieg zum Machu Picchu startet, durchfahren. Kosten p.P. für Hin- und Rücktour: 180 €! Dazu würde noch den Eintritt von ca. 25 € kommen und schlafen müssen wir auch noch irgendwo - keine Option für uns. Wir entschieden uns für folgendes Paket von der im letzen Bericht erwähnten empfohlenen Bude „Marcelo“:  Kleinbus morgens um 7 Uhr von Cusco zum Bahnhof Hidroelektrika, quer durch die Anden mit dazugehöriger nicht vorhandener Beinfreiheit für Menschen ab 1.70 m. Ankunft ca. um 14.30 Uhr. Von Hidroelekrika folgt man dann ca. 11 Km zu Fuß den Bahngleisen nach Aguas Calientes. Die Strecke dorthin ist wunderschön am Fluss entlang gelegen, zwischendurch kann man oben in den Bergen schon ein Blick auf Machu Picchu erhaschen. In Aguas Calientes kamen wir dann so um 17.00 Uhr „leicht“ Mückenstich lädiert und durchgeschwitzt an. Wir bezogen unser im Paket enthaltenes Zimmer im Hostel, aßen noch eine Kleinigkeit und gingen um 22 Uhr schlafen. 

Donnerstag, 22.11.18, 3.45 Uhr - der Wecker klingelt! Es geht los, der Aufstieg zum Machu Picchu startet um 4.30 Uhr. Die erste Welle Besucher wird um 6.30 Uhr oben am Eingang eingelassen, die Zweite um 11.30 Uhr. Die Besucherzahl ist pro Tag auf 2.500 begrenzt, um der „Abnutzung“ der Anlage entgegenzuwirken. Wir hatten logischerweise Tickets für die erste Welle, aufgrund Frühnebel über den Ruinen und das es in der Regenzeit meistens ab Mittag dort regnet, noch so ein Reinfall wie auf dem Rainbow Mountain wollten wir uns ersparen. Wir hatten die Wahl, entweder wir fahren für 10 € p.P. via Bus auf den Berg oder wir sind so dämlich und nehmen morgens um 4.45 Uhr die 400 Höhenmeter bzw. 1.900 Treppenstufen zu Fuß zum Machu Picchu. Natürlich waren wir so dämlich und nahmen die 1.900 Treppenstufen. Also: um 4.30 Uhr Abmarsch, runter die Straße, vorbei an den hunderten Touristen die auf den Bus warteten und kurz nach der Brücke rechts ab, die 1.900 Stufen hoch, die Schlange vor dem Eingang kurz abgewartet, hinein in die kurze Erklärung des Guides, die mir die Sicht nehmenden Touristen zur Seite geschoben, Fotoapparat raus und da war sie: die Stadt Machu Picchu! Halt, gaaaaanz so einfach war es natürlich nicht; die 1.900 Treppenstufen morgens zwischen 5 Uhr und 6 Uhr waren natürlich die beschissenste Idee überhaupt, mein T-Shirt konnte ich oben auswringen, was ich mir ja hätte denken können, wenn man sonst selbst beim Schnürsenkel zubinden schon anfängt zu transpirieren. Aber: Geld für den Bus gespart und sportlich betätigt. 

Ja, was geht einem also durch den Kopf, wenn man von einer auf die andere Sekunde genau da steht, was man sonst nur auf Fotos zu Gesicht bekommen hat; genau die Szenerie die unzählige Male abgedruckt, gefilmt oder gemalt wurde. Wir waren erstmal baff und erschlagen - ich würde es mit dem Gefühl vergleichen, als ich damals zum ersten mal den Grand Canyon betreten habe, man kann sich nicht satt sehen. Wir ließen das Schauspiel ca. 20 Minuten aus verschieden Perspektiven wirken, bevor wir von einem Guide abgeholt wurden, welcher uns eigentlich das selbe erzählte, was wir vorher schon über Machu Picchu gelesen hatten. Der Guide führte uns bei strahlendem Sonnenschein durch die Stadt und zeigte uns die einzigartige Architektur. Die Steine bzw. die riesigen Brocken sind auf den Millimeter aufeinander abgestimmt, es gab in der ganzen Stadt eine permanente Frischwasserzufuhr durch kleine in den Stein gemeisselte Gräben und an den Hängen bzw. „Balkonen“ wurde Gemüse angebaut. Das ganze Areal ist wirklich unglaublich gut erhalten, auch dank diverser Lamas, die heute die Grünflächen zwischen den einzelnen Gebäuden kurz halten und gleichzeitig düngen. Wir saugten alles auf, bis der Guide die Tour beendete. Ab dann hatte man „Freizeit“ in den Ruinen. Dann aber der Supergau: der Weg durch die Ruinen ist One-Way bis zum Ausgang d.h. man darf nicht mehr zurück gehen um vielleicht nochmal dort in Ruhe ein Foto zu schießen, wo man es während der Führung verpasst hatte oder sich an einen der unzähligen Aussichtspunkte zu setzen und einfach nochmal zu genießen. Pustekuchen, wir konnten uns jetzt nochmal auf eigene Faust den unteren Teil der Anlage angucken, wieder hoch durften wir nicht mehr, was mir der Machu Picchu Sheriff auf der Treppe auch unmissverständlich mitteilte. An alle die sich das irgendwann vielleicht auch mal angucken möchten - macht es ohne Guide! 

Nachdem wir auch die unteren Ruinen alle erkundet hatten, machten wir uns um 11 Uhr ca. wieder auf den Rückweg und stempelten den obligatorischen Machu Picchu Stempel in unseren Reisepass. Wir waren geflasht, wir waren da und haben es tatsächlich gesehen. Dieses Thema beherrschte den entspannten Rückweg. Wie soll man sowas in Worte fassen, jetzt hier in diesem Blogeintrag? Es ist schwierig, man muss es einfach gesehen haben! Wir waren uns einig, dass es das bisherige Highlight unserer Reise war, ja vermutlich sogar das beeindruckendste von Menschenhand geschaffene, was wir jemals gesehen haben. Ich könnte jetzt weiter versuchen das Ganze hier wörtlich zu beschreiben und mit Superlativen um mich schmeißen aber wir haben uns überlegt, dass wir zu diesem besonderen Blogeintrag eine kleine Fotostrecke unten anhängen, so kommt es bestimmt besser rüber. 

Als wir unten in Aguas Calientes ankamen, fing es an zu tröppeln - Glück gehabt! Wir schraubten uns auf den erfolgreichen Tag noch eine Pizza und diverse Biere bzw. Limos rein, bevor wir tatsächlich um 17.30 Uhr zu Bett gingen und bis nächsten Tag um 8.30 Uhr durchschlafen sollten. So lange habe ich das letzte mal Ostersonntag 2015 geschlafen.

Ihr fragt euch jetzt bestimmt, was wir für den ganzen Bums letztendlich bezahlt haben? In dem Paket waren der Transfer von Cusco hin und zurück, zwei Nächte in einem Hostel, einmal Lunch, einmal Abendessen, Eintritt Machu Picchu und der Guide enthalten. Für alles haben wir p.P. nur 80 € bezahlt! Es wäre noch billiger gewesen, wären wir nach dem Abstieg direkt wieder nach Hidroelektrika gewandert und nach Cusco gefahren, das war uns aber zu stressig und wir hätten uns auch Aguas Calientes nicht mehr in Ruhe angucken können, so war es wesentlich entspannter. Die billigste Alternative wäre, wenn man früh morgens von Cusco nach Hidroelektrika im Kleinbus aufbricht, die Wanderung von dort zu um 11.30 Uhr zum Machu Picchu in eins durchzieht, sich die Stadt anguckt und dann nach kurzer Zeit wieder nach Hidroelektrika zurückwandert und dann nach Cusco zurückfährt. Machu Picchu an einem Tag - da wir keinen Zeitdruck haben, wäre das für uns völliger Quatsch gewesen. Die teuerste Variante ist im übrigen, wenn man mit dem bereits erwähnten Zug von Cusco aus startet, sich in Aguas Calientes in einen 5 Sterne Puff einmietet, morgens mit dem Touribus auf den Berg fährt und direkt vor dem Eingang ausgespuckt wird. Dann gibts nur noch ein Problem: die letzten 20 Höhenmeter bzw. ca. 60 Treppenstufen zum Startpunkt des Rundkurses, welche dann von ganz alleine, durch eigene Kraftanstrengung, auf eigenen Beinen und ohne Fahrstuhl bewältigt werden müssen; aber da wird sicherlich auch schon an einer Couchpotatolösung gearbeitet. Immerhin wurden oben schon Bänke aufgestellt, wo sich jeder dritte Tourist von der anstrengenden 20 Meter Alpinen High-Trecking Wanderung erholen kann. Da weiß ich manchmal nicht, ob ich lachen oder heulen soll… 

Das war also unser Machu Picchu Abenteuer! Wir waren uns einig, sollten wir zufällig nochmal in Peru sein, würde wir es uns nochmal anschauen.

Im übrigen waren wir dadurch auch über eine Woche in der wundervollen, urigen Stadt Cusco. Auch eine Inka-Stadt, auch Unesco Weltkulturerbe und lange nicht so hektisch wie Lima. Eine klein wirkende Stadt wo irgendwie trotzdem 340.000 Menschen leben, mit unzähligen Restaurants, Cafés und engen, verträumten sau steilen Gassen, wo man nach zweimal hochgehen die Schnauze voll hat, weil einem das Herz aus der Brust springt. Cusco war auf jeden Fall die schönste Stadt, die wir bisher auf unserer Reise erlebt haben.

Damit verlassen wir Peru in Richtung Bolivien. Das Perufieber hat uns jetzt nicht so gepackt wie erwartet, das Essen war ok aber nicht so gut wie in Mexiko. Ich habe z.B. Alpaka gegessen, was mir sehr gut geschmeckt hat. Die Menschen sind alle extrem freundlich, genauso wie in Mexiko auch. Vom Land hätten wir uns gern noch die „Weiße Stadt“ Arequipa angeguckt aber auf 20 Stunden Busfahrt für 1,5 Tage Stadt angucken, hatten wir keine Lust.  

So, jetzt ist es Donnerstag 13.30 Uhr. Gruß aus Copacabana in Bolivien, Morgen fahren wir nach La Paz.

Grüße nach Hause

M

Kommentar schreiben

Kommentare: 0