Huacachina - fast wie die Siedlung!

Guten Abend,

20.18 Uhr Ortszeit, kurz hinter Ica bzw. Huacachina, ca.16 Stunden bis Cusco; wieder Reihe 1 und direkt über dem Busfahrer - Panorama! Ich habe gelesen, wenn man in einem Doppeldecker ganz vorne sitzt und in die Berge fährt, hängt man gefühlt manchmal schon über der Leitplanke, welche Straße und Abgrund trennt - wir lassen uns überraschen. Unser Bus hatte eine Stunde Verspätung, was uns bei 17 Stunden Fahrtzeit ziemlich Wurst ist, irgendwann kommen wir halt an. Den Begriff „Zeitdruck“ haben wir seit vier Wochen aus unserem Vokabular gestrichen. Wenn ich die vorangegangen Zeilen jetzt gelesen hätte, würde ich mich fragen, was macht man 17 Stunden im Bus? Also: Vanessa guckt irgendwelche schnulzigen Serien mit Prinzessinnen und nickt vermutlich gleich ein. Unsere trist dreinschauende Sitznachbarin hackt 700 „Anschläge“ pro Minute in ihr Smartphone und guckt nebenbei einen Action-Film. Und ich? Ich höre „Schrottgrenze“ und versuche mich durch die melancholischen Klänge von „Glitzer auf Beton“ zu einem vernünftigen Blogeintrag zu Huacachina inspirieren zu lassen. Derweil starre ich auch einfach nur minutenlang geradeaus in die Nacht und mir wird klar, warum die männliche Stewardess vor zehn Minuten Kotztüten verteilt hat. Mir fehlt jegliches Verständnis, warum man bei so einer Straßenführung mit so einem Ungetüm andere Busse überholen muss aber der Fahrer wird schon wissen was er macht. 

Ich schweife schon wieder vom Thema ab. Ich starre also geradeaus in die Nacht und überlege ganz genau wie man Huacachina beschreiben kann. Der Ort ist quasi eine Oase mitten in der Wüste, etwa so groß wie die Siedlung in Volkmarsdorf. Eine U-förmig angelegte Flaniermeile, in der Mitte aber nicht Gartenparadies Klinzink/Brosig, sondern ein Teich mit Tretbootverleih. Außenrum keine Wohnhäuser sondern Hotels, Fressbuden und Souvenirläden bzw. Promoterbuden. Rundherum dutzende Quadratkilometer feinste Wüste, was diesen Ort auch so einzigartig macht (einfach mal Huacachina bei Google eingeben und auf Bilder klicken). Der Ort lebt logischerweise ausschließlich durch den Tourismus, speziell durch das Anbieten von Sandbuggytouren durch die Wüste samt dazugehörigem Sandboarding. Die Strandbuggys sind zusammengeschweißte, rollende Stahlrahmen, ordentlich gefedert und mit einem leistungsstarken Motor ausgestattet. Natürlich ließen wir es uns nicht nehmen und buchten auch eine zweistündige Tour durch die Dünen, für ca. 9€ konnte man auch nicht viel verkehrt machen. Die Fahrt, wenn man sich denn bewegt hat, hat Spaß gemacht - ein wenig wie Achterbahn fahren. Von den zwei Stunden waren jedoch effektive Fahrzeit vielleicht 20 Minuten. Der Rest wurde mit Sandboarden und ausgiebigen Fotostops einschließlich Sonnenuntergang verbracht; irgendwann sieht in der Wüste halt aber alles gleich aus. Weiteres Highlight waren die zwei 100 Meter hohen Dünen von denen der Ort flankiert wird. Es war zwar sau anstrengend den losen Sand hochzuwandern aber die Aussicht oben war einmalig und man konnte es samt kühlem Bierchen gut aushalten. 

Ja, total schön dachten wir aber was nun? Alles was man in Huacachina so machen kann, hatten wir in 1,5 Tagen abgefrühstückt, wir hatten aber für drei Nächte gebucht. Ich denke, auch niemand würde auf die Idee kommen, drei Tage Urlaub in der Siedlung zu buchen - Hühnerfarm, Gartenschau und Kleintierzoo für ausschließlich reinrassige Spezien; wohnen im Hotel „Kathi“ mit abendlichem Brathähnchenbuffet und Weizenkur, wären zwar eine interessante Sache aber auch schnell ausgereizt. Oder sollte man über den Ansatz nachdenken? Im Ernst, hinterher ist man immer schlauer. Wir haben dann halt mal viel geschlafen, uns mit unserer weiteren Reiseplanung beschäftigt, gut gegessen und die Wüste ein weiteres mal barfuß erkundet.   

Huacachina war trotzdem eine beeindruckende Sache, zumal ich vorher auch noch nie einen Fuß in eine derartige Wüste gesetzt habe, dazu die Oase mittendrin - verrückt und nur zu empfehlen.              

Mittlerweile sitze ich seit zwei Stunden an diesem doch relativ kurzem Bericht, weil ich ständig rausgucken muss. Der Bus quält sich seit ca. 45 Minuten durch Serpentinen einen Pass hoch. Die männliche Stewardess hat uns aufgefordert die Scheiben vorne zuzuziehen, offiziell um einen doppelten Schutz vor Steinschlag zu gewährleisten, das nennt man dann wohl „Sicherheitsgardinen“. Ich gehe stark davon aus, dass die Passagiere nicht sehen sollen, wie und wo hier gerade lang gefahren wird. Ich habe meine Sicherheitsgardine wieder geöffnet und muss zugeben, dass mir bei dem Anblick auch ein wenig mulmig wird, aber gut, ein Hoch auf unseren Busfahrer!

Noch ca. 14 Stunden, bis bald aus Cusco und von Machu Picchu...

M

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Ulrike Teuber (Montag, 19 November 2018 08:04)

    Hallo Mario,
    schön das du mal deine Heimat mit einbeziehst...lach... Ich verfolge sehr gerne deine Reiseberichte und es ist echt genial und witzig wie du...ihr...es schreibt und was ihr alles erlebt geniesst euer Jahr Auszeit in Vollen Zügen und haltet uns weiter fleissig auf den laufenden LG die Daheingebliebene Ulrike aus der Siedlung....lach