Adios Mexiko!

Buenos dias oder auch Moin,

ich sitze gerade auf einem beigen Sofa in einem kleinen Airbnb mitten in Lima, Aussicht links: grauer Kühlschrank, Aussicht rechts: vergittertes Fenster. Schön hier! Inspiration pur, für einen neuen Reisebericht oder auch einen kleinen Rückblick auf Mexiko.

In den letzten Tagen waren wir sehr faul, wir haben sechs Tage in Queretaro bei Mimi, eine Freundin von Vanessa, verbracht.

Mexiko City haben wir nicht auf direktem Weg verlassen, wir haben uns vorher noch die Ruinen von Teotihuacan angeschaut. Teotihuacan liegt ungefähr eine Stunde außerhalb von Mexiko City. Anstatt eine betreute All-in-Tour zu buchen, sind wir mit einer Art Linienbus von dem wohl riesigsten Busbahnhof, den wir je gesehen haben, selbstständig gefahren. Sau günstig, da die Fahrt pro Nase umgerechnet nur 5€ gekostet hat, die betreute Tour hätte 35€ gekostet. Es wollten so viele Menschen in die Richtung von Teotihuacan, dass wir drei Busse abwarten mussten. Dann endlich im Bus fuhren wir mit anderen Touristen und auch Einheimischen los, raus aus der Stadt zur archäologischen Stätte. Die Pyramiden selber liegen in einem weiten, eher kargen Tal, sodass man die Fläche gut überschauen konnte. Schon vom Eingang aus sah man eine Menschenschlange die größere der beiden Pyramiden, die Sonnenpyramide, hochsteigen. Da wir keinen Guide hatten, haben wir uns anschließend ein wenig über die Ruinenstadt belesen. Unsere Annahme, dass die Stadt von den Azteken erbaut wurde, erwies sich als Irrtum. Es ist nicht bekannt, wer die Stadt erbaut hat, der Name Teotihuacan geht allerdings auf die Azteken zurück, die die Stadt entdeckt haben. Und obwohl die Ruinen seit mehr als einem Jahrhundert erforscht werden, sind erst 5% ausgegraben worden. Das Gelände, welches wir besichtigt haben, ist bereits jetzt schon riesig, wir sind an dem Tag bestimmt 4km zu Fuß gelaufen. Insgesamt umfasst das ehemalige Stadtgebiet ca. 20 Quadratkilometer. Zum Glück schien die Sonne nicht so stark, sonst wären wir vermutlich zum 17. mal verbrannt gewesen. Wir liefen also einmal das gesamte Gelände ab, bestiegen die Sonnenpyramide zur Hälfte (uns sei die Faulheit verziehen) und die Mondpyramide und versuchten alles so gut es ging auf Fotos festzuhalten. 

Die Tage in Queretaro haben wir damit verbracht uns die Stadt anzugucken. Aushängeschild der Stadt ist ein hunderte Meter langes Aquädukt, welches nachts bunt beleuchtet wird und quer durch die Stadt verläuft, haben mexikanische Fusionsküche gegessen und dem Treiben des „Dia de los muertos“ zugesehen. Samstag waren wir in San Miguel de Allende, auch eine schöne, urige alte Stadt. Dort war auch der „Dia de los muertos“ im vollen Gange und die Stadt dementsprechend sau voll! Bevor wir jedoch dorthin fuhren, waren wir mit Mimi und Carlos authentisch mexikanisch essen. In einem riesigem offenem Restaurant, welches um 11 Uhr schon rappelvoll war, gab es Schaf. Ja, richtig - Tacos mit Schafsfleisch und scharfen Soßen. Scharfes Schaf, quasi. Der Bock wird für 24 Stunden in einem Erdloch langsam gegart und ist dadurch sehr zart. Anschließend wird das Fleisch liebevoll von einem Koch auf einem Holzbock in mundgerechte Stücke zerteilt und dann auf einer Platte angerichtet. Diese Platte bekommt man dann mit den hausgemachten Maisfladen an den Tisch geliefert. Den Taco baut man sich dann mit dem Fleisch, Zwiebeln, frischem Koriander sowie roter und grüner Chilisoße zusammen, zu Schluss noch eine Prise Salz und Limettensaft - fertig ist das Ding! Die Zutaten sind bis auf die verschieden Fleischsorten im groben immer die selben, was es aber trotzdem irgendwie nicht eintönig macht, da es immer anders schmeckt. Diese Tacos waren aber auf meiner Taco-Tabelle die Besten. Ich hab dann aufgrund konfuser Blicke beim achten Taco lieber aufgehört zu essen, es war einfach unglaublich lecker. Vanessa fand das Schaf irgendwie nicht soooo geil und hielt sich an die vegetarische Variante mit Käse. 

Abends waren Mimi und Carlos auf eine Party eingeladen, mit Verkleiden und so nem Bums, weil „Dias de los muertos“ usw. Vanessa sah aus wie eine Indianerin, ich wie das introvertierte, heterosexuelle Double von Bill Kaulitz. Als wir dann um 0.30 Uhr auf der Party ankamen, waren 98% der Gäste schon raketenvoll, was bei einem unaufhörlichem Tequila Konsum über Stunden auch nicht verwunderlich war. So standen wir also dar, ich vier Halbe in der Hand, Vanessa ne Tequila-Mische. Bier wird in Mexiko anscheinend nicht getrunken, wobei ich die vier Dosenbier als durchaus lecker empfand und schon schlechtere Biere in Deutschland getrunken habe. Zum Glück waren alle Gäste der englischen Sprache mächtig, auch wenn es aufgrund der vorangegangen Tequila und meinem etwas lädierten Gehör, teilweise zu Verständigungsproblemen kam. Wir amüsierten uns, bis wir später noch auf eine andere Party fuhren. Dort führten wir echt interessante Gespräche, ich trank mittlerweile Tequila und konnte besser Englisch sprechen als Bill Kaulitz singen. Um fünf Uhr morgens machten wir uns dann zum Glück auf den Heimweg, ich war schon ziemlich müde im Gesicht. Super Abend! Wir fanden es interessant, auch mal Mexikanern in unserem Alter auf einer Party zu treffen und sich mit denen über ganz banale Dinge zu unterhalten. Auch hier ist man anscheinend aus einer anderen Galaxie wenn man vier Bier an einem Abend trinkt, so ist es wohl auf dem kompletten amerikanischen Kontinent. Nach dem Partymarathon lagen wir den kompletten Sonntag im Bett und haben „genetflixt“, da wir am Montag für unsere beiden mexikanischen Freunde eine typisch deutsch-ungarisches Gericht kochen wollten. Wir entschieden uns für Gulasch mit Nudeln und Töften, da wir da auch alle Zutaten problemlos in einem mexikanischen Supermarkt bekommen sollten. 

Mexiko war glücklich, da neue Geschmackserfahrung; Deutschland war glücklich, da mal kein Mexikanisch. Hat sehr gut geschmeckt, fast wie von Omma.

Damit endet Mexiko leider auch schon, nach 3,5 Wochen quer durchs Land, fliegen wir am Mittwoch nach Lima. Ich habe Mexiko vor der Reise mehr als Übergangsland gesehen und hatte garnicht so richtig auf dem Schirm, dass wir dort doch so lange bleiben würden. Es war gut so! Ob nun zu Anfang der Reise die Strandurlaube, die verschiedenen Städte oder im Allgemeinen das super freundliche mexikanische Volk - alles war sehr cool und ein Erlebnis. Alle Mexikaner haben immer ein Lächeln auf den Lippen. Auch wenn wir oft gegenseitig nur Bahnhof verstanden haben, hat die Kommunikation auf irgendeine sympathische Art und Weise immer funktioniert. Am besten hat uns jedoch die gute und günstige mexikanische Küche gefallen, hätten wir so nie erwartet. Wenn man morgens, mittags, abends generell gerne sein Esszimmer in Brand steckt, ist man hier richtig aufgehoben. Toll! Ein Geheimtip ist die mexikanische Coca Cola, eiskalt im Restaurant aus Glasflaschen serviert. Diese wird hier noch mit Rohrzucker gesüßt anstatt wie sonst mit irgendeiner Maisplörre - total lecker. Gewöhnungsbedürftig war der Verkehr - hier gibts Fahrzeuge auf den Straßen, die würde man in Deutschland nicht mal mehr zum Stock-Car nehmen. Außerdem sehr hektisch und nicht ungefährlich als Fußgänger. Das wichtigste aber, wir haben uns hier nicht zu einem Zeitpunkt irgendwo unsicher gefühlt! 

Adios Mexiko!

Wir sind jetzt fast vier Wochen unterwegs und es geht uns sehr gut! Wir haben eine gute Balance zwischen gucken, entdecken, reisen und halt auch einfach mal gar nichts machen. Wir sind im Rhythmus, haben jeden Tag einen ungefähren Plan, können wieder ausschlafen und finanziell sind wir unter unserem Budget. Ich will da jetzt kein Geheimnis draus machen, wir haben für jeden Monat 2500€ zur Verfügung und werden jetzt im ersten Monat auf ca. 1900€ kommen. Ich hoffe, wir bleiben so sparsam, denn ich wüsste nicht mit was ich hier Geld verdienen könnte.

Das Beste jedoch ist, wir haben jetzt realisiert, was wir hier eigentlich machen. Das wir jetzt ein Jahr reisen und ein Jahr nach dem Frühstück theoretisch wieder ins Bett gehen können, war uns die ersten zwei, drei Wochen noch nicht so richtig bewusst, es kam uns mehr wie ein normaler Urlaub vor. Wir hoffen, dass weiterhin alles so glatt läuft auch wenn es uns auch mal nicht so gut geht.

Nun gut, die Aussicht links hat sich vom Kühlschrank in eine Pasta kochende Vanessa verwandelt. Ich hätte aufgrund der Jahreszeit lieber Grünkohl mit Bregenwurst und Töften gehabt, aber versuch das mal mit meinem Spanisch bzw. Händen und Füßen der Supermarktgemüsefachangestellten zu erklären, keine Chance! 

Moin, Peru!

Bis dann!

V&M

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Kommentare: 2
  • #1

    Matzi (Mittwoch, 14 November 2018 22:50)

    Dann übertreibt es nicht mit den Cocablättern. Obwohl die Höhenkrankheit kann einen ganz schon weglaufen �

  • #2

    Matzi (Mittwoch, 14 November 2018 22:50)

    Weghauen....