Urlaub in Tulum, schwitzen in Palenque

Moin, 

Gruß aus dem schwülen Dschungel in Palenque! Hier war es so schwül, ich musste nur meinen kleinen Zeh vor die Tür halten, da hätte ich mich schon umziehen können. Aber dazu später mehr!

Wir waren in Tulum, haben uns die Maya Ruinen an der Küste angeguckt und viel abgegegammelt - was man halt im Urlaub so macht. Gewohnt haben wir in einer kleinen Hütte in einem Eco Hotel, Strom nur von 18.00 bis 8.00 Uhr. Das Manglex Hotel lag direkt an bzw. in einer Cenote und war sehr einfach aber gemütlich. Vanessa fand es teilweise weniger praktisch, da es in den Mangroven auch tagsüber recht schattig war und man ohne Strom natürlich kein Licht anmachen konnte. Schlechte Kombination, wenn man mal wieder seine Brille verlegt hat oder als Eindrittel-Maulwurf andere Dinge in so einer engen Hütten sucht. Außerdem hat sich auch mal der ein oder andere Bewohner aus den umliegenden Mangroven zu uns verirrt - ich hab noch nie so große Heuschrecken gesehen. In der Cenote konnte man super baden, das Wasser war glasklar und leicht salzig. Außerdem konnte man sich gratis Boote oder Bretter zum Stand Up Paddeln ausleihen, was wir auch genutzt haben. Zwischen unserer Hütte und dem wunderschönen Strand, lag die etwa 10 km lange Küstenstraße mit dutzenden Restaurants, Bars und kleinen urigen Hotels. Das Problem an der Straße ist, dass nachts eine Art Krabbenwanderung stattfindet und relativ große Krabben versuchen die stark frequentierte Straße zu überqueren. Die ganze Straße ist mit Flecken von überfahrenen Krabben übersät, ungefähr so wie bei uns ein überfahrender Frosch. Leider haben wir es auch einmal live miterlebt, es hört sich ungefähr so an, als würde man über eine Tüte Cornflakes fahren - keine schöne Erfahrung. Ansonsten war es dort relativ teuer, typisches Touri Gebiet für Amerikaner. Aber jeder, der auf zweiwöchigen Strandurlaub steht, dem kann ich Tulum nur ans Herz legen. Nicht überlaufen, keine riesigen Betonbunker und die Unterkünfte quasi direkt auf dem Strand. Fazit: Tulum war auch ein klassischer Strandurlaub. 

Donnerstag Abend sind wir in Tulum in den Bus gestiegen und 10 Stunden nach Palenque gefahren, um uns dort weitere Maya Ruinen anzuschauen. Palenque liegt quasi mitten im Dschungel, dementsprechend schwitze ich jetzt seit Freitag Morgen durchgängig. Hier in Palenque ist es auch vorbei mit Englisch, ein paar Brocken hat jeder immer noch verstanden und man konnte sich verständigen, hier ist selbst das Wort „Airport“ oder „Hamburger“ ein Fremdwort. In der Vorbereitung auf die Reise hat Vanessa vor einem halben Jahr angefangen ein bisschen Spanisch zu lernen und versteht teilweise was. Ich hatte damals für mich beschlossen, dass mein Spanisch aufgrund diverser zurückliegender Mallorca Aufenthalte ausreichend sein müsste, Getränke bestellen ging damals auch schon immer wie am Schnürchen. Nachdem ich dann im Frühjahr alle drei Staffeln Narcos am Stück geschaut habe und man das als Spanisch Intensivkurs werten kann, würde ich mich im spanischen schon als „Verhandlungssicher“ sehen. Wichtige Vokabeln wie: „Plata“ (Geld), „Matar“ (umbringen), „Puta“ (Schimpfwort) oder „Paz“ (Frieden), sind mir im Gedächtnis hängen geblieben. Jetzt in Tulum kam noch „Huevo“ (Eier) hinzu, was meinen Wortschatz final abrundet. Prinzipiell bin ich jetzt in der Lage, durch ständiges tauschen und/oder einsetzten der Vokabeln in den auf Mallorca erlernten Satz: „Dos cervezas, por favor“, flexibel auf Probleme zu reagieren. 

Wenn ich mir morgens jetzt also Eier zum Frühstück bestelle und dem Kellner sage: „Dos huevos, por favor“ bin ich schonmal ein ganzes Stück selbständiger. Falls der Kellner nicht aus dem Knick kommt, kann ich der Bestellung, in dem ich noch „Puta“ anfüge, ein Stück Nachdruck verleihen. Also auf deutsch dann: „Zwei Eier, bitte!“ Oder mit einem freundlichem Seitenhieb: „Zwei Eier, bitte! Arschloch!“ Sollte die Bestellung vollends aus dem Ruder laufen oder der Kellner partout nicht seinen Serviceleistungen nachkommen, habe ich ja mit „Marta“ ein weiteres Ass im Ärmel. Natürlich kann ich mit „Paz“ die dann vermutlich eskalierte Situation wieder schleunigst entschärfen. Also ihr seht, es ist alles durchdacht und es läuft hervorragend mit meinem Spanisch. 

Spaß bei Seite; ich habe heute tatsächlich meine erste Bestellung voller Selbstvertrauen auf Spanisch bei Burger King abgegeben. Bestellen wollte ich einen Whopper Jr. und einen normalen Hamburger, ohne Menü und ganz wichtig, ohne Käse! Nach kurzen Verständigungsproblemen, war meine Bestellung im Kasten -  ich, stolz wie Bolle und mit einem leeren Becher in der Hand. Aber warum der Becher? Ich habe doch eigentlich kein Menü bestellt?! Für umgerechnet nur 4€, war ich mir meiner Sache aber eigentlich ziemlich sicher und verkündete Vanessa die frohe Botschaft. Drei Minuten später kam die Bestellung. Aus dem Whopper Jr. und dem Hamburger, alles einzeln und ohne Käse, wurde ein komplettes Whopper Menü mit Pommes und Käse + ein Cheeseburger. Ja, was soll ich sagen - mein Spanisch scheint FAST perfekt. Vanessa hat zum Glück den Cheeseburger gegessen und mit den dann doch mitgelieferten Fritten, konnte ich vom Whopper den halb zerlaufenden Käse abkratzen. Das üben wir nochmal! 

Ich bin ein wenig vom Thema abgekommen, wir sind also nach 10 Stunden Busfahrt morgens um 7 Uhr in Palenque angekommen. Wir brachten unsere Rucksäcke aufs Hotelzimmer und stellten uns wie im Reiseführer empfohlen an die Straße, um auf einen „Collectivo“ zu warten, der uns günstig in die Berge bringen sollte, wo wir die Maya Ruinen bestaunen wollten. Collectivos sind meist irgendwelche kleinen Busse von Isuzu oder Toyota, die für nen schmalen Taler die Einheimischen von A nach B kutschieren. Eine günstige Alternative zum Taxi! Fünf Minuten später hielt dann tatsächlich ein Haufen Blech auf Rädern vor uns an. In der Frontscheibe ein Schild mit „Ruinas“, das sollte der richtige Collectivo sein, dachten wir uns. Der Beifahrer schmetterte noch die Worte „Es sind noch Plätze frei“ (vermutlich) auf Spanisch in unsere Richtung, bevor die Schiebetür hinten aufging und sich mit uns noch ein Polizist und eine weitere Frau in die Büchse zwängen wollten. In der Gurke saßen aber bereits zwei Fahrer vorne, ein Mexikaner, fünf Mexikanerinnen, ein Sack Limetteten und drei Sack Zwiebeln. Wir also auch noch mit rein, ich saß auf dem Radkasten, bis der Polizist mir zeigte, dass ich auch noch einen Notsitz ausklappen konnte. Zum Glück stieg nach 10 min fahrt der Sack Limetten aus, samt dazugehörigem Besitzer versteht sich. Nach 20 Minuten Fahrt kamen auch wir an den Ruinen an, für umgerechnet 1€ Fahrpreis war das eine super Sache! Bei angenehmen 35*C und einer hohen, gefühlten Luftfeuchtigkeit von 99%, schauten wir uns die nicht weniger hohen Maya Ruinen an. Was soll ich sagen - sehr beeindruckend! Wir schossen viele Fotos und machen uns klitschnass nach ca. drei Stunden wieder auf den Heimweg. Wieder im Collectivo, wieder für einen Euro, diesmal aber ohne Zwiebeln. Abends aßen wir noch schlecht aber immerhin scharf und fanden eine Bar, wo es frisch gezapftes Bier gab, aus 0,79 Liter Gläsern für umgerechnet 2€ - ein Traum. 

Mittlerweile ist es hier Samstag, 19.45 Uhr. Wir sitzen im Flieger nach Mexiko City, zwei Stunden Flugzeit - 60€. Alternative wäre gewesen: 15 Stunden Busfahrt - 50€. 

Ich merke gerade, dass der ganze Bums den ich hier zusammengeschrieben habe, ziemlich lang geworden ist. Da müsst Ihr jetzt durch! Melden uns aus Mexiko Stadt, da bleiben wir jetzt vier Tage, haben eine gehörige Portion Respekt, sind aber auch voller Vorfreude. Der Urlaub ist vorbei, jetzt gehts los! Das Kabinenpersonal kommt jetzt mit Getränken, 

In diesem Sinne:

¡Dos cervezas, por favor y buenas noches!

M

Kommentar schreiben

Kommentare: 4
  • #1

    michi (Montag, 29 Oktober 2018 20:49)

    Super Berichte bisher. Mal gucken, ob ihr es mit eurem spanisch und dem öffentlichen Bus in Mex Stadt nach Teotihuacan schafft. Lohnt sich ;)

  • #2

    M (Dienstag, 30 Oktober 2018 03:14)

    Danke!
    Wir checken das gerade wie wir da am besten hinkommen! :-)

  • #3

    „Schwiegermutter“ in spe‘ vom „bösen Mann“ (Dienstag, 30 Oktober 2018 16:14)

    Theresa hat mir freundlicherweise eure Seite zukommen lassen, ich reise ja auch sehr gerne und bin immer froh nette, lustige Reiseberichte zu verfolgen, einst wie bei Theresa und Tabea damals. Ich verfolge euch einfach weiter, wünsche euch ne tolle Zeit und bitte weiter sooo mit dem bums...
    Gruß von Theresas Mamma�

  • #4

    Kroko (Freitag, 14 Dezember 2018 12:06)

    Danke für die tolle Pausenunterhaltung! Lachen tut auch auf Arbeit gut. :-)
    nur die Kollegen haben etwas irritiert geguckt... und ich frage mich, warum bin ich eigentlich erst heute hier?
    Viel Spass weiterhin und alles Gute!