Die ersten Tage

Während wir nun auf Isla Mujeres ein kühles Bier in einer sonst leeren Sportsbar trinken, um die Zeit bis zum Check-In in das nächste Hotel zu überbrücken, lass ich die 1,5 Tage Cancun Revue passieren. Müde und eindeutig überfordert standen wir vor 2 Tagen am Flughafen, bevor wir überhaupt einen Geldautomaten gefunden haben, wurden uns schon 10 Taxis angeboten. Dass wir am Ende viel zu viel gezahlt haben, war uns dann auch egal. Mit mit dem Taxifahrer Speedy Gonzales ging es Richtung Zentrum. Seinen Namen trägt er zurecht - mit Dauerfernlicht raste er durch den Verkehr, auf der Rückbank wurde mir ein wenig komisch. Mario schien recht entspannt oder er war einfach zu groogy von der Wärme und Schwüle. Ohne Unfall im Hotel angekommen bezogen wir erstmal unser Zimmer, besser als erwartet mit Klimaanlage. Diese gab allerdings in der zweiten Nacht den Geist auf und es wurde ziemlich schnell schwül und warm. Dieses „Leid“ wird uns vermutlich noch öfter ereilen, wenn es gar keine Klimaanlage gibt. Aber das haben wir uns ja so ausgesucht.

 

Auf dem Weg zur gegenüberliegenden Tankstelle, um uns noch einen Willkommensdrink zu besorgen, erhielten wir eine unfreiwillige Dusche. Das sich schon angekündigte Gewitter ergoss einen sintflutartigen Regen über Cancun, in kürzester Zeit standen die Straßen unter Wasser. Dieses Schauspiel erlebten wir auch am nächsten Tag, als wir aus dem Supermarkt kamen. Zuvor hatten wir unsere Bustickets für die nächste Woche gekauft und dabei den für uns normalausschauenden Supermarkt entdeckt. Sonst waren wir immer nur an Tante Emmaläden vorbeigelaufen. Insgesamt kann man Cancun nicht gerade als sehenswert beschreiben - große Straßen ohne wirkliche Fußgängerübergänge (man sollte am besten recht zügig beim über die Straße laufen sein) mit viel Verkehr und dementsprechenden Hubkonzerten. Als ich Mario frage, was ihm am meisten von Cancun in Erinnerung geblieben ist, kommt direkt als Antwort: Die alten Autos. Für die sind ja teilweise sogar die Schrottplätze zu schade.

 

Zurück im Hotel essen wir unseren Einkauf. Es gibt für Mario Minihähnchenknochenzeugs und Kartoffelrösti, für mich Bötchen und Tomatensalat mit Zwiebel und todesscharfer Chili. Sah aus wie Bruschetta, war es aber nicht. Nachdem mir nicht mehr der ganze Mund brennt sortiere ich die Chilis lieber aus. Für meinen Geschmack zu mexikanisch gewürzt.

 

Auch unser Ausflug am Nachmittag war nicht gerade erfolgreich. Einen Strand haben wir nicht gefunden, obwohl wir in die Hotelbunkerzone der Amis gefahren sind. Jeder Weg zum Strand zugebaut, nicht mal einen Blick konnte man aufs Wasser erhaschen. Highlight des Nachmittags war der Starbucks mit Wifi, das im Hotel funktionierte unseren gesamten Aufenthalt nicht.

 

Das eine Reise in Realität anders ausfällt als man es sich zuvor ausgemalt hat, dürfte niemanden von euch unbekannt sein. Cancun hatte jetzt keine weißen Traumstrände parat und das Wetter war bisher auch nicht immer Bombe. Aber wir haben ja noch 363 Tage Reise vor uns.

 

Isla Mujeres verspricht auf jeden Fall schöner zu werden. Viele kleine Bars und Restaurants reihen sich aneinander, es scheint die Sonne von Himmel und der Strand ist auch nicht weit von unserer Unterkunft. Den Strand testen wir auch noch – Badewanne in türkisblauem Wasser mit weißem Sand; perfekt.

 

9 Uhr morgens, ein neuer Tag auf Isla Mujeres. Wir sitzen im Innenhof von unserem Hostel. Mario regt sich über den wie ein Affe-klingenden Vogel auf und auch über die wie Brülllaffen klingende Gruppe von Jungs. Ich hätte dagegen lieber noch einen Toast mit Marmelade, aber das Frühstück ist leergefegt und wird ganz offensichtlich nicht nochmal aufgefüllt. Naja - ein Toast ist besser als kein Toast, wenn man nicht mal mit Frühstück gerechnet hat.

 

Der Wetterbericht ist heute mal wieder nicht auf unserer Seite. Es sind für den ganzen Tag Gewitterschauer angekündigt. Gut für Mario, der sich gestern schon einen Sonnenbrand geholt hat. Da scheint er gerade aber nicht mehr dran zu denken und sitzt ein wenig deprimiert in der Hängelsitzschaukel und nippt an seinem Tee. Nach einer kleinen Sporteinheit ziehen wir los, wir brauchen ein Golfcar, das wohl beliebteste Fortbewegungsmittel auf Isla Mujeres, sowohl bei Touristen als auch Einheimischen. In einer zurückgelegenen Garage finde wir dann unser Gefährt für den Tag, kurze Führerscheinkontrolle und los geht die Fahrt. Das Ganze erinnert mich an die Miniautos in Freizeitparks, in denen man seinen Kinderführerschein machen konnte. Erstmal reihen wir uns in die Kolonne von Golfcars ein, die das Wohngebiet Richtung anderes Ende der Insel verlassen. Vorbei geht es am stillgelegten Flughafen durch die nächste Siedlung. Kurz vorm Inselende müssen wir einen Stopp einlegen, es regnet wieder wie aus Kübeln. Danach scheint den restlichen Tag die Sonne, nur der starke Wind bleibt. Der Punta Sur wird ausgiebig fotografisch festgehalten, vielleicht ist Mario doch nicht nur Möchtegernfotograf. Vom südlichen Ende düsen wir wieder zurück zur Nordseite der Insel und entdecken einen weniger stark besuchten Strandabschnitt. Dort wird wieder ausgiebig in der unruhigen See gebadet, der Wind lässt die gestrige Badewanne ziemlich schaukeln.

 

Jetzt sitzen wir im Bus nach Isla Holbox. Es gibt kein Klo und so genau wissen wir nicht wie lange die Fahrt dauert. Werde ich mich wohl das erste Mal in der Lama-Taktik üben.

 

 

 

Melden uns von Isla Holbox, Gruß Vanessa

 

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